Eralp-Affäre: Berliner SPD hält an Koalitionskurs fest
Trotz Eralp-Affäre: Berliner SPD bereitet Koalitionsverhandlungen vor
Die Linken-Spitzenkandidatin fürchtet laut einem „Spiegel“-Bericht um die Sicherheit ihrer Familie. Die Berliner SPD hält am Weg zu einem gemeinsamen Senat fest und setzt Verhandlungsgruppen ein. Aus der eigenen Bundestagsfraktion kommt dagegen die Forderung, auf das Bündnis zu verzichten.
Stand: 30. Oktober 2026
Berlin. Die Berliner SPD treibt die Vorbereitung einer Koalition mit Linken und Grünen trotz der Debatte um Elif Eralp voran. Nach Angaben des Landesverbands setzte der Vorstand am Freitag die Arbeitsgruppen für die Koalitionsverhandlungen ein. Über einen möglichen Vertrag sollen später sämtliche SPD-Mitglieder abstimmen.
Damit hält die Partei an ihrem Kurs fest, während Eralps Umgang mit einem Hamas-Sympathisanten neue Zweifel an der geplanten Regierungsbildung auslöst. Die Linken-Politikerin will Regierende Bürgermeisterin werden. Laut „Spiegel“ fürchtet sie jedoch um ihre Familie, wenn sie sich öffentlich zu einem Mann äußert, der auf einer Wahlparty ihrer Partei erschienen war.
Interne Anmerkungen bringen Eralp unter Druck
Auslöser der Auseinandersetzung sind interne Kommentare zu einem Interview, die nach Darstellung des „Spiegel“ versehentlich an die Redaktion übermittelt wurden. Darin soll Eralp Sicherheitsbedenken gegen die namentliche Erwähnung des Aktivisten Ibrahim Ibrahim geäußert haben.
Ibrahim war nach der Abgeordnetenhauswahl auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln aufgetaucht. Der rbb beschreibt ihn als Hamas-Sympathisanten mit Nähe zur Volksfront für die Befreiung Palästinas, PFLP.
Nach den veröffentlichten Berichten wollte Eralp eine entsprechende Passage im Interview streichen lassen. In ihren Anmerkungen verwies sie demnach auch auf frühere Empfehlungen des Landeskriminalamts, konkrete Namen nicht öffentlich zu nennen. Eine eigenständig überprüfte behördliche Bestätigung dieser Empfehlung liegt diesem Beitrag nicht zugrunde.
Am Donnerstag bekräftigte Eralp öffentlich, gegen organisierte Kriminalität, Gewalt und Terror vorgehen zu wollen. Die Sorge um ihre Familie bezeichnete sie als selbstverständlich. Zu den veröffentlichten internen Inhalten wollte sie sich nicht näher äußern.
Krach schützt Eralp und benennt zugleich das Problem
SPD-Landeschef Steffen Krach nahm Eralps Sicherheitsbedenken am Freitag im Deutschlandfunk ernst. Es müsse auch darüber gesprochen werden, wie Politiker besser geschützt werden könnten. Zugleich verwies er auf ihr Bekenntnis zum Kampf gegen organisierte Kriminalität und Antisemitismus.
Krach äußerte allerdings Sorge darüber, dass Eralp Personen nicht beim Namen nennen wolle, die auf einer Wahlparty der Linken auftauchten.
Diese Verbindung macht den Vorgang politisch brisant: Die mögliche Regierungschefin fürchtet nach den veröffentlichten Berichten Reaktionen aus einem Umfeld, zu dem es Kontakte aus Teilen ihrer Partei gibt. Welche Konsequenzen die Linke daraus für ihre eigenen Mitglieder und Veranstaltungen zieht, ist deshalb eine zentrale Frage der Regierungsbildung.
Aus Eralps Sicherheitsbedenken allein lässt sich allerdings weder eine Erpressbarkeit noch eine Zusammenarbeit mit einer Terrororganisation ableiten. Auch die Behauptung, bei den betreffenden Personen handele es sich um Hamas-Mitarbeiter oder Eralps eigene Wahlhelfer, ist durch die hier ausgewerteten Quellen nicht belegt.
Widerspruch aus der SPD-Bundestagsfraktion
Innerhalb der SPD wird der Kurs des Berliner Landesverbands keineswegs einhellig unterstützt. Die stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende Siemtje Möller forderte nach Angaben des Deutschlandfunks, keine Koalition mit der Linken einzugehen. Sie bezweifelt angesichts von Eralps Angst, dass die Partei ihr Versprechen eines harten Vorgehens gegen Antisemitismus und organisierte Kriminalität einlösen könne.
Der Berliner Landesvorstand bereitet dagegen bereits die Verhandlungen vor. Dass die Partei damit eine weitere Regierungsbeteiligung anstrebt, ist erkennbar. Die weitergehende Behauptung, Machterhalt sei ihr einziges Motiv oder die Vorwürfe seien ihr gleichgültig, lässt sich daraus nicht als Tatsache ableiten.
Die Gespräche waren bereits unterbrochen worden
Auch die Darstellung, sämtliche bisherigen Kontroversen seien folgenlos geblieben, greift zu kurz. Nach der von der SPD veröffentlichten Chronologie wurden die Sondierungen am 13. Oktober unterbrochen. SPD und Grüne wollten zunächst bewerten, ob zuvor getroffene Vereinbarungen weiterhin Bestand hatten. Am 15. Oktober wurden die Gespräche fortgesetzt.
Bereits zum Sondierungsbeginn hatten sich die drei Parteien auf Vereinbarungen zu Antisemitismus und gesellschaftlichem Zusammenhalt sowie zur organisierten Kriminalität verständigt. Am 17. Oktober folgte das gemeinsame Sondierungsergebnis; zwei Tage später stimmte der SPD-Landesvorstand für Koalitionsverhandlungen.
Die SPD setzt damit weiterhin auf verbindliche Absprachen mit der Linken. Ob diese auch gegen Widerstände innerhalb der Partei durchgesetzt werden können, bleibt die offene politische Frage. Die Linke soll am 31. Oktober über die Aufnahme der Koalitionsverhandlungen entscheiden.
Quellen und Transparenz
- SPD Berlin: „Nach der Wahl: Stand der Gespräche“, aktualisiert am 30. Oktober 2026. Primärquelle zu Vorstandsbeschlüssen und Gesprächsverlauf. Zur Chronologie.
- Deutschlandfunk: „Angst vor Hamas-Sympathisant: SPD-Fraktionschef Krach nimmt Eralp in Schutz“, 30. Oktober 2026. Eigene Interviewaussagen Krachs sowie Bericht über Möllers Gegenposition. Zum Bericht.
- rbb24: „Eralp nach ‚Spiegel‘-Bericht: ‚Werde mich von niemandem einschüchtern lassen‘“, 29. Oktober 2026. Berichterstattung über die internen Anmerkungen und Eralps öffentliche Reaktion. Zum Bericht.
- Der Spiegel: Newsletter „Der Tag“, 30. Oktober 2026. Bestätigung der eigenen Berichterstattung über Eralps interne Anmerkungen; das vollständige Interviewdokument wurde für diesen Beitrag nicht eingesehen. Zur Übersicht.
Eigene Anfragen an die beteiligten Parteien oder Sicherheitsbehörden wurden nicht gestellt.
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