USA und Iran setzen Kriegsrahmen in Kraft
USA und Iran unterzeichnen Abkommen: Straße von Hormus öffnet
Die USA und der Iran haben eine vorläufige Vereinbarung zur Beendigung ihrer militärischen Auseinandersetzung unterzeichnet. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus soll wieder anlaufen. Für ein endgültiges Friedensabkommen bleiben 60 Tage.
Die USA und der Iran haben eine vorläufige Vereinbarung zur Beendigung des Krieges und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus unterzeichnet. Nach Angaben beider Seiten ist die Absichtserklärung seit Mittwoch, dem 17. Juni 2026, in Kraft.
US-Präsident Donald Trump unterschrieb sein Exemplar unmittelbar vor einem Abendessen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Schloss Versailles. Irans Präsident Massud Peseschkian unterzeichnete den Text elektronisch. Die zunächst für Freitag in der Schweiz geplante Zeremonie wurde abgesagt.
Das 14 Punkte umfassende Dokument beendet zunächst die militärischen Operationen und eröffnet eine 60-tägige Verhandlungsphase. In dieser Zeit sollen unter anderem das iranische Atomprogramm, die Aufhebung von Sanktionen und die künftige Ordnung an der Straße von Hormus geregelt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Entscheidung: Die USA und der Iran haben das „Islamabad Memorandum of Understanding“ unterzeichnet. Es sieht ein Ende der militärischen Operationen und Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen vor.
- Zeitpunkt: Die Vereinbarung trat nach iranischen Angaben am 17. Juni 2026 in Kraft. Die Verhandlungen sollen innerhalb von höchstens 60 Tagen abgeschlossen werden.
- Betroffene: Unmittelbar betroffen sind die Konfliktparteien, die Schifffahrt im Persischen Golf sowie Staaten und Unternehmen, die auf Öl- und Gaslieferungen durch die Straße von Hormus angewiesen sind.
- Folge: Handelsschiffe sollen die Meerenge zunächst 60 Tage ohne Gebühren passieren können. Das Verkehrsaufkommen soll innerhalb von 30 Tagen wieder das frühere Niveau erreichen.
- Status: Es handelt sich um eine verbindlich unterzeichnete Absichtserklärung, aber noch nicht um ein endgültiges Friedensabkommen.
- Quelle: Der Text wurde nach Angaben von Reuters von einem hochrangigen US-Regierungsvertreter veröffentlicht. US-amerikanische und iranische Regierungsvertreter bestätigten die Unterzeichnung.
- Nächster Schritt: In der Schweiz sollen Verhandlungen über Atomfragen, Sanktionen, eingefrorene iranische Vermögen und Sicherheitsgarantien beginnen.
- Offener Punkt: Wie die Straße von Hormus nach Ablauf der gebührenfreien 60 Tage verwaltet wird, ist noch nicht abschließend geregelt.
Trump unterschreibt das Dokument in Versailles
Trump hielt sich wegen des G7-Gipfels vom 15. bis 17. Juni im französischen Évian-les-Bains auf. Nach Abschluss des Treffens reiste er nach Versailles, wo Macron ihn zu einem Abendessen anlässlich des 250. Jahrestages der amerikanischen Unabhängigkeit empfing.
Unmittelbar vor dem Dinner unterschrieb Trump eine Ausfertigung der Vereinbarung. Bildmaterial aus seinem Umfeld dokumentierte die Unterzeichnung. Peseschkian hatte die persische und englische Fassung elektronisch unterzeichnet. Damit entfiel die geplante Zeremonie an einem Schweizer Tagungsort nahe dem Vierwaldstättersee.
Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei erklärte im Staatsfernsehen, eine weitere Unterzeichnungszeremonie sei nicht erforderlich. Zugleich machte er deutlich, dass mit der Absichtserklärung lediglich die nächste Phase beginne.
Straße von Hormus soll schrittweise öffnen
Das Abkommen verpflichtet den Iran, unverzüglich Vorkehrungen für die sichere Passage kommerzieller Schiffe zu treffen. Für die Dauer der 60-tägigen Verhandlungsphase darf nach dem veröffentlichten Text keine Gebühr für die Durchfahrt verlangt werden.
Wegen Minen, militärischer Sperren und weiterer technischer Hindernisse dürfte eine vollständige Normalisierung jedoch nicht sofort möglich sein. Die Vereinbarung setzt dafür eine Frist von bis zu 30 Tagen. Gleichzeitig sollen die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen schrittweise beenden.
Der iranische Chefunterhändler und Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf kündigte allerdings an, dass sein Land nach Ablauf der Übergangsphase nicht zu den Bedingungen vor dem Krieg zurückkehren wolle. Teheran beansprucht eine Beteiligung an der künftigen Verwaltung der Meerenge und stellt Gebühren für konkrete maritime Dienstleistungen in Aussicht.
