Vivanco insolvent: Reguläres Verfahren eröffnet

Vivanco insolvent: Reguläres Verfahren eröffnet
Systembild: Der Zubehöranbieter Vivanco befindet sich mit zwei deutschen Gesellschaften im regulären Insolvenzverfahren. Die Markenrechte und das deutsche Produktgeschäft wurden bereits 2025 an SBS übertragen. © Presse.Online

Vivanco-Insolvenz: Eigenverwaltung endet nach Planrückzug

Die Insolvenzverfahren über die Vivanco GmbH und die Vivanco Gruppe GmbH aus Ahrensburg werden seit dem 1. August 2026 regulär geführt. Das Amtsgericht Reinbek hob die zuvor angeordnete Eigenverwaltung auf und bestellte Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt von Reimer Rechtsanwälte zum Insolvenzverwalter.

Damit ist ein zunächst vorgesehener Sanierungsversuch unter der Verantwortung der bisherigen Geschäftsführung gescheitert. Die Marke Vivanco muss deshalb allerdings nicht vom Markt verschwinden: Das deutsche Produktgeschäft und die zugehörigen Markenrechte wurden bereits 2025 an die italienische SBS S.p.A. übertragen.

Vivanco zieht vorgesehenen Insolvenzplan zurück

Das Amtsgericht Reinbek hatte die Eigenverwaltung nach Angaben in den amtlichen Insolvenzbekanntmachungen zum 1. Februar 2026 angeordnet. In einer Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung grundsätzlich handlungsfähig, wird aber durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht.

Für die operativ tätige Vivanco GmbH war zunächst ein Insolvenzplan vorgesehen. Über diesen sollten die Gläubiger bei einem Erörterungs- und Abstimmungstermin am 20. Juli 2026 entscheiden. Nachdem die Gesellschaft den Plan zurückgezogen hatte, hob das Gericht den Termin auf.

Mit Ablauf des 31. Juli endete auch die Eigenverwaltung. Welche Umstände zum Rückzug des Insolvenzplans führten, geht aus den bislang zugänglichen gerichtlichen Angaben nicht hervor.

Der Wechsel in das reguläre Verfahren bedeutet, dass nun Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen der betroffenen Gesellschaften ausübt. Ob ein Verkauf des verbliebenen Betriebs, eine andere Sanierungslösung oder eine Abwicklung angestrebt wird, wurde bislang nicht öffentlich mitgeteilt.

Marke und Elektronikgeschäft gehören bereits SBS

Die Insolvenz der beiden deutschen Gesellschaften ist von der Zukunft der Marke Vivanco zu unterscheiden. Mit Vertrag vom 14. März 2025 verkaufte die damalige Vivanco Gruppe AG wesentliche Teile ihres deutschen Geschäfts mit Unterhaltungselektronik an die italienische SBS S.p.A.

Nach dem Halbjahresbericht 2025 umfasste die Transaktion deutsche Kundenbeziehungen zum Einzelhandel sowie Nutzungsrechte am Namen Vivanco für Zubehörprodukte. Der vereinbarte Kaufpreis lag demnach bei insgesamt 3,2 Millionen Euro. Große Teile des Auslandsgeschäfts waren bereits zuvor auf SBS übertragen worden.

Auf der deutschen Vivanco-Internetseite wird SBS inzwischen als Verkäufer und Vertragspartner genannt. Käuferinnen und Käufer können dort weiterhin Zubehör unter dem Namen Vivanco finden. Die eröffneten Insolvenzverfahren bedeuten daher nicht automatisch das Ende der Marke oder des aktuellen Produktangebots.

Eine Bezeichnung Vivancos als „Elektronikhersteller“ greift zudem zu kurz. Das Unternehmen war zuletzt vor allem als Anbieter, Importeur und Distributor von Zubehör für Fernseher, Smartphones, Tablets, Computer und Gaming-Geräte tätig.

Umsatzrückgang und jahrelange Verluste

Vivanco hatte das Geschäft mit Zubehör für Unterhaltungselektronik selbst als dauerhaft defizitär und nicht mehr sanierungsfähig beschrieben. Als Belastungen nannte das Unternehmen unter anderem den intensiven Preiswettbewerb, den Bedeutungsverlust des stationären Elektronikhandels und günstige Direktangebote über das Internet.

Der Konzernumsatz sank nach den veröffentlichten Geschäftszahlen von 64,1 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 25,7 Millionen Euro im Jahr 2024. Für 2024 wurde ein Verlust nach Steuern von rund sieben Millionen Euro ausgewiesen. Im ersten Halbjahr 2025 erzielte der Konzern noch 9,6 Millionen Euro Umsatz; das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei minus 1,5 Millionen Euro.

Der im Jahr 2025 veröffentlichte Formwechselbericht nannte für das Geschäftsjahr 2024 durchschnittlich 259 Beschäftigte im Konzern. Wie viele Menschen zum Zeitpunkt der Eröffnung der regulären Insolvenzverfahren noch bei den betroffenen Gesellschaften beschäftigt waren, ist aus den derzeit öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht ersichtlich.

Von Hamburg nach Ahrensburg

Vivanco wurde nach eigenen Unternehmensangaben 1920 von den Brüdern Edgar und Gustavo de Vivanco in Hamburg gegründet. Das ursprüngliche Handelsunternehmen importierte Waren von den Philippinen und exportierte deutsche Produkte dorthin.

1976 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Ahrensburg. Ab 1980 konzentrierte sich Vivanco auf Zubehör für Unterhaltungselektronik und expandierte später in mehrere europäische Märkte. Zum Sortiment gehörten unter anderem Kabel, Halterungen, Ladegeräte, Kopfhörer und Babyüberwachungstechnik.

Seit 2011 wurde die Unternehmensgruppe mehrheitlich von einer Tochtergesellschaft der chinesischen Ningbo Ship Investment Group kontrolliert. Nach Angaben aus Unternehmensunterlagen hielt diese zuletzt mehr als 83 Prozent der Anteile.

Offene Fragen

  • Wie viele Beschäftigte arbeiten derzeit noch für die Vivanco GmbH und die Vivanco Gruppe GmbH?
  • Wird der verbliebene Geschäftsbetrieb fortgeführt, verkauft oder eingestellt?
  • Weshalb zog die Vivanco GmbH den vorbereiteten Insolvenzplan zurück?
  • Welche Befriedigung können Gläubiger in den beiden Verfahren erwarten?
  • Wann legt der Insolvenzverwalter weitere Angaben zur Fortführung oder Verwertung vor?

Eine öffentliche Stellungnahme des Insolvenzverwalters zu den nächsten Schritten lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. Maßgeblich ist nun, ob für den verbliebenen Geschäftsbetrieb ein Käufer oder eine andere Fortführungslösung gefunden werden kann.

Quellen und Transparenz

Primärquellen

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