Porsche beendet den Verbrenner-Macan

Porsche beendet den Verbrenner-Macan
Systembild: Das Produktionsende des Verbrenner-Macan hinterlässt Porsche bis zum geplanten neuen SUV eine wichtige Lücke im Modellangebot. © Presse.Online

Porsche beendet Verbrenner-Macan trotz stärkerer Nachfrage

Porsche zieht beim Macan mit Verbrennungsmotor endgültig den Schlussstrich. Ende Juli 2026 läuft die Produktion aus obwohl der Benziner weltweit weiterhin stärker nachgefragt wird als die elektrische Variante.

Damit verliert Porsche vorübergehend ein Modell, das über Jahre zu den wichtigsten Volumenträgern des Sportwagenherstellers gehörte. Ein direkter Nachfolger mit Verbrennungs- oder Hybridantrieb steht zunächst nicht bereit.

Was passiert ist

Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Porsche insgesamt 35.315 Fahrzeuge der Macan-Baureihe aus. Davon entfielen 19.695 Fahrzeuge auf den Macan mit Verbrennungsmotor. Der seit 2024 angebotene Macan Electric kam auf 15.620 Auslieferungen.

Der ältere Benziner lag damit um 4.075 Fahrzeuge vor der Elektroversion. Trotzdem endet seine Produktion nach Unternehmensangaben Ende Juli 2026. Die gesamte Macan-Baureihe verlor im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 insgesamt 22 Prozent. Porsche nennt unter anderem den langsamer als erwartet verlaufenden Hochlauf der Elektromobilität, starke Vorjahreswerte und ausgelaufene US-Förderungen als Ursachen.

Der Macan war 2025 noch die meistverkaufte Porsche-Modellreihe. Von insgesamt 84.328 ausgelieferten Fahrzeugen waren 45.367 vollelektrisch und 38.961 mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet.

In der Europäischen Union hatte Porsche den Verkauf des bisherigen Verbrenner-Macan bereits 2024 eingestellt. Hintergrund waren strengere Vorgaben nach der UN-Regelung Nummer 155 zur Cybersicherheit von Fahrzeugen. Für eine weitere Zulassung wären technische Änderungen an Steuergeräten sowie angepasste und zertifizierte Entwicklungsprozesse erforderlich gewesen. Porsche bewertete eine entsprechende Überarbeitung des älteren Modells als wirtschaftlich zu aufwendig.

Warum das relevant ist

Das Produktionsende zeigt das strategische Dilemma, in dem sich Porsche befindet. Der Hersteller muss langfristige Modellentscheidungen mehrere Jahre vor dem Marktstart treffen. Die Nachfrage entwickelt sich jedoch nicht überall so schnell in Richtung Elektromobilität, wie bei der Planung des elektrischen Macan angenommen wurde.

Der damalige Porsche-Chef und heutige Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume räumte Ende 2025 öffentlich ein, dass Porsche bei der Macan-Strategie falsch gelegen habe. Die damalige Entscheidung sei auf Grundlage der verfügbaren Daten nachvollziehbar gewesen. Rückblickend habe Porsche jedoch unterschätzt, dass Kundinnen und Kunden in diesem Fahrzeugsegment weiterhin unterschiedliche Antriebsarten erwarteten.

Das Problem betrifft nicht nur ein einzelnes Modell. Porsche lieferte im ersten Halbjahr 2026 weltweit 122.306 Fahrzeuge aus. Das waren 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark war der Rückgang in China mit 32 Prozent. In Nordamerika sank der Absatz um 13 Prozent, in Europa außerhalb Deutschlands um 14 Prozent.

Auch der Volkswagen-Konzern meldete für das erste Halbjahr einen Rückgang seiner weltweiten Elektroauto-Auslieferungen um rund sechs Prozent. Während die Nachfrage in Europa zunahm, brachen die Auslieferungen reiner Elektrofahrzeuge in den USA nach dem Ende staatlicher Förderprogramme deutlich ein. Auch China blieb für den Konzern ein schwieriger Markt.

Was daraus folgt

Porsche muss außerhalb Europas zunächst mit bereits produzierten Verbrenner-Macan auskommen. Medienberichten zufolge hatte das Unternehmen vor dem Produktionsende zusätzliche Fahrzeuge auf Vorrat gebaut. Wie lange einzelne Varianten in bestimmten Ländern bestellbar oder verfügbar bleiben, hängt von Lagerbeständen, Händlerkontingenten und regionalen Zulassungsvorschriften ab.