Das Memorandum sieht hierzu Gespräche zwischen dem Iran, Oman und weiteren Golfstaaten vor. Künftige Regelungen müssen dem Dokument zufolge mit dem geltenden internationalen Recht vereinbar sein. Ein einseitiges iranisches Recht, Gebühren allein für die Durchfahrt zu verlangen, wird darin nicht festgeschrieben.
Atomprogramm und Sanktionen bleiben Streitpunkte
Die schwierigsten Fragen sind vertagt. Der Iran bekräftigt in der Vereinbarung, keine Atomwaffen zu entwickeln oder zu beschaffen. Über den Umgang mit angereichertem Uran und die künftige Urananreicherung muss jedoch erst verhandelt werden.
Als Mindestlösung nennt das Dokument eine Verdünnung des vorhandenen Materials im Iran unter Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA. Ob Washington und Teheran sich auf Umfang, Kontrolle und Dauer möglicher Beschränkungen einigen können, bleibt offen.
Die USA stellen im Gegenzug eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen, Ausnahmen für iranische Ölexporte und die Freigabe eingefrorener iranischer Gelder in Aussicht. Zudem sollen die USA gemeinsam mit regionalen Partnern einen Plan über mindestens 300 Milliarden Dollar für Wiederaufbau und wirtschaftliche Entwicklung des Iran erarbeiten. Finanzierung und Bedingungen sind noch nicht abschließend festgelegt.
Märkte reagieren auf Aussicht auf mehr Öl
Die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus ließ die Ölpreise im frühen Handel sinken. Brent-Rohöl verbilligte sich am Donnerstag zeitweise um 1,12 Prozent auf 78,66 Dollar je Barrel. US-Rohöl der Sorte WTI sank um 1,28 Prozent auf 75,81 Dollar.
Der Markt rechnet damit, dass mehr iranisches Öl exportiert und der Transport aus den Golfstaaten erleichtert werden könnte. Voraussetzung ist jedoch, dass die Passage tatsächlich geräumt wird und beide Seiten ihre Verpflichtungen einhalten.
Kurz erklärt: Warum die Straße von Hormus wichtig ist
Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem offenen Meer. Sie ist eine der wichtigsten Transportrouten für Öl und Flüssiggas weltweit. Einschränkungen treiben Transport-, Versicherungs- und Energiepreise nach oben und können sich dadurch auch auf Verbraucherpreise in Europa auswirken.
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FAQ
Ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran damit beendet?
Die militärischen Operationen sollen laut Vereinbarung sofort und dauerhaft eingestellt werden. Ein endgültiger Friedensvertrag liegt jedoch noch nicht vor. Das Memorandum schafft zunächst einen 60-tägigen Verhandlungsrahmen.
Ist die Straße von Hormus bereits vollständig geöffnet?
Der Schiffsverkehr soll unverzüglich wieder beginnen, eine vollständige Normalisierung kann aber bis zu 30 Tage dauern. Zunächst müssen technische und militärische Hindernisse beseitigt sowie mögliche Minen geräumt werden.
Darf der Iran künftig Gebühren von Schiffen verlangen?
Während der ersten 60 Tage sieht das Abkommen eine gebührenfreie Passage vor. Über spätere maritime Dienstleistungen und deren Finanzierung sollen der Iran, Oman und weitere Anrainerstaaten unter Beachtung des internationalen Rechts verhandeln.
Werden die US-Sanktionen gegen den Iran sofort aufgehoben?
Nein. Zunächst sind Ausnahmen unter anderem für iranische Ölexporte und damit verbundene Finanzgeschäfte vorgesehen. Eine umfassende Aufhebung der Sanktionen soll an ein endgültiges Abkommen und die iranische Umsetzung der Verpflichtungen gekoppelt werden.
Was kann das endgültige Abkommen noch verhindern?
Besonders strittig bleiben das iranische Atomprogramm, die Urananreicherung, Kontrollrechte der IAEA und die Bedingungen für Sanktionserleichterungen. Auch die Lage im Libanon und Israels Position können die Umsetzung erschweren.
Quellen
- US-Regierungsvertreter/Abkommenstext: „Islamabad Memorandum of Understanding“, veröffentlicht am 17. Juni 2026, Wortlaut und 14 vereinbarte Punkte; Primärquelle in indirekter Veröffentlichung.
- Iranisches Außenministerium: Erklärungen zur Unterzeichnung und zum Inkrafttreten, 17. Juni 2026, Primärquelle.
- Reuters: Berichte vom 17. und 18. Juni 2026, Unterzeichnung, Vertragsinhalt, Versailles-Treffen und Marktreaktionen; Sekundärquelle.
- Europäischer Rat: G7-Gipfel in Évian, 15. bis 17. Juni 2026, Termin und Gipfelinformationen; Primärquelle.
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