VW und Mercedes: China-Krise trifft auf hohe Kosten
Milliarden-Minus bei VW: China-Krise trifft auf den teuren Standort Deutschland
Volkswagen verliert Milliarden an Ertragskraft, bei Mercedes schrumpft die Rendite im Autogeschäft. Der Druck aus China verschärft ein Kostenproblem, das auch Deutschland betrifft. Doch die Absatzkrise lässt sich nicht allein mit deutschen Standortkosten erklären.
Stand: 30. Oktober 2026
Der chinesische Automarkt setzt deutsche Autohersteller unter Druck. Volkswagen meldet für die ersten neun Monate einen Einbruch des operativen Ergebnisses. Bei Mercedes-Benz hat sich der bereinigte operative Gewinn der Pkw-Sparte im dritten Quartal mehr als halbiert. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Werke: Hohe Kosten lassen weniger Spielraum, wenn Preise und Gewinnmargen unter Druck geraten.
Volkswagen verliert Milliarden an Ertragskraft
Nach Angaben des Volkswagen-Konzerns sank das operative Ergebnis nach neun Monaten von 5,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 100 Millionen Euro. Belastend wirkten vor allem Sondereffekte von 8,7 Milliarden Euro. Dazu gehören eine Wertminderung auf den Porsche-Firmenwert von 6,4 Milliarden Euro und Abschreibungen auf Vermögenswerte vollkonsolidierter Unternehmen in China von rund einer Milliarde Euro.
Solche Abschreibungen sind keine gleich hohen Geldabflüsse im Berichtszeitraum. Sie zeigen, dass bisherige Wertansätze wirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigt sind.
Das laufende Geschäft steht ebenfalls unter Druck. Volkswagen nennt den schwachen chinesischen Markt, verschärften Preiswettbewerb und US-Zölle als Belastungen. Bei Elektroautos verdient der Konzern nach eigener Darstellung derzeit weniger als bei Verbrennern.
Mercedes: Weniger Gewinn mit Autos, höherer Konzernüberschuss
Bei Mercedes-Benz fiel der bereinigte operative Gewinn der Pkw-Sparte im dritten Quartal von rund 1,14 Milliarden auf 560 Millionen Euro. Die entsprechende Umsatzrendite sank von 4,8 auf 2,5 Prozent. Von 100 Euro Umsatz blieben damit auf dieser bereinigten operativen Ebene nur noch 2,50 Euro übrig.
Das Unternehmen verweist auf einen geringeren Ergebnisbeitrag aus China, Währungseffekte und höhere Ausgaben für die Einführung neuer Modelle.
Ein pauschaler Milliardenverlust aller deutschen Autobauer wäre daraus allerdings falsch abgeleitet. Mercedes erzielte im dritten Quartal einen Konzernüberschuss von 1,52 Milliarden Euro, nach 1,19 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der ausgewiesene Gewinn und die Entwicklung des bereinigten Kerngeschäfts laufen auseinander.
Deutschland ist ein teurer Produktionsstandort
Wie groß der Kostendruck ist, zeigt ein Branchenvergleich des Verbands der Automobilindustrie. Für 2024 beziffert der VDA die Arbeitskosten der deutschen Autoindustrie auf 65,50 Euro je Stunde. Für Frankreich nennt er 48,76 Euro, für Spanien 31,05 Euro. Die Werte stammen aus einer Zusammenstellung auf Grundlage von Eurostat, nationalen Statistikämtern und Verbandsdaten.
Arbeitskosten umfassen mehr als den ausgezahlten Lohn. Für einen belastbaren Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit muss zudem berücksichtigt werden, wie produktiv ein Werk arbeitet. Ein hoher Stundenbetrag allein sagt noch nicht, wie teuer die Herstellung eines einzelnen Fahrzeugs ist.
Auch Energie bleibt ein Standortthema. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnet die vergleichsweise hohen Energiekosten als strukturellen Nachteil für die energieintensive Industrie. Nach seinen Angaben lagen die durchschnittlichen Stromgroßhandelspreise 2025 bei 8,9 Cent je Kilowattstunde. In der Vergleichsphase 2016 bis 2020 waren es etwa 3,5 Cent. Das sind Großhandelspreise, keine vollständigen Stromrechnungen einzelner Autofabriken.
Wie viel davon ist politisch verursacht?
Die These, Deutschland mache seine Autos durch politische Entscheidungen zu teuer, verlangt eine genauere Trennung. Energiekosten und staatliche Rahmenbedingungen gehören in diese Debatte. Arbeitskosten werden zugleich durch Tarifvereinbarungen geprägt. Modellpolitik, Entwicklungsausgaben und die Organisation der Produktion liegen wesentlich in der Verantwortung der Unternehmen.
Aus den vorliegenden Zahlen lässt sich nicht beziffern, welcher Anteil der Absatzprobleme auf deutsche Steuern, Abgaben oder Regulierung zurückgeht. Ebenso wenig belegen sie, dass staatlich verursachte Kosten der Hauptgrund für die Schwäche in China sind.
Deutsche Hersteller produzieren auch außerhalb Deutschlands. Der VDA weist für 2024 rund 9,5 Millionen im Ausland gefertigte Pkw deutscher Hersteller aus, gegenüber rund 4,1 Millionen im Inland. Ein Fahrzeug einer deutschen Marke trägt deshalb nicht automatisch die Kosten einer deutschen Endmontage.
Der Druck erreicht dennoch die Beschäftigten hierzulande. Mercedes hat seine weltweiten Produktivitätsmaßnahmen nach eigenen Angaben seit Juni 2026 verstärkt, mit besonderem Fokus auf deutsche Standorte. Ab Dezember soll erneut ein freiwilliges Abfindungsprogramm für indirekte Funktionen in Deutschland angeboten werden.
Quellen und Transparenz
- Volkswagen Group: „Nine-month results underline urgent need for action“, 29. Oktober 2026. Primärquelle, Unternehmensmitteilung zu Geschäftszahlen und Belastungsfaktoren. Originalmitteilung.
- Mercedes-Benz Group: Ergebnisse des dritten Quartals 2026, 28. Oktober 2026. Primärquelle zu Konzern- und Spartenergebnissen sowie Produktivitätsmaßnahmen. Quartalsinformationen.
- Verband der Automobilindustrie: „Blickpunkt Automobilindustrie – Zahlen und Fakten 2024/2025“. Branchenquelle zu Arbeitskosten und Produktionsstandorten; der VDA vertritt die Interessen der Automobilindustrie. Originalpublikation
- Bundeswirtschaftsministerium: „Im Fokus: Wettbewerbsfähige Strompreise“, Ausgabe Juni 2026. Amtliche Darstellung zu Energiekosten und Industrieentlastung. Originalbeitrag.
Die Geschäftszahlen beruhen auf Unternehmensangaben. Berichtszeiträume und Ergebnisgrößen sind jeweils benannt. Eine bezifferte Ursachenzuordnung zwischen deutschen Standortkosten und Absatzrückgängen in China liegt nicht vor.
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