250.000 Tonnen Eis über Randa: Welche Gefahr besteht

250.000 Tonnen Eis über Randa: Welche Gefahr besteht
Der Hängegletscher Weisshorn Ost oberhalb von Randa. Bei einem Eisabbruch könnte Schnee auf dem darunterliegenden Bisgletscher mitgerissen werden.© Presse.Online

Eisblock über Randa: Neuschnee verschärft das Lawinenrisiko

Am Weisshorn oberhalb von Randa bewegt sich ein nach Medienangaben rund 250.000 Tonnen schwerer Eisblock talwärts. Neuschnee könnte die Folgen eines Abbruchs verschärfen. Eine akute Bedrohung des gesamten Dorfes ist bislang nicht bestätigt.

Stand: 26. Oktober 2026

Randa. Am Hängegletscher Weisshorn Ost im Schweizer Kanton Wallis droht ein größerer Eisabbruch. Nach einem Bericht des Schweizer Nachrichtenportals Blick vom 22. Oktober bewegt sich dort ein rund 250.000 Tonnen schwerer Eisblock. Sorge bereitet vor allem die mögliche Verbindung von herabstürzendem Eis und frischem Schnee auf dem darunterliegenden Bisgletscher.

Die Gemeinde hatte die Überwachung bereits am 24. August auf Stufe 3 erhöht. In ihrer Mitteilung vom folgenden Tag erklärte sie ausdrücklich, dass das Siedlungsgebiet von der damaligen Situation nicht betroffen sei. Eine neuere behördliche Einschätzung, die eine unmittelbare Gefährdung des gesamten Dorfes bestätigt, liegt dieser Berichterstattung nicht zugrunde.

Warum der Schnee unterhalb des Eisblocks zählt

Blick berichtet unter Berufung auf Aussagen des kantonalen Naturgefahreningenieurs Norbert Carlen gegenüber dem Walliser Boten, dass sich der Eisblock mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag talwärts bewege.

Bei einem vollständigen Abbruch könnte das Eis Schnee vom darunterliegenden Gletscherplateau mitreißen. Wie weit eine solche Lawine reicht, hängt deshalb auch von der Schneemenge und der Stabilität der Schneedecke ab.

Der Lawinenschutzexperte Stefan Margreth vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF erläuterte gegenüber Blick, dass bei einer instabilen Schneedecke weitere Schneelawinen ausgelöst werden könnten. Das Zusammentreffen eines großen Eisabbruchs mit einer extremen Lawinensituation hält er allerdings für eher unwahrscheinlich. Auch kleinere Teilabbrüche seien möglich.

Bereits im August lösten sich Eismassen

Nach Angaben der Gemeinde wird der Hängegletscher seit Ende Juni wegen erhöhter Aktivität genauer beobachtet. Damals wurde auch ein Gefahrenbereich festgelegt.

Am 24. August ereigneten sich mindestens drei Abbrüche. Die Eismassen blieben auf dem darunterliegenden Gletscherplateau liegen. Wie viel Eis sich damals gelöst hatte, ließ sich wegen schlechter Wetterbedingungen zunächst nicht zuverlässig bestimmen.

Zur Überwachung setzt die Gemeinde unter anderem ein interferometrisches Radar ein. Es hilft, Bewegungen des instabilen Gletschers zu erfassen und die Entwicklung zu beurteilen.

Gefahrenbereich und Dorf müssen unterschieden werden

Die kommunale Mitteilung vom 25. August untersagt den Aufenthalt innerhalb des ausgewiesenen Gefahrenbereichs bis auf Weiteres. Auch die offiziellen Zugänge für Fußgänger und Radfahrer wurden gesperrt.

Diese räumliche Abgrenzung ist wesentlich: Aus einem drohenden Gletscherabbruch folgt nicht automatisch, dass sämtliche Wohngebäude gefährdet sind. Die Aussage, ein Eisblock bedrohe bereits das ganze Dorf, geht über die hier geprüfte behördliche Mitteilung hinaus.

Offen bleibt, wie die zuständigen Fachstellen die Reichweite eines möglichen Abbruchs unter den inzwischen veränderten Schneebedingungen aktuell bewerten.

Quellen und Transparenz

Die Angaben zu Gewicht und Bewegungsgeschwindigkeit stammen aus dem Oktoberbericht von Blick. Eine eigene Messung oder direkte Auskunft des Kantons liegt nicht vor. Die amtliche Mitteilung beschreibt den Stand vom August und bestätigt nicht die heutige Gefahrenlage.

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