UEFA-Abfindung: Infantino weist Vorwürfe zurück

UEFA-Abfindung: Infantino weist Vorwürfe zurück
Die UEFA hat eine Abfindung an eine frühere Mitarbeiterin bestätigt. Einen Zusammenhang mit den gegen Gianni Infantino erhobenen Vorwürfen bestätigte der Verband nicht. © Presse.Online

UEFA bestätigt Abfindung an frühere Infantino-Mitarbeiterin

Gianni Infantino gerät wegen einer von der UEFA bestätigten Abfindung an eine frühere Mitarbeiterin erneut unter Druck. Der FIFA-Präsident bestreitet jedoch ausdrücklich die Behauptung, er habe während seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär eine unangemessene Beziehung zu der Frau unterhalten oder gegen Vorschriften verstoßen.

Was passiert ist

Ausgangspunkt der neuen Kontroverse ist ein Bericht des britischen „Telegraph“. Demnach soll eine frühere UEFA-Mitarbeiterin bei ihrem Ausscheiden aus dem europäischen Fußballverband eine sechsstellige Summe erhalten haben. Zusätzlich habe die UEFA die Gebühren für ein MBA-Studium an einer örtlichen Wirtschaftshochschule übernommen.

Die UEFA bestätigte gegenüber britischen Medien, dass eine Abfindung gezahlt und das Studium finanziert wurde. Der Verband erklärte zugleich, die Leistungen hätten den damals geltenden Regelungen für ausscheidende Mitarbeiter entsprochen. Eine konkrete Summe nannte die UEFA nicht.

Der „Telegraph“ bringt die Zahlung mit einer angeblichen persönlichen Beziehung zwischen der Mitarbeiterin und Infantino in Verbindung. Die Frau soll zunächst in der Verwaltung gearbeitet haben und später zur Managerin befördert worden sein. Ihr Jahresgehalt habe anschließend 160.000 Schweizer Franken betragen. Diese Angaben stammen aus dem Zeitungsbericht und sind bislang nicht unabhängig oder durch veröffentlichte Unterlagen bestätigt.

Auch die Darstellung, der damalige UEFA-Präsident Michel Platini habe Infantino mit den Gerüchten konfrontiert und auf eine personelle Entscheidung gedrängt, beruht auf nicht namentlich genannten Quellen des „Telegraph“. Eine öffentliche Stellungnahme Platinis zu dieser konkreten Darstellung lag zunächst nicht vor.

Infantino war von 2000 bis 2016 für die UEFA tätig und seit 2009 deren Generalsekretär. Im Februar 2016 wurde er zum Präsidenten des Weltfußballverbandes FIFA gewählt.

Warum die UEFA-Abfindung relevant ist

Die bloße Zahlung einer Abfindung belegt weder eine persönliche Beziehung noch ein Fehlverhalten. Abfindungen können Bestandteil regulärer Vereinbarungen beim Ausscheiden von Beschäftigten sein. Die UEFA stellt sich auf den Standpunkt, dass die damaligen Vorschriften eingehalten wurden.

Journalistisch relevant wird der Vorgang durch die Verbindung mehrerer bislang nur teilweise geklärter Fragen: Warum schied die Mitarbeiterin aus? Nach welchen Kriterien wurde die Höhe der Zahlung festgelegt? Wer genehmigte die Abfindung und die Finanzierung des MBA-Studiums? Gab es einen Zusammenhang mit der berichteten Beförderung?

Von Bedeutung ist auch, ob bei Personalentscheidungen mögliche Interessenkonflikte ausreichend erfasst und dokumentiert wurden. Die UEFA teilte mit, ihre Personalregeln seien seit 2016 verschärft worden und entsprächen inzwischen den Standards einer modernen, hochrangigen Organisation.

Diese Aussage macht zugleich deutlich, dass die heute geltenden Vorschriften nicht mit den Regeln des Jahres 2011 gleichgesetzt werden können. Ob die Änderung eine Reaktion auf diesen konkreten Vorgang war, sagte die UEFA nicht.

Was daraus folgt

Unmittelbare rechtliche oder verbandspolitische Konsequenzen sind bislang nicht bekannt. Es liegt nach aktuellem Stand weder eine öffentlich bestätigte interne Untersuchung noch eine angekündigte Prüfung durch eine Ethikinstanz vor.

Politisch trifft der Bericht Infantino allerdings in einer angespannten Phase. Der FIFA-Präsident steht bereits wegen eines inzwischen aufgegebenen Plans unter Druck, externe Investoren an einer Gesellschaft für kommerzielle Rechte und Wettbewerbe der FIFA zu beteiligen. Die UEFA und weitere Akteure des internationalen Fußballs kritisierten das Vorgehen scharf.

Die jetzt bekannt gewordene Abfindung verstärkt daher die Debatte über Führung, Transparenz und Kontrollmechanismen in den großen Fußballverbänden. Sie beweist für sich genommen jedoch keinen Regelverstoß Infantinos.

Die FIFA erklärte, Infantino weise die Vorwürfe entschieden zurück. Jede Andeutung unangemessenen Verhaltens oder eines Verstoßes gegen Statuten und Vorschriften sei diffamierend. Weder bei der UEFA noch bei der FIFA habe es eine Beschwerde über sein Verhalten gegeben. Entscheidungen zu Personalfragen und Abfindungen seien von den zuständigen Stellen genehmigt worden.

