Türkische Medien feiern Elif Eralps Berlin-Sieg

Türkische Medien feiern Elif Eralps Berlin-Sieg
Systembild: Elif Eralp führte die Linke bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl zur stärksten Kraft. Ob sie Regierende Bürgermeisterin wird, hängt von einer Mehrheit im Parlament ab. © Presse.Online

Türkische Medien feiern Eralps Wahlerfolg in Berlin

Die Berliner Linke hat mit Elif Eralp die Abgeordnetenhauswahl gewonnen – und der Erfolg wird auch in der Türkei aufmerksam und teils überschwänglich aufgegriffen. Mehrere türkische Medien verbinden das Wahlergebnis mit Eralps Familiengeschichte und der Aussicht, dass erstmals eine Linken-Politikerin mit türkischer Einwanderungsgeschichte das Rote Rathaus führen könnte.

Nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters erhielt die Linke 25,7 Prozent der Zweitstimmen. Es folgen die CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent.

Halk TV und Sözcü rücken Eralps Herkunft in den Mittelpunkt

Der Fernsehsender Halk TV sprach laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur von einem „historischen Ergebnis“ und stellte Eralp als Bürgermeisterkandidatin türkischer Herkunft heraus. Die Zeitung Sözcü formulierte deutlich emotionaler und schrieb sinngemäß, die „türkische Kandidatin“ habe die Wahlurnen gesprengt und die Deutschen hätten „Elif“ gesagt.

Auch die Plattform Serbestiyet verknüpfte das Berliner Ergebnis mit der Biografie der Politikerin. Eralp ist 1981 in München geboren. Ihre Eltern flohen nach dem türkischen Militärputsch von 1980 aus politischen Gründen nach Deutschland; ihre Mutter war zu diesem Zeitpunkt mit ihr schwanger. Serbestiyet beschrieb Eralp deshalb als Tochter einer Familie, die nach dem Putsch vom 12. September geflohen sei und nun vor dem Amt der Regierenden Bürgermeisterin stehe.

Die Schlagzeilen zeigen, wie stark Teile der türkischen Berichterstattung den Berliner Wahlausgang als Aufstieg einer Politikerin mit familiären Wurzeln in der Türkei erzählen. Die Bezeichnung Eralps als „türkische Kandidatin“ greift allerdings zu kurz: Sie wurde in Deutschland geboren, ist Berliner Abgeordnete und trat für eine deutsche Landespartei zur Wahl an.

Eralp spricht von einem historischen Abend

Eralp selbst verstärkte die historische Deutung am Wahlabend. Nach der ersten Prognose sagte sie auf Türkisch: „Wir haben Geschichte geschrieben, Freunde.“ Vor ihren Anhängern erklärte sie anschließend: „In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen.“ Von nun an wolle ihre Partei Berlin gemeinsam verändern und zu einem besseren Ort machen.

Der Wahlerfolg ist tatsächlich außergewöhnlich: Die Linke steigerte ihr Zweitstimmenergebnis gegenüber der Wiederholungswahl 2023 um 13,4 Prozentpunkte und wurde erstmals stärkste Kraft bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl. Eralp wäre im Fall ihrer Wahl die erste Politikerin der Linken an der Spitze des Berliner Senats und die erste Regierende Bürgermeisterin mit türkischer Familiengeschichte.

Ihre Aussage aus dem Wahlkampf, sie sei „die Antwort auf Sachsen-Anhalt“, bezog sich auf den starken Wahlerfolg der AfD bei der dortigen Landtagswahl zwei Wochen zuvor. In Berlin legte die AfD ebenfalls zu und erreichte nach dem vorläufigen Ergebnis 16,3 Prozent. Die Linke gewann jedoch mit deutlichem Abstand.

Wahlsieg bedeutet noch keine Mehrheit für das Rote Rathaus

Die internationale Aufmerksamkeit ändert nichts am parlamentarischen Verfahren. In Berlin wird die Regierende Bürgermeisterin nicht direkt von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt, sondern vom Abgeordnetenhaus. Eralp benötigt daher eine Koalition, die ihr dort eine Mehrheit verschafft.

SPD und Grüne kommen als Partner infrage. Zwischen den Parteien bestehen jedoch Konflikte, unter anderem bei der Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Die Grünen verlangen zudem eine klare Haltung der Berliner Linken gegen Antisemitismus. Erst Koalitionsverhandlungen werden zeigen, ob aus Eralps Wahlsieg tatsächlich eine Regierungsmehrheit entsteht.

Remmo-Besuch belastet die Wahlparty

Parallel zur Siegesfeier geriet die Linke wegen des Erscheinens von Issa Remmo unter Druck. Er hielt sich bei der Wahlparty im Festsaal Kreuzberg auf. Die Partei erklärte, Remmo sei nicht eingeladen gewesen; die Veranstaltung habe der Öffentlichkeit offengestanden. Eralp sagte, die Linke habe mit organisierter Kriminalität nichts zu tun und Remmo habe die Feier verlassen müssen.

Der Vorgang ist politisch relevant, sollte aber nicht mit dem Wahlergebnis oder der türkischen Berichterstattung vermischt werden. Belegt ist der Besuch Remmos und die Distanzierung der Partei. Weitergehende Behauptungen über andere Gäste sollten erst veröffentlicht werden, wenn deren Identität, Rolle und mögliche Vorwürfe unabhängig verifiziert sind.

Für Eralp beginnt damit unmittelbar nach dem Wahlsieg eine doppelte Bewährungsprobe: Sie muss eine belastbare Mehrheit für das Rote Rathaus organisieren und zugleich zeigen, wie konsequent ihre Partei auf Vorfälle reagiert, die Zweifel an ihrer politischen Abgrenzung nähren.

Offene Fragen

  • Welche Koalition kann im neuen Abgeordnetenhaus eine stabile Mehrheit bilden?
  • Welche inhaltlichen Bedingungen stellen SPD und Grüne an Gespräche mit der Linken?
  • Wie arbeitet die Linke den Zugang nicht eingeladener Gäste zu ihrer Wahlparty auf?
  • Wann stellt der Landeswahlausschuss das endgültige Wahlergebnis fest?

Quellen und Transparenz

Primärquelle

Ergänzende Berichterstattung

Transparenzhinweis: Die zitierten türkischen Schlagzeilen wurden anhand der dpa-Berichterstattung wiedergegeben. Eine im Ausgangsmaterial enthaltene weitere Behauptung zu einem Besucher der Wahlparty wurde mangels unabhängiger Bestätigung nicht übernommen.

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