Was Merz bei seinen Partnern in Asien erreichen will
Merz in Asien: Neue Partner gegen riskante Abhängigkeiten
Mit seiner Reise nach Singapur, Japan und Südkorea will Friedrich Merz Deutschlands wirtschaftlichen Spielraum vergrößern. Die Partner stehen vor einer ähnlichen Aufgabe: Sicherheit und Handel lassen sich kaum noch getrennt betrachten.
Stand: 27. Oktober 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz will die Zusammenarbeit mit Singapur, Japan und Südkorea ausbauen. Seine bis zum 30. Oktober angesetzte Asienreise verbindet Wirtschaftsgespräche mit Sicherheitspolitik. Nach Angaben der Bundesregierung stehen verlässlichere Lieferketten, Technologiekooperationen und Investitionen im Mittelpunkt. Eine Wirtschaftsdelegation begleitet den Kanzler.
Die Reise führt zu Ländern, mit denen Deutschland bereits eng zusammenarbeitet. Berlin sucht dort zusätzliche Möglichkeiten, wirtschaftliche Risiken zu verteilen. Dabei begegnet Merz Partnern, die selbst zwischen engen Handelsbeziehungen mit China und einer sicherheitspolitischen Orientierung an den USA stehen.
Zwischen amerikanischer Sicherheit und chinesischem Markt
Wie eng diese Interessen miteinander verflochten sind, zeigt Japan. Das japanische Außenministerium bezeichnet das Bündnis mit den Vereinigten Staaten als Grundpfeiler seiner Außen- und Sicherheitspolitik. Gleichzeitig war China nach den vom Ministerium veröffentlichten Zahlen für 2024 Japans größter Handelspartner. Rund ein Fünftel des japanischen Warenhandels entfiel damals auf die Volksrepublik.
Auch für Südkorea ist China nach Angaben des südkoreanischen Außenministeriums der größte Handelspartner. Wirtschaftliche Verbindungen lassen sich deshalb nicht einfach lösen, wenn sich die politische Lage verschärft.
Für Deutschland liegt darin ein Anknüpfungspunkt: Mehr Zusammenarbeit mit anderen asiatischen Volkswirtschaften kann helfen, Bezugsquellen und Absatzmärkte breiter aufzustellen. Sie bedeutet allerdings keinen automatischen Ausweg aus chinesischen Abhängigkeiten. Auch neue Partner sind in Lieferketten mit China eingebunden.
Die Bundesregierung begründet die Reise entsprechend mit dem Wunsch nach offenem, regelgebundenem Handel und größerer wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit. Ob daraus belastbare Alternativen für Unternehmen entstehen, hängt von konkreten Vereinbarungen ab.
Singapur ist Partner der USA, aber kein Bündnisstaat
Bei allen Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die drei Gastgeber sicherheitspolitisch. Singapur ist, anders als Japan, kein vertraglicher Verbündeter der Vereinigten Staaten. Das Verteidigungsministerium des Stadtstaats beschreibt die USA als engen Sicherheitspartner und verweist auf umfangreiche militärische Zusammenarbeit.
Diese Unterscheidung ist für die Einordnung der Reise wesentlich. Merz besucht keine einheitliche Staatengruppe mit identischen Verpflichtungen gegenüber Washington. Die Bundesregierung setzt auf gemeinsame Interessen, die trotz unterschiedlicher außenpolitischer Positionen bestehen.
Zum Auftakt sind am 27. Oktober in Singapur Gespräche mit Premierminister Lawrence Wong vorgesehen. Auch ein Treffen mit Präsident Tharman Shanmugaratnam steht im angekündigten Programm. Mit einer Rede im Rahmen der Singapore Lecture erhält Merz Gelegenheit, die deutsche Position zur Zusammenarbeit in der Region darzulegen.
In Tokio geht es auch um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit
Für den 28. Oktober ist die Weiterreise nach Japan geplant. In Tokio soll Ministerpräsidentin Sanae Takaichi den Kanzler empfangen. Vorgesehen sind zudem die Teilnahme am German-Japanese Business Summit und der Besuch eines japanischen Unternehmens mit deutscher Kooperation.
Die Bundesregierung nennt Japan einen ihrer engsten und strategisch wichtigsten Partner in Asien. In der Reiseankündigung verweist sie auf gemeinsame Herausforderungen bei der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und auf die Anpassung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Ein weiterer Schwerpunkt ist künstliche Intelligenz. Nach Angaben der Bundesregierung sollen die Gespräche dazu beitragen, die technologische Zusammenarbeit zu vertiefen und Investitionen nach Deutschland und Europa zu holen. Damit richtet sich die Reise auch an Unternehmen, die über künftige Standorte und Kooperationen entscheiden.
Welche Vereinbarungen die Reise bringt, ist noch offen
Ab dem 29. Oktober führt die Reise nach Südkorea. Dort ist ein Treffen mit Präsident Lee Jae-myung angekündigt. Zum Programm gehören außerdem die Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul und ein Besuch der demilitarisierten Zone an der Grenze zu Nordkorea.
Die Verbindung von Wirtschaft und Sicherheit wird an dieser letzten Station besonders sichtbar. Die Bundesregierung hat in ihrer Ankündigung allerdings noch keine konkreten Vertragsabschlüsse oder neuen Verteidigungsvereinbarungen genannt. Auf entsprechende Nachfragen verwies sie auf die bevorstehenden Gespräche.
Der nächste Prüfstein sind damit die Ergebnisse der einzelnen Stationen: Welche Kooperationen werden verbindlich vereinbart, welche Investitionen angekündigt? Nach dem offiziellen Reiseprogramm soll Merz am 30. Oktober die Asien-Pazifik-Konferenz in Seoul eröffnen.
Quellen und Transparenz
- Bundesregierung: „Bundeskanzler Merz reist nach Singapur, Japan und in die Republik Korea“, 23. Oktober 2026. Pressemitteilung zum Reiseprogramm und den angekündigten Gesprächspartnern. bundesregierung.de
- Bundesregierung: „Regierungspressekonferenz vom 23. Oktober 2026“. Amtliche Mitschrift zu Reisezielen, Investitionen, künstlicher Intelligenz und noch offenen Vereinbarungen. bundesregierung.de
- Bundesregierung: „Neue Impulse für die Handelspolitik“, 26. Oktober 2026. Offizielle Darstellung zum Reisebeginn und zur wirtschaftspolitischen Zielsetzung. Reiseübersicht.
- Japanisches Außenministerium: „Japan-United States of America Relations (Basic Data)“, 7. August 2026; „Japan-China Economic Overview“, April 2025, Handelsdaten für 2024. Amtliche Hintergrundquellen. Beziehungen zu den USA · Wirtschaftsbeziehungen zu China. Ministry of Foreign Affairs of Japan
- Südkoreanisches Außenministerium: Länderprofil China, abgerufen am 27. Oktober 2026. Amtliche Angaben zu den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Länderprofil
- Verteidigungsministerium Singapurs: Rede von Verteidigungsminister Ng Eng Hen vom 3. März 2025. Primärquelle zur sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit den USA und zum fehlenden formellen Bündnisstatus. Redetext.
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