Was noch offen ist

Unklar bleibt zunächst die genaue Höhe der Abfindung. Die Bezeichnung als sechsstellige Summe stammt vom „Telegraph“, während die UEFA lediglich die Zahlung als solche bestätigt hat.

Nicht geklärt ist auch, aus welchem konkreten Grund die Mitarbeiterin ausschied. Die Bestätigung einer Abfindung beantwortet nicht die Frage, ob das Ende des Beschäftigungsverhältnisses mit den berichteten persönlichen Vorwürfen zusammenhing.

Öffentlich zugängliche Dokumente zu der Vereinbarung, den damaligen Genehmigungswegen oder den Kriterien für die Finanzierung des MBA-Studiums liegen bislang nicht vor. Auch die berichtete Beziehung und ein angebliches Eingreifen Platinis sind nicht offiziell bestätigt.

Offen bleibt ferner, ob die UEFA den Vorgang nach der aktuellen Berichterstattung noch einmal intern prüfen oder zusätzliche Informationen veröffentlichen wird.

Fazit und Ausblick

Gesichert ist, dass die UEFA einer früheren Mitarbeiterin eine Abfindung zahlte und Gebühren für ein MBA-Studium übernahm. Nicht gesichert ist dagegen, dass diese Leistungen wegen einer Beziehung zu Gianni Infantino vereinbart wurden.

Für die weitere Bewertung kommt es deshalb auf überprüfbare Unterlagen und präzise Antworten der beteiligten Verbände an. Bis dahin müssen die bestätigte Zahlung, die Medienvorwürfe und Infantinos Zurückweisung klar voneinander getrennt bleiben.

Faktenüberblick

Thema: Abfindung an eine frühere UEFA-Mitarbeiterin
Ereignis / Entscheidung: UEFA bestätigt Abfindung und Finanzierung eines MBA-Studiums
Datum / Zeitraum: Vorgang laut „Telegraph“ im Jahr 2011; öffentliche Bestätigung im August 2026
Ort / Region: UEFA-Hauptsitz in Nyon, Schweiz
Zentrale Akteure: UEFA, Gianni Infantino, frühere UEFA-Mitarbeiterin, laut Bericht Michel Platini
Betroffene: Frühere Mitarbeiterin und Gianni Infantino
Wichtigste Folge: Neue Debatte über Personalentscheidungen, Interessenkonflikte und Transparenz
Stand der Informationen: Zahlung bestätigt; behauptete Beziehung, Beweggründe und konkrete Summe nicht offiziell bestätigt

Konkrete Folgen auf einen Blick

  • Für Infantino wächst der öffentliche Rechtfertigungsdruck in einer bereits angespannten Führungskrise.
  • Die UEFA muss erklären, wie Abfindungen und zusätzliche Bildungsleistungen damals genehmigt wurden.
  • Ein Fehlverhalten Infantinos ist durch die bestätigte Zahlung allein nicht belegt.
  • Noch offen ist, ob eine interne oder unabhängige Prüfung eingeleitet wird.
  • Der Vorgang dürfte die Debatte über wirksame Compliance-Regeln im internationalen Fußball verstärken.

Offene Punkte im Überblick

  • Unklar bleibt, wie hoch die Abfindung tatsächlich war.
  • Nicht bestätigt ist, ob eine persönliche Beziehung zwischen Infantino und der Mitarbeiterin bestand.
  • Offen ist, warum die Mitarbeiterin die UEFA verließ.
  • Weitere Angaben zu den damaligen Genehmigungswegen liegen bislang nicht vor.
  • Eine öffentliche Stellungnahme Michel Platinis zu seiner behaupteten Rolle steht aus.

🔔 Unabhängiger Journalismus lebt von Reichweite. Folgen Sie auf X, Linkedin oder Instagram und bleiben Sie informiert.

FAQ

Was hat die UEFA bestätigt?

Die UEFA bestätigte eine Abfindung an eine frühere Mitarbeiterin und die Übernahme von Gebühren für ein MBA-Studium. Nach Darstellung des Verbandes entsprachen die Zahlungen den damals geltenden Regeln.

Hat die UEFA eine Affäre Infantinos bestätigt?

Nein. Die UEFA erklärte lediglich, die entsprechenden Vorwürfe zu kennen. Eine Beziehung zwischen Gianni Infantino und der früheren Mitarbeiterin wurde vom Verband nicht bestätigt.

Wie hoch war die Abfindung?

Der „Telegraph“ berichtet von einer sechsstelligen Summe. Die UEFA hat bislang keinen konkreten Betrag genannt.

Was sagt Gianni Infantino?

Infantino weist die Vorwürfe entschieden zurück. Nach Angaben der FIFA sind sie kategorisch unwahr; es habe keine Beschwerde über sein Verhalten gegeben.

Wurde die Mitarbeiterin wegen Infantino entlassen?

Das ist nicht belegt. Die UEFA bestätigte das Ausscheiden und die damit verbundenen Leistungen, aber keinen Zusammenhang mit einer persönlichen Beziehung.

Drohen Infantino konkrete Konsequenzen?

Bislang sind weder ein Verfahren noch eine Untersuchung zu diesem Vorgang öffentlich angekündigt worden. Der politische und öffentliche Druck auf den FIFA-Präsidenten dürfte jedoch steigen.

Quellen

Die wiedergegebenen Erklärungen von UEFA und FIFA wurden britischen Medien übermittelt. Öffentlich zugängliche Vertragsunterlagen zur Abfindung liegen nach aktuellem Stand nicht vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert