PFLP-Unterstützer auf Wahlparty der Berliner Linken
PFLP-Unterstützer auf Linken-Wahlparty: Partei unter Druck
Berlin. Auf der Wahlparty der Berliner Linken ist nach Recherchen des gemeinnützigen Vereins democ ein Mann aufgetaucht, den die Organisation als führenden Unterstützer der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) in Deutschland einordnet. Demnach handelt es sich um den Berliner Aktivisten Ibrahim Ibrahim. Fotos zeigen ihn auch neben dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak.
Der Vorgang verschärft die Debatte über den Umgang der Partei mit problematischen Gästen. Zuvor hatte bereits die Anwesenheit von Issa Remmo bei öffentlichen Wahlveranstaltungen der Linken in Neukölln und Kreuzberg Kritik ausgelöst. Belegt ist bislang die Anwesenheit der Männer. Offen ist dagegen, ob Ibrahim eingeladen war, wer ihn kannte und ob Verantwortliche der Partei während der Veranstaltung von seinem politischen Hintergrund wussten.
Democ ordnet Ibrahim dem PFLP-Unterstützerumfeld zu
Nach Angaben von democ trat Ibrahim in Berlin als Vertreter des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“ auf. Der Verein bezeichnet ihn als führenden Unterstützer der PFLP in Deutschland. Medien griffen die Recherche anschließend auf.
Diese Zuordnung ist von der behördlichen Bewertung der PFLP selbst zu trennen. Die marxistisch-leninistische Organisation steht auf der Terrorliste der Europäischen Union. Der Bundesverfassungsschutz zählt sie zum Spektrum terroristischer palästinensischer Organisationen und hält zugleich fest, dass die PFLP in Deutschland nicht terroristisch tätig sei. Auch die USA führen die PFLP als ausländische Terrororganisation.
Democ zufolge würdigte Ibrahim den getöteten Hamas-Anführer Jahja Sinwar als „standhaften Führer“ und „Märtyrerhelden“. Sinwar galt als einer der maßgeblichen Planer des von der Hamas geführten Terrorangriffs auf Israel am 7. Oktober 2023. Die Zuschreibung der Äußerungen an Ibrahim beruht derzeit auf der Dokumentation von democ.
Foto mit Ferat Koçak wirft Fragen auf
Auf einem in sozialen Netzwerken verbreiteten Foto steht Ibrahim neben Ferat Koçak. Der Linken-Politiker gewann bei der Bundestagswahl 2025 mit 30 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis Berlin-Neukölln.
Aus einem gemeinsamen Foto lässt sich jedoch weder eine persönliche Nähe noch eine Unterstützung ableiten. Für die politische Bewertung sind andere Fragen ausschlaggebend: War Ibrahim eingeladen? War sein Hintergrund den Veranstaltern bekannt? Gab es frühere Kontakte oder Auftritte bei Veranstaltungen des Bezirksverbands? Dazu lag zunächst keine dokumentierte Stellungnahme der Berliner Linken oder Koçaks vor.
Gerade dieser Punkt ist für eine sachliche Einordnung zentral. Eine öffentliche Wahlparty kann von nicht eingeladenen Personen besucht werden. Politische Verantwortung entstünde vor allem dann, wenn Funktionsträger den Gast bewusst eingeladen, ihm eine Bühne gegeben oder sich seine Positionen zu eigen gemacht hätten. Dafür liegt nach dem bisher veröffentlichten Material kein Beleg vor.
Linke distanziert sich von Issa Remmo
Die Berliner Linke hatte sich bereits zur Anwesenheit von Issa Remmo geäußert. Spitzenkandidatin Elif Eralp sagte, er sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt worden. „Mit organisierter Kriminalität wollen wir wirklich nichts zu tun haben“, erklärte sie im RBB-Inforadio.
Der Neuköllner Bezirksvorstand teilte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur mit, die Veranstaltung sei öffentlich gewesen. Remmo habe nicht auf der Anmeldeliste gestanden; politische oder persönliche Beziehungen zu ihm bestünden nicht.
Eine entsprechende Erklärung zu Ibrahim ist bislang nicht öffentlich dokumentiert. Presse.Online hat deshalb vor einer abschließenden Bewertung Klärungsbedarf: Die Partei sollte offenlegen, ob Ibrahim eingeladen war, wann seine Anwesenheit bemerkt wurde und wie die Veranstalter reagierten.
Debatte trifft die Wahlsiegerin in sensibler Phase
Die Linke wurde bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Der Streit um Gäste der Wahlparty fällt damit in eine Phase, in der mögliche Koalitionspartner die Haltung der Partei zu Antisemitismus besonders kritisch prüfen.
Die Grünen hatten bereits eine eindeutige Verpflichtung der Linken zum Kampf gegen Antisemitismus zur Voraussetzung für eine Zusammenarbeit erklärt. Für die Berliner Linke geht es deshalb nicht allein um einzelne Fotos. Entscheidend ist, ob sie nachvollziehbare Regeln für öffentliche Veranstaltungen besitzt, problematische Akteure erkennt und Vorfälle transparent aufarbeitet.
Offene Fragen
- War Ibrahim Ibrahim zu der Wahlparty eingeladen oder angemeldet?
- Kannten Veranstalter oder Mandatsträger seinen politischen Hintergrund?
- Wann bemerkte die Partei seine Anwesenheit, und wie reagierte sie?
- Welche Verbindung bestand zum abgebildeten Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak?
- Wird die Berliner Linke ihre Zugangs- und Sicherheitsregeln überprüfen?
Quellen und Transparenz
- Rat der Europäischen Union: EU-Terrorliste und Verordnung (EU) 2026/456 vom 26. Februar 2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht 2021, Einordnung der PFLP.
- Deutscher Bundestag und Bundeswahlleiterin: Biografie und Wahlergebnis Ferat Koçaks.
- Deutsche Presse-Agentur/RBB-Inforadio: Stellungnahmen Elif Eralps und der Linken Neukölln zur Anwesenheit Issa Remmos, 21. September 2026.
- democ: Einordnung Ibrahim Ibrahims und Dokumentation seiner Äußerungen; wiedergegeben in aktuellen Medienberichten. Die Primärveröffentlichung sollte im Beitrag direkt verlinkt werden.
- Eine Stellungnahme der Berliner Linken und Ferat Koçaks speziell zu Ibrahim Ibrahim lag zum Redaktionsstand nicht vor.
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