Kindergeld: 528 Millionen Euro auf Auslandskonten 2025
528 Millionen Euro Kindergeld auf Auslandskonten: Was dahintersteckt
Die Familienkasse überwies 2025 mehr Kindergeld auf ausländische Konten als im Vorjahr. Polen, Rumänien und Tschechien führten die Rangfolge im ersten Halbjahr an. Was die Zahlen aussagen und weshalb der Kontostandort allein wenig über die Empfänger verrät.
Stand: 5. November 2026 · Berichtszeitraum: 2025
Die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit hat 2025 rund 528 Millionen Euro Kindergeld auf Konten im Ausland überwiesen. Das berichtete FOCUS online unter Berufung auf eine Auskunft der Behörde. Im Jahr zuvor waren es rund 514 Millionen Euro. Damit stieg der Betrag um etwa 14 Millionen Euro beziehungsweise 2,7 Prozent.
Die Summe beschreibt allerdings nicht, wie viel Kindergeld insgesamt für Kinder mit Wohnsitz im Ausland gezahlt wurde. Entscheidend für diese Auswertung ist der Standort des Kontos. Zwischen beidem besteht ein Unterschied.
Auslandskonto bedeutet nicht automatisch Auslandswohnsitz
Nach der von FOCUS online wiedergegebenen Erläuterung der Bundesagentur können Familien mit Wohnsitz in Deutschland ein ausländisches Konto für den Kindergeldbezug nutzen. Umgekehrt kann Kindergeld für Kinder im Ausland auf ein deutsches Konto überwiesen werden.
Auch Staatsangehörigkeit und Wohnort sind getrennt zu betrachten. Ausgaben für ausländische Berechtigte lassen sich deshalb nicht mit Überweisungen ins Ausland gleichsetzen.
Für das erste Halbjahr 2025 nennt der Bericht Polen, Rumänien und Tschechien als wichtigste Zielländer der Zahlungen. Diese Rangfolge darf ohne entsprechende Jahresauswertung nicht als abschließende Länderliste für das gesamte Jahr ausgegeben werden.
Auslandsüberweisungen entsprechen knapp einem Prozent
Die Familienkasse zahlte 2025 insgesamt 55,32 Milliarden Euro Kindergeld aus. Das geht aus ihrer im Januar 2026 veröffentlichten Jahresbilanz hervor. Für 17,57 Millionen Kinder wurde die Leistung gewährt.
Gemessen an diesen Gesamtausgaben entsprechen die 528 Millionen Euro auf Auslandskonten rechnerisch rund 0,95 Prozent. Der zusätzliche Kinderzuschlag ist in dieser Vergleichssumme nicht enthalten. Dafür gab die Familienkasse weitere 3,28 Milliarden Euro aus.
Beim Vergleich über mehrere Jahre müssen auch die erhöhten Leistungssätze berücksichtigt werden. 2025 stieg das monatliche Kindergeld von 250 auf 255 Euro je Kind. Seit Januar 2026 beträgt es 259 Euro. Eine höhere Auszahlungssumme allein belegt daher noch keine entsprechend gestiegene Zahl berücksichtigter Kinder.
Warum Kindergeld über Grenzen hinweg gezahlt wird
Familien können unter bestimmten Voraussetzungen auch dann Anspruch auf deutsches Kindergeld haben, wenn Eltern und Kinder in verschiedenen Ländern leben. Das betrifft beispielsweise grenzüberschreitende Beschäftigung. Ebenso können deutsche Eltern im Ausland anspruchsberechtigt sein.
Innerhalb der EU sowie im Verhältnis zu Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz regeln Zuständigkeitsvorschriften, welches Land Familienleistungen zahlt. Nach Angaben der Europäischen Kommission haben Ansprüche aus Beschäftigung grundsätzlich Vorrang vor Ansprüchen, die allein auf dem Wohnsitz beruhen.
Bestehen Ansprüche in mehreren Ländern, werden die Leistungen koordiniert. Das nachrangig zuständige Land kann einen Unterschiedsbetrag zahlen, wenn seine Leistung höher ausfallen würde. Zwei volle Leistungen für denselben Anspruch sind damit nicht vorgesehen.
Die Bundesregierung erklärte im Juni 2026, die Familienkasse prüfe die Anspruchsvoraussetzungen bei Antragstellung und regelmäßig während des Bezugs. Solange Zweifel an der Rechtmäßigkeit bestünden, werde nicht ausgezahlt.
Für deutsche Familien besteht weiterhin ein Anspruch
Die Behauptung, für deutsche Kinder sei kein Geld da, wird durch die Auslandsüberweisungen nicht belegt. Deutsche Familien erhalten bei erfüllten Voraussetzungen weiterhin Kindergeld. Der reguläre Satz liegt 2026 bei 259 Euro monatlich je Kind.
Ob Familienleistungen ausreichen und wie Kinderarmut wirksam bekämpft werden kann, sind eigenständige politische Fragen. Die Höhe der Überweisungen auf Auslandskonten beantwortet sie nicht.
Quellen und Transparenz
- FOCUS online, 27. Januar 2026, Medienbericht mit Auskunft der Bundesagentur für Arbeit: Grundlage für die Auslandsüberweisungen 2025, den Vorjahresvergleich, die Erläuterung zum Kontostandort und die Rangfolge im ersten Halbjahr. Originalbericht.
- Bundesagentur für Arbeit, 21. Januar 2026, amtliche Jahresbilanz: Gesamtausgaben und Zahl der berücksichtigten Kinder für 2025. Die Bilanz der Familienkasse 2025.
- Bundesagentur für Arbeit, 20. Dezember 2024 und 5. Januar 2026, amtliche Mitteilungen: Kindergeldsätze von 255 Euro für 2025 und 259 Euro seit Januar 2026. Erhöhung 2025 · Erhöhung 2026. Bundesagentur für Arbeit
- Europäische Kommission, laufende Behördeninformation, abgerufen am 5. November 2026: Zuständigkeit und Unterschiedsbeträge bei grenzüberschreitenden Familienleistungen. Familienleistungen. employment-social-affairs.ec.europa.eu
- Deutscher Bundestag, 29. Juni 2026, Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/6786: Angaben zur Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen. Bundestagsdrucksache.
- Familienportal des Bundes, laufende Behördeninformation, abgerufen am 5. November 2026: Anspruchsberechtigung deutscher Familien und aktueller Kindergeldsatz. Fragen zum Kindergeld.
Redaktioneller Hinweis: Die im Ausgangsmaterial behauptete annähernde Verdreifachung der Kinderzahl seit 2011 konnte für einen eindeutig bestimmten Vergleichszeitraum und dieselbe statistische Abgrenzung nicht ausreichend bestätigt werden. Sie wurde deshalb nicht übernommen. Die Auslandsüberweisungen für 2025 sind keine Jahresbilanz für 2026 da dürfte es noch mehr sein.
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