Für Kundinnen und Kunden in der EU ändert sich kurzfristig wenig. Dort ist der bisherige Macan mit Verbrennungsmotor bereits seit 2024 nicht mehr regulär als Neuwagen verfügbar. Der Macan Electric bleibt damit das einzige aktuelle Porsche-Modell dieser Größenklasse.

Für Porsche entsteht jedoch eine strategisch wichtige Lücke. Der Hersteller plant zwar ein neues SUV mit Verbrennungs- und Hybridantrieb unterhalb des Cayenne. Das Fahrzeug soll nach bisherigen Angaben spätestens 2028 erscheinen und Komponenten einer Plattform nutzen, die auch beim Audi Q5 eingesetzt wird. Es soll jedoch kein einfacher Ableger des Audi-Modells werden und voraussichtlich nicht Macan heißen.

Bis dahin fehlen Porsche in einem wichtigen Marktsegment Verbrenner- und Hybridalternativen. Das könnte vor allem in Ländern zum Problem werden, in denen Ladeinfrastruktur, Förderbedingungen oder Kundenpräferenzen einen schnellen Wechsel zum Elektroauto bremsen.

Was noch offen ist

Porsche hat bislang nicht im Detail veröffentlicht, wie viele Verbrenner-Macan nach dem Produktionsende noch in den einzelnen Märkten verfügbar sein werden. Aussagen über einen gesicherten Verkauf bis 2027 beruhen derzeit vor allem auf Medienberichten und können je nach Land, Ausstattung und Händlerbestand unterschiedlich ausfallen.

Offen bleibt außerdem, welchen Namen das für 2028 geplante SUV tragen wird, welche Motorisierungen angeboten werden und wann die ersten Fahrzeuge tatsächlich ausgeliefert werden können.

Noch nicht absehbar ist, ob die Nachfrage nach dem Macan Electric die wegfallenden Verkäufe des Verbrennermodells kompensieren kann. Die Halbjahreszahlen zeigen lediglich den aktuellen Abstand. Sie erlauben keine verlässliche Prognose für die kommenden Jahre.

Weitere Details zu seiner überarbeiteten Strategie will Porsche nach eigenen Angaben im Herbst 2026 im Rahmen eines Kapitalmarkttages vorstellen.

Fazit und Ausblick

Das Ende des Verbrenner-Macan ist mehr als ein regulärer Modellwechsel. Porsche nimmt ein weiterhin nachgefragtes Fahrzeug aus der Produktion, während der ursprünglich erwartete schnelle Übergang zum Elektroantrieb langsamer verläuft.

Die Entscheidung zum Produktionsende lässt sich wegen des Alters der Fahrzeugarchitektur und der gestiegenen regulatorischen Anforderungen erklären. Gleichzeitig zeigen die Verkaufszahlen, wie teuer langfristige Fehlannahmen in der Modellplanung werden können.

Bis zum geplanten neuen Verbrenner- und Hybrid-SUV muss Porsche den elektrischen Macan im Markt stärken und eine mehrjährige Angebotslücke überbrücken. Ob das gelingt, hängt nicht allein vom Fahrzeug ab. Entscheidend sind auch Förderpolitik, Ladeinfrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung und die Nachfrage in den USA und China.

Faktenüberblick

Thema: Produktionsende des Porsche Macan mit Verbrennungsmotor
Ereignis / Entscheidung: Einstellung der Produktion
Datum / Zeitraum: Ende Juli 2026
Ort / Region: Produktion in Leipzig; Auswirkungen auf internationale Märkte
Zentrale Akteure: Porsche AG, Volkswagen-Konzern, Oliver Blume
Betroffene: Porsche-Händler, Kaufinteressierte und bestehende Vertriebsorganisationen außerhalb der EU
Wichtigste Folge: Vorübergehende Angebotslücke bei kompakten Porsche-SUV mit Verbrennungs- oder Hybridantrieb
Stand der Informationen: Produktionsende und Halbjahreszahlen offiziell bestätigt; Einzelheiten zu Lagerbeständen und Nachfolgemodell teilweise noch offen

