Aus Timmys Speckschicht entsteht Biodiesel

Aus Timmys Speckschicht entsteht Biodiesel
Systembild: Buckelwal „Timmy“ ist nach der Obduktion abtransportiert worden © Presse.Online

Wal „Timmy“ wird in Dänemark zu Biodiesel und Biomasse

Der als „Timmy“ bekannt gewordene Buckelwal wird nach seinem Tod nahezu vollständig verwertet. Die Überreste des Tiers wurden von der Insel Anholt auf das dänische Festland gebracht und sollen in einer Anlage des Unternehmens Daka Denmark in Randers verarbeitet werden.

Aus der Speckschicht und dem übrigen Fett entsteht Biodiesel. Knochen, Sehnen, Haut und andere feste Bestandteile werden zu einer mehlartigen Biomasse verarbeitet, die anschließend als Brennstoff in einer Zementfabrik eingesetzt wird. Einige ausgewählte Knochen kommen dagegen in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen.

Daka trennt den Walkadaver in drei Bestandteile

In der Verwertungsanlage werden Kadaver wie der von „Timmy“ nach Angaben des Unternehmens zunächst in Wasser, Fett und feste Bestandteile getrennt. Das aus dem Körper austretende Wasser wird gereinigt und anschließend in den nahe gelegenen Fjord geleitet.

Das Fett, insbesondere aus der dicken Speckschicht des Buckelwals, dient als Rohstoff für Biodiesel. Die übrigen organischen Bestandteile werden erhitzt, getrocknet und zu Biomasse verarbeitet. Sie sollen nicht als Tierfutter genutzt, sondern in einer Zementfabrik verbrannt werden.

Damit wird der größte Teil des rund um die deutsche Ostseeküste bekannt gewordenen Wals industriell verwertet. Der Umgang mit dem Kadaver entspricht einem Verfahren, das in Dänemark auch bei anderen großen verendeten Meerestieren angewendet wird.

Einige Knochen kommen ins Museum

Nicht alle Teile des Buckelwals wurden zur Fabrik gebracht. Bestimmte Knochen waren bereits nach der Obduktion auf Anholt gesichert worden und sollen künftig zur wissenschaftlichen Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen gehören.

Nach Medienberichten wurden unter anderem eine Brustflosse, fünf Rückenwirbel, ein Schulterblatt und das Zungenbein für das Museum ausgewählt. Die Präparate können Forschenden künftig helfen, Anatomie, Gesundheitszustand und Entwicklung von Buckelwalen genauer zu untersuchen.

Die mehrstündige Obduktion hatte zudem eine lange bestehende Annahme korrigiert: Bei „Timmy“ handelte es sich nicht um ein männliches, sondern um ein weibliches Tier. Schwere äußere Verletzungen oder Fremdkörper, die den Tod eindeutig erklären würden, wurden bei der Untersuchung nicht festgestellt.

Todesursache von „Timmy“ bleibt vorerst ungeklärt

Die genaue Todesursache ist weiterhin offen. Zwar entdeckten die Fachleute Parasiten in verschiedenen Organen, nach dem bisherigen Untersuchungsstand lässt sich daraus jedoch keine eindeutige Erklärung für den Tod ableiten. Der bereits fortgeschrittene Verwesungszustand erschwerte die Obduktion zusätzlich.

Gewebeproben aus Organen wie Leber und Nieren werden nun im Labor untersucht. Bis vollständige Ergebnisse vorliegen, können mehrere Monate vergehen. Erst danach lässt sich möglicherweise genauer beurteilen, ob Krankheiten, Mangelernährung, Erschöpfung oder andere gesundheitliche Belastungen eine Rolle spielten.

Zusätzliche Erkenntnisse könnten die Daten des Trackers liefern, der während der Rettungsaktion am Wal angebracht und später am Kadaver gefunden worden war. Nach Angaben des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern liegen der privaten Rettungsinitiative die Daten vollständig und dem Ministerium teilweise vor. Sie sollen ausgewertet und anschließend öffentlich erläutert werden.

„Timmy“ war seit Ende März mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandet. Ende April wurde der stark geschwächte Wal mit einer schwimmenden Transportplattform in Richtung Nordsee gebracht. Rund zwei Wochen nach seiner Freilassung wurde das Tier tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt.

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FAQ

Was geschieht mit Buckelwal „Timmy“ nach der Obduktion?

Die meisten Überreste werden in einer Fabrik von Daka Denmark in Randers verarbeitet. Das Fett wird zu Biodiesel, während Haut, Sehnen, Knochen und weiteres Gewebe als Biomasse in einer Zementfabrik verbrannt werden.

Warum wird aus dem Fett des Wals Biodiesel hergestellt?

Tierische Fette können industriell aufbereitet und als Ausgangsstoff für Biokraftstoffe verwendet werden. Bei „Timmy“ wird vor allem das Fett aus der Speckschicht entsprechend verarbeitet.

Kommt das gesamte Skelett von „Timmy“ in die Fabrik?

Nein. Ausgewählte Knochen wurden für die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen gesichert. Dazu sollen eine Brustflosse, mehrere Wirbel, ein Schulterblatt und das Zungenbein gehören.

Woran ist Buckelwal „Timmy“ gestorben?

Die Todesursache ist noch nicht geklärt. Die Obduktion ergab keine eindeutigen schweren Verletzungen; entnommene Gewebeproben werden in den kommenden Monaten weiter untersucht.

Wann werden weitere Ergebnisse bekannt?

Die Laboranalyse der Gewebeproben kann mehrere Monate dauern. Außerdem werden die Daten des am Wal befestigten Trackers ausgewertet; die Öffentlichkeit soll nach Abschluss der Untersuchung informiert werden.

Quellen

  • Daka Denmark / dpa, 9. Juni 2026: Bestätigung der Verarbeitung in Randers sowie Angaben zur Trennung in Wasser, Fett und feste Bestandteile. Primärangaben des Unternehmens, verbreitet über dpa.
  • Dänische Naturverwaltung und Obduktionsteam: Angaben zur Bergung, Untersuchung und Sicherung von Gewebe- und Knochenproben.
  • Naturhistorisches Museum Kopenhagen / TV2-Bericht: Angaben zu den für die wissenschaftliche Sammlung ausgewählten Knochen.
  • Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern: Stand der Auswertung der während der Rettungsaktion aufgezeichneten Trackerdaten.
  • ZDFheute und Zeit Online, 9. Juni 2026: Gegenprüfung der Angaben zur industriellen Verwertung des Kadavers.

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