Laschet: Migration erklärt AfD-Stärke nicht allein
Laschet: Weniger Migration schwächt die AfD nicht automatisch
Armin Laschet hat kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine grundlegende Neubewertung der politischen Auseinandersetzung mit der AfD gefordert. In der ARD-Sendung „Caren Miosga“ vertrat der CDU-Bundestagsabgeordnete die These, dass selbst eine vollständige Reduzierung der Zuwanderung die AfD in Sachsen-Anhalt kaum Stimmen kosten würde.
Migration sei inzwischen nicht mehr das alleinige Hauptmotiv hinter dem starken Zuspruch für die Partei, argumentierte Laschet. Zugleich unterschied er zwischen parlamentarischer Ausgrenzung und politischer Zusammenarbeit: Die Verweigerung von Ausschussposten hält er für falsch, Koalitionen und Regierungsämter für AfD-Politiker lehnt er weiterhin strikt ab.
Laschet bezweifelt Zusammenhang zwischen Zuzug und AfD-Werten
„Die Migration ist um 50 Prozent reduziert im Neuzugang und ich behaupte, wenn sie bei null wäre, würde das nichts an den 40 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt umfragemäßig verändern“, sagte Laschet in der Sendung vom 23. August 2026. Nach seiner Einschätzung reagieren die Wähler der AfD inzwischen stärker auf andere, von ihm als kulturell bezeichnete Konfliktthemen.
Laschets Aussage ist eine politische These, kein statistisch belegter Nachweis über die Motive der AfD-Wählerschaft. Sie verschiebt jedoch den Schwerpunkt der Debatte: Wenn rückläufige Zugangszahlen die Zustimmung zur AfD nicht erkennbar verringern, reicht eine Konzentration auf die Migrationspolitik nach dieser Lesart nicht aus, um verlorene Wähler zurückzugewinnen.
Auch Laschets Zahlenangabe benötigt eine genaue Einordnung. Das Bundesinnenministerium berichtete für das Jahr 2025 von einem Rückgang der Asylerstanträge um 51 Prozent gegenüber 2024. Die Asylstatistik bildet jedoch nicht die gesamte Migration nach Deutschland ab. Arbeitsmigration, EU-Freizügigkeit, Familiennachzug und andere Formen der Zuwanderung sind darin nicht vollständig enthalten.
AfD liegt vor der Wahl deutlich vor der CDU
Die Debatte erhält ihre Brisanz durch die Umfragen vor der Landtagswahl am 6. September 2026. In einer Ende Juli veröffentlichten Erhebung von Infratest dimap kam die AfD auf 41 Prozent, die CDU auf 24 Prozent. Eine weitere Befragung des Instituts Pollytix sah die AfD Anfang August bei 43 Prozent und die CDU bei 23 Prozent.
Wahlumfragen sind keine Prognosen des tatsächlichen Wahlergebnisses. Sie bilden die politische Stimmung im jeweiligen Befragungszeitraum ab und unterliegen statistischen Unsicherheiten. Der übereinstimmende Abstand zwischen AfD und CDU zeigt dennoch, unter welchem Druck die bisher führende Regierungspartei in Sachsen-Anhalt steht.
Laschet machte die Bundespolitik für diese Entwicklung mitverantwortlich. Die Bundesregierung bestehe aus CDU/CSU und SPD, betonte er, weshalb beide Seiten einen Anteil an der wachsenden Enttäuschung trügen. Seine Kritik richtete sich besonders gegen die Sozialdemokraten: Er warf der SPD-Führung vor, die aus seiner Sicht falschen Debatten zu führen und den politischen Ton früherer Parteivorsitzender wie Franz Müntefering nicht mehr zu treffen.
Für beide Regierungsparteien werde es zum Problem, wenn die SPD bundesweit bei etwa zwölf Prozent und die Union nur bei „20 plus x“ liege, sagte Laschet. Die Bundesregierung müsse wieder erkennbar ins Handeln kommen und ihr „Handwerk“ erledigen.
Laschet erklärt eine Form der Brandmauer für gescheitert
Besonders deutlich kritisierte Laschet den bisherigen institutionellen Umgang mit der AfD. „Die Methodik, mit der wir versucht haben, die AfD auch durch formelles Ausgrenzen kleinzumachen, ist gescheitert“, sagte er.
Als Beispiel nannte Laschet die Vergabe parlamentarischer Funktionen. Wenn die AfD trotz ihrer Stimmenanteile in Ausschüssen nicht einmal Stellvertreterposten erhalte, sei das „kein guter Zustand“. Die Verweigerung solcher Positionen bezeichnete er als eine „Brandmauer, die nicht funktioniert hat“.
Davon trennte Laschet ausdrücklich die Frage nach Regierungsverantwortung. Koalitionen mit der AfD und die Übertragung von Ministerämtern oder vergleichbaren öffentlichen Ämtern schloss er für die CDU aus: „Das wird die CDU nie machen. Nie im Leben.“
Damit plädiert Laschet nicht für eine politische Zusammenarbeit, sondern für eine andere Grenzziehung: parlamentarische Rechte entsprechend den Mehrheitsverhältnissen auf der einen Seite, keine Koalition und keine gemeinsame Regierungsbildung auf der anderen.
CDU muss ihre Abgrenzung neu erklären
Laschets Position verdeutlicht ein strategisches Problem der Union. Sie muss erklären, welche Formen der parlamentarischen Beteiligung sie der AfD zugesteht, ohne ihre Absage an politische Zusammenarbeit aufzuweichen. Der Begriff „Brandmauer“ allein beantwortet diese Unterscheidung nicht.
Offen bleibt auch, welche „kulturellen Themen“ Laschet konkret für die Stärke der AfD verantwortlich macht und mit welchen politischen Maßnahmen CDU und SPD darauf reagieren sollen. In der Sendung verband er seine Diagnose vor allem mit einem allgemeinen Appell an die Bundesregierung, Probleme sichtbarer und handwerklich überzeugender zu bearbeiten.
Ob Laschets These über die Bedeutung der Migration trägt, lässt sich nicht allein aus sinkenden Asylantragszahlen und parallel hohen AfD-Werten ableiten. Dafür wären aktuelle Untersuchungen zu den Motiven der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt erforderlich. Eine solche empirische Grundlage legte Laschet in der Sendung nicht vor.
Die nächste belastbare Antwort liefert die Landtagswahl am 6. September. Sie zeigt, wie stark die AfD tatsächlich abschneidet nicht aber automatisch, aus welchen Gründen die einzelnen Stimmen abgegeben wurden.
Quellen und Transparenz
- ARD Mediathek: „Caren Miosga Ist die Brandmauer noch zu halten?“, Sendung vom 23. August 2026 – Primärquelle für Laschets Aussagen und den Gesprächskontext.
- Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt: Landtagswahl am 6. September 2026 amtliche Quelle zum Wahltermin.
- Bundesinnenministerium: Asylzahlen sinken im Jahr 2025 deutlich amtliche Mitteilung zum Rückgang der Asylerstanträge.
- MDR: CDU fällt weiter zurück, AfD stabil ergänzender Medienbericht zur Infratest-dimap-Umfrage.
- Deutscher Bundestag: Armin Laschet leitet den Auswärtigen Ausschuss amtliche Quelle zu Laschets gegenwärtiger Funktion.
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