Dormagen-Gohr: Sabotageversuch am Stromnetz
Sabotageversuch am Stromnetz: Polizei fahndet nach Mann
Die Polizei stuft den Fund nahe einem Umspannwerk in Dormagen-Gohr als versuchten Sabotageakt ein. Ein Spaziergänger hatte die verdächtigen Vorrichtungen am Donnerstag gegen 18.15 Uhr in einem Feld entdeckt und die Polizei verständigt.
Nach aktuellem Ermittlungsstand sollten die Vorrichtungen offenbar einen Kurzschluss im Stromnetz auslösen. Sie wurden jedoch nicht ausgelöst. Schäden an der Anlage oder Beeinträchtigungen der Stromversorgung meldeten die Behörden nicht.
Abschussvorrichtungen sollten offenbar Kurzschluss auslösen
Bei den Gegenständen handelt es sich nach Angaben des WDR unter Berufung auf die Polizei um Abschussvorrichtungen. Vergleichbare Konstruktionen waren zuvor in Bergheim in Nordrhein-Westfalen und nahe dem brandenburgischen Kraftwerk Jänschwalde gefunden worden.
Die technische Funktionsfähigkeit der in Dormagen entdeckten Geräte ist bislang nicht abschließend geklärt. „Es ist bislang zu keiner Beschädigung gekommen. Und es ist auch nicht geklärt, ob dieser Gegenstand geeignet gewesen wäre, einen Schaden hervorzurufen“, erklärte Claudia Suthor, Sprecherin der Polizei im Rhein-Kreis Neuss, gegenüber dem WDR.
Einsatzkräfte sperrten das Gelände rund um das Umspannwerk ab und suchten die Umgebung nach weiteren verdächtigen Gegenständen ab. Dabei kamen nach vorliegenden Medienberichten auch Suchscheinwerfer und ein Polizeihubschrauber zum Einsatz.
Polizei prüft Bekennerschreiben und sucht Verdächtigen
Der Polizei liegt inzwischen ein Bekennerschreiben vor. Nach Angaben des WDR soll es von einem Mann aus dem Raum Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis stammen. Unter dem Schreiben stehe ein Name; die Polizei fahnde nach dem Mann.
Der Verfasser behauptet demnach, Angriffe auf das Stromnetz in Dormagen-Gohr, Bergheim und Weisweiler vorbereitet zu haben. Als Motiv nennt er den Widerstand gegen die fossile Energiewirtschaft.
Ob das Schreiben tatsächlich vom Täter stammt und ob der darin genannte Name authentisch ist, müssen die Ermittlungen erst ergeben. Aus dem Dokument folgt deshalb noch kein gesicherter Tatnachweis.
Die Polizei will aufgrund der Angaben auch Anlagen in Weisweiler und im Raum Dormagen nach Abschussvorrichtungen oder anderen verdächtigen Gegenständen absuchen.
Ähnliche Angriffe in Bergheim und Jänschwalde
Bereits am Dienstag waren in Bergheim und Jänschwalde ungewöhnliche Vorrichtungen an Stromanlagen entdeckt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden dabei leitende Drähte mithilfe selbstgebauter Abschusskonstruktionen in Richtung von Hoch- oder Höchstspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse herbeizuführen.
Am Umspannwerk in Bergheim wurden mehrere Leitungen durch einen Kurzschluss beeinträchtigt. Die Polizei schloss einen technischen Defekt aus und ermittelt wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage. Nach Angaben des Netzbetreibers blieb die allgemeine Stromversorgung stabil.
Auch nahe Jänschwalde kam es zu Kurzschlüssen. Ein großflächiger Stromausfall blieb aus. Brandenburgs Sicherheitsbehörden untersuchen den Vorfall als gezielten Angriff auf die Energieinfrastruktur.
Die räumliche Nähe zwischen Dormagen und Bergheim sowie die Ähnlichkeit der Konstruktionen begründen einen Prüfbedarf. Sie belegen jedoch noch nicht, dass alle Vorrichtungen von derselben Person stammen.
Zwei Schreiben mit ähnlicher Stoßrichtung
Unabhängig von dem jetzt von der Polizei geprüften Schreiben hatte die „taz“ nach eigenen Angaben einen Brief zum Angriff bei Jänschwalde erhalten. Der Umschlag sei laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen aufgegeben worden.
Der Verfasser stellte sich darin als Einzeltäter dar und begründete die Tat mit den Folgen fossiler Energiegewinnung. Die Zeitung betonte, dass sie die Identität des Absenders und dessen tatsächliche Beteiligung nicht bestätigen könne.
Ob beide Schreiben vom selben Urheber stammen, ist bislang nicht geklärt. Ebenso offen ist, ob zwischen den Funden in Dormagen und den Angriffen in Bergheim und Jänschwalde ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.
Schutz des Stromnetzes gerät erneut in den Fokus
Das Bundeswirtschaftsministerium sieht durch die Vorfälle weiteren Handlungsbedarf. Ein Sprecher erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Widerstandsfähigkeit des Stromsystems müsse konsequent gestärkt werden. Sabotage gegen kritische Infrastruktur stelle eine ernst zu nehmende Gefahr dar.
Der Fall Dormagen zeigt zugleich eine Besonderheit beim Schutz weitläufiger Stromnetze: Täter müssen nicht zwingend unmittelbar auf das Gelände eines Umspannwerks gelangen, wenn sie technische Anlagen aus der Umgebung heraus angreifen können.
Die nächsten Schritte hängen von der Auswertung der gefundenen Vorrichtungen und der Prüfung des Bekennerschreibens ab. Insbesondere müssen die Ermittler klären, ob der gesuchte Mann tatsächlich an einem oder mehreren der Vorfälle beteiligt war.
Offene Fragen
- Ist der Verfasser des Bekennerschreibens mit dem Täter identisch?
- Stammen die Schreiben an die Polizei und an die „taz“ von derselben Person?
- Sind die Vorrichtungen in Dormagen, Bergheim und Jänschwalde technisch identisch?
- Wurden auch in Weisweiler oder an weiteren Anlagen entsprechende Konstruktionen aufgebaut?
- Handelte eine Einzelperson oder waren mehrere Menschen beteiligt?
Quellen und Transparenz
- WDR: „Sabotage-Versuch an Umspannwerk in Dormagen“, 4. September 2026; Bericht unter Berufung auf die Polizei im Rhein-Kreis Neuss und eigene Reporter vor Ort.
- Tagesschau: „Sabotage-Versuch an Umspannwerk in Dormagen“, 4. September 2026; ergänzender Bericht zum Ermittlungsstand.
- Tagesschau: „Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage“, 2. September 2026; Hintergrund zum Vorfall in Bergheim.
- taz: „Bekennerschreiben zu Anschlag in Jänschwalde aufgetaucht“, 3. September 2026; Bericht der Empfängerredaktion über das Schreiben.
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; Stellungnahme gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, wiedergegeben in aktuellen Medienberichten.
Die Echtheit der Bekennerschreiben und ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Tatorten waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht abschließend bestätigt.
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