Eralp-Enthüllung: Rot-Grün-Rot in Berlin unter Druck

Eralp-Enthüllung: Rot-Grün-Rot in Berlin unter Druck
Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Veröffentlichte interne Anmerkungen haben eine Debatte über ihre politische Unabhängigkeit ausgelöst. Symbolbild: KI-generierte Illustration.

Eralp-Enthüllung: Wie lange hält Rot-Grün-Rot in Berlin?

Interne Anmerkungen über die Angst vor Hamas-Sympathisanten setzen Elif Eralp unter Druck. Aus der SPD kommen Zweifel an ihrer Eignung als Regierungschefin. Ein Abbruch der Gespräche ist bislang nicht belegt.

Stand: 29. Oktober 2026

Berlin. Die geplante Regierungsbildung von Linken, Grünen und SPD wird von einer Debatte über die politische Unabhängigkeit ihrer möglichen Regierungschefin belastet. Anlass sind interne Anmerkungen von Elif Eralp, über die der „Spiegel“ berichtet. Darin soll die Linken-Politikerin begründet haben, weshalb sie eine Interviewpassage über den Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim streichen lassen wollte: Sie fürchte um die Sicherheit ihrer Familie.

Der frühere Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellt deshalb infrage, ob Eralp ihr angestrebtes Amt frei ausüben könnte. SPD-Landeschef Steffen Krach will dagegen zunächst mit ihr sprechen. Damit ist die Debatte in der Partei angekommen, deren Unterstützung Eralp für eine Regierung mit den Grünen benötigt.

Eine gestrichene Antwort wirft Fragen auf

Nach übereinstimmenden Medienberichten gelangten die Kommentare versehentlich mit der autorisierten Interviewfassung aus Eralps Büro an den „Spiegel“. Eine Frage zu Ibrahim samt Antwort sollte demnach entfallen.

„Ich kann mich und meine Familie für den Spiegel nicht in Gefahr bringen“, schrieb Eralp laut dem Bericht. In weiteren Anmerkungen schilderte sie Ängste, die auch ihr Mann teile.

Eralp verwies demnach auf einen früheren Rat des Landeskriminalamts, in einem anderen Zusammenhang keine konkreten Personen öffentlich zu nennen. Ob die Behörde eine entsprechende Empfehlung auch für den aktuellen Fall ausgesprochen hat, ist damit nicht belegt. Ihr Sprecher erklärte gegenüber dem Magazin, Eralp sei seit Monaten Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt.

Kritik aus der SPD trifft Eralps Regierungspläne

Müller warnte im phoenix-Interview, eine Regierungschefin müsse Extremismus und organisierte Kriminalität klar benennen können. Sollte Eralp sich dazu aus Angst nicht in der Lage sehen, wäre ihre freie Amtsführung infrage gestellt. Er knüpfte seine Bewertung ausdrücklich daran, dass der Bericht zutreffe.

Noch weiter ging der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler. Gegenüber „Focus“ sprach er sich gegen weitere Koalitionsgespräche mit der Berliner Linken aus, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Eine Entscheidung der Berliner SPD ist das nicht. Landeschef Krach erklärte laut dpa und AFP, er habe mit Eralp noch nicht persönlich über den Vorgang gesprochen. Für eine abschließende Bewertung sei es zu früh. Zugleich bekräftigte er seine Forderung nach einer starken Polizei und einem starken Verfassungsschutz.

CDU-Politiker Stefan Evers forderte SPD und Grüne auf, vor Koalitionsverhandlungen Konsequenzen zu ziehen. Die von ihm aufgeworfene Frage zielt unmittelbar auf Eralps Anspruch, künftig die Verantwortung für die Sicherheit Berlins zu tragen.

Eralp verspricht Vorgehen gegen Gewalt und Terror

Eralp äußerte sich am Donnerstag vor der Presse. Zu den veröffentlichten privaten Anmerkungen wollte sie nicht im Einzelnen Stellung nehmen. Sie versicherte jedoch, als Regierende Bürgermeisterin für die Sicherheit aller Berlinerinnen und Berliner sorgen zu wollen und gegen Gewalt sowie Terror vorzugehen.

„Ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen“, erklärte sie nach dem Bericht der Berliner Zeitung.

Der Linken-Co-Landesvorsitzende Maximilian Schirmer kritisierte den Umgang des „Spiegels“ mit Eralps Sicherheitsbedenken. Die Grünen-Politikerin Bettina Jarasch betonte laut Berliner Zeitung, Staat und Politik dürften sich von Kriminalität nicht einschüchtern lassen; gegen islamistische Terrorsympathisanten müsse entschlossen vorgegangen werden.

Ist das Bündnis damit gescheitert?

Ein Ende der geplanten Zusammenarbeit ist bislang nicht belegt. Nach den vorliegenden Berichten soll ein Landesparteitag der Linken am Samstag, 31. Oktober, über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden.

Politisch geht es nun um eine konkrete Frage: Kann Eralp nachvollziehbar erklären, wie sie trotz der geschilderten Sicherheitsbedenken unabhängig handeln und gegen extremistische Strukturen vorgehen würde? Ihre Zusicherung steht den Zweifeln gegenüber, die auch Sozialdemokraten öffentlich formulieren.

Die veröffentlichten Anmerkungen belegen für sich genommen weder eine tatsächliche Erpressung noch bereits beeinflusste politische Entscheidungen. Auch folgt aus Ibrahims Besuch einer Linken-Wahlparty keine Parteimitgliedschaft. Diese Unterschiede sind für die Bewertung erheblich. Über die Fortsetzung der Regierungsbildung entscheiden die beteiligten Parteien.

Quellen und Transparenz

  • Tagesspiegel, 29.10.2026: Medienbericht über die vom „Spiegel“ veröffentlichten internen Anmerkungen. Zum Bericht.
  • taz, 29.10.2026: Agenturbericht von AFP/dpa, einschließlich der Reaktionen von Krach und Evers. Zum Bericht.
  • t-online, 29.10.2026: dpa-Bericht zu Eralps Stellungnahme und zur Kritik aus der SPD. Zum Bericht.
  • Berliner Zeitung, 29.10.2026, aktualisiert 13:51 Uhr: Bericht über Eralps Presseauftritt und politische Reaktionen. Zum Bericht.
  • phoenix, 29.10.2026: Originalinterview mit Michael Müller; seine Aussagen sind zusätzlich durch die genannten Medienberichte dokumentiert. Zum Interview.

Die internen Originalanmerkungen lagen Presse.Online nicht vor. Ihre Wiedergabe erfolgt nach den genannten Berichten. Eine eigene Bestätigung des LKA zur geschilderten Empfehlung liegt nicht vor. Der bereitgestellte BILD-Beitrag zu Eralps Anmerkungen ließ sich nicht direkt abrufen.

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