Konkrete Folgen auf einen Blick

  • Für Käufer in der EU: Der bisherige Verbrenner-Macan ist bereits seit 2024 nicht mehr regulär als Neuwagen erhältlich.
  • Für Käufer außerhalb der EU: Verfügbare Lagerfahrzeuge können zunächst weiter verkauft werden; Umfang und Dauer unterscheiden sich je nach Markt.
  • Für Porsche-Händler: In einigen Ländern fehlt nach dem Abverkauf der Bestände eine direkte Verbrenner- oder Hybridalternative zum elektrischen Macan.
  • Für Porsche: Das Unternehmen muss den Zeitraum bis zum geplanten neuen SUV im Jahr 2028 ohne direkten Verbrenner-Nachfolger überbrücken.
  • Für Gebrauchtwagenkäufer: Eine stabile oder steigende Nachfrage nach späten Verbrenner-Modellen ist möglich, lässt sich derzeit aber nicht belastbar prognostizieren.

Offene Punkte im Überblick

  • Noch offen ist, wie viele Verbrenner-Macan nach dem Produktionsende weltweit verfügbar bleiben.
  • Unklar bleibt bislang, wann die letzten Händlerbestände in den einzelnen Ländern verkauft sein werden.
  • Porsche hat den Namen und die vollständigen technischen Daten des für 2028 geplanten SUV noch nicht veröffentlicht.
  • Nicht bestätigt ist, ob der angekündigte Marktstart in allen wichtigen Regionen gleichzeitig erfolgen kann.
  • Eine belastbare Prognose zur weiteren Nachfrage nach dem Macan Electric liegt bislang nicht vor.

🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite.
Folgen Sie auf
X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.

FAQ

Wann endet die Produktion des Porsche Macan mit Verbrennungsmotor?

Porsche will die Produktion nach eigenen Angaben Ende Juli 2026 beenden.

Warum wird der Verbrenner-Macan eingestellt?

Das Modell basiert auf einer älteren technischen Architektur. Für den weiteren Verkauf in der EU wäre eine umfangreiche Anpassung an neue Anforderungen zur Fahrzeug-Cybersicherheit notwendig gewesen. Porsche bewertete diese Überarbeitung als zu aufwendig.

Verkauft sich der elektrische Macan besser als der Benziner?

Im ersten Halbjahr 2026 nicht. Porsche lieferte 19.695 Verbrenner-Macan und 15.620 elektrische Macan aus. Im Gesamtjahr 2025 lag dagegen die Elektroversion innerhalb der Modellreihe vorn.

Kann der Verbrenner-Macan weiterhin gekauft werden?

In der EU ist das Modell bereits seit 2024 nicht mehr regulär als Neuwagen erhältlich. Außerhalb der EU können vorhandene Lagerfahrzeuge je nach Markt und Händlerbestand zunächst weiter verkauft werden.

Kommt ein neuer Macan mit Verbrennungsmotor?

Nach aktuellem Stand soll der Name Macan künftig der elektrischen Modellreihe vorbehalten bleiben. Porsche plant jedoch für spätestens 2028 ein ähnlich positioniertes SUV mit Verbrennungs- und Hybridantrieb.

Warum ist das Produktionsende für Porsche problematisch?

Der Macan gehörte über Jahre zu den absatzstärksten Porsche-Modellen. Bis zum neuen SUV fehlt dem Hersteller in dieser Größenklasse eine aktuelle Verbrenner- oder Hybridalternative.

Quellen

  • Porsche AG: Auslieferungszahlen für das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 9. Juli 2026.
  • Porsche AG: Weltweite Auslieferungszahlen für das Gesamtjahr 2025, veröffentlicht am 16. Januar 2026.
  • Volkswagen AG: Konzernweite Auslieferungszahlen für das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 10. Juli 2026.
  • Auto Motor und Sport unter Bezug auf ein Interview mit Oliver Blume in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Einordnung der früheren Macan-Strategie.
  • Informationen zur UN-Regelung Nummer 155 und zu den von Porsche genannten Folgen für den bisherigen Macan.

Direkte Aussagen von Porsche-Vertriebsvorstand Matthias Becker sind in der offiziellen Halbjahresmitteilung dokumentiert. Weitergehende direkte Aussagen zu Lagerbeständen und regionalen Abverkaufsfristen liegen nach aktuellem Stand nicht belastbar vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert