Regierungsflughafen BER: Kostenrahmen versiebenfacht?

Regierungsflughafen BER: Kostenrahmen versiebenfacht?
Das bestehende Regierungsterminal am BER. Die Ausbauplanung umfasst zusätzliche Gebäude und Infrastruktur für die Flugbereitschaft. © Presse.Online

Regierungsflughafen am BER: Bis zu 2,5 Milliarden Euro im Raum

Der Bund der Steuerzahler kritisiert im neuen Schwarzbuch den Ausbau des Regierungsflughafens am BER. Aus früheren 344 Millionen Euro ist ein Milliardenrahmen geworden. Doch die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Planungsstände.

Der geplante Regierungsflughafen am Flughafen Berlin Brandenburg steht erneut wegen seiner Kosten in der Kritik. Anlässlich seines neuen Schwarzbuchs fordert der Bund der Steuerzahler, den Ausbau auf den funktionalen Bedarf zu begrenzen. Der Verband warnt vor einem Milliardenprojekt, dessen Dimensionen gegenüber früheren Planungen erheblich gewachsen sind.

Die zentrale Frage lautet deshalb: Welche Infrastruktur braucht der Regierungsflugbetrieb tatsächlich und wie lässt sich nachvollziehbar prüfen, ob der geplante Ausbau diesen Bedarf wirtschaftlich erfüllt?

Regierungsflughafen am BER: Was die 2,5 Milliarden bedeuten

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hatte bereits im Dezember 2025 eine vorläufige Kostenprognose von rund 1,7 Milliarden Euro gegenüber Medien bestätigt. Unter Berücksichtigung erwarteter Baupreissteigerungen und einer Risikokostenvorsorge ergab sich ein Rahmen von 2,5 Milliarden Euro. Die Behörde bezeichnete diesen als maximale Kostenobergrenze für das Projekt.

Die obere Summe ist damit weder eine bereits bezahlte Rechnung noch ein abschließend feststehender Baupreis. Sie enthält Vorsorge für mögliche zusätzliche Belastungen.

Für die aktuelle Berichterstattung bedeutet das: Der neue Anlass ist die Veröffentlichung des Schwarzbuchs am 1. Oktober 2026. Dass das Vorhaben einen Milliardenrahmen erreicht hat, wurde schon Ende 2025 öffentlich bekannt.

Aus 344 Millionen wird rechnerisch das 7,3-Fache

Für einen früheren Planungsstand wurde 2019 ein Kostenrahmen von 344 Millionen Euro genannt. Die heute diskutierten 2,5 Milliarden Euro entsprechen rechnerisch rund dem 7,3-Fachen dieses Betrags. Bei vollständiger Ausschöpfung läge die Differenz bei 2,156 Milliarden Euro. Grundlage dieser eigenen Berechnung sind die von rbb24 veröffentlichten Zahlen.

Der Vergleich beschreibt einen erheblichen Sprung. Er beweist allerdings nicht, dass eine unveränderte Bauleistung um diesen Faktor teurer geworden ist. Zwischen den Planungsständen haben sich Umfang und Anforderungen verändert.

Eine nachvollziehbare Kostenkontrolle müsste deshalb zeigen, welcher Anteil auf zusätzliche Leistungen entfällt, welcher auf gestiegene Baupreise und welcher auf andere Veränderungen. Der Gesamtbetrag allein beantwortet diese Fragen nicht.

Warum der Standort erheblich größer werden soll

Nach den von rbb24 veröffentlichten Angaben der Bundesanstalt soll der Standort statt ursprünglich 304.000 Quadratmetern nun 570.000 Quadratmeter umfassen. Das entspricht einer Erweiterung von 30,4 auf 57 Hektar.

Die Behörde begründete den höheren Flächenbedarf unter anderem mit größeren Flugzeugen, einer erweiterten Flotte, zusätzlicher technischer Infrastruktur und veränderten Bauvorschriften.

Hinzu kommt die geplante Verlegung der Flugbereitschaft von Köln/Bonn nach Berlin. Nach den gegenüber t-online erläuterten Behördenangaben werden dafür weitere Hangars, Stellplätze und Gebäude für Personal benötigt. Die Zusammenführung soll auch verhindern, dass Flugzeuge für Regierungsreisen eigens aus Köln nach Berlin einfliegen müssen.

Damit geht es um wesentlich mehr als einen Anbau für Staatsgäste. Die aktuelle Planung umfasst laut Berichterstattung über das Schwarzbuch unter anderem Stabs-, Wach- und Betriebsgebäude, Hangars, Rollwege, eine Unterflurbetankungsanlage sowie 26 Abstellpositionen für Luftfahrzeuge.

Der Verzicht auf einen Terminalneubau beendete den Ausbau nicht

Ein Regierungsterminal ist am BER bereits in Betrieb. Das zunächst als Übergangslösung vorgesehene Abfertigungsgebäude soll dauerhaft genutzt werden. Auf den geplanten repräsentativen Neubau wurde verzichtet; die übrige Infrastruktur für den künftigen Standort soll dennoch entstehen.

Genau hier setzt die Kritik des Steuerzahlerbunds an: Der Verband verlangt, den Ausbau am funktionalen Bedarf auszurichten, und fordert eine Begrenzung des Vorhabens. Seine Bewertung ist dabei von den dokumentierten Kostenangaben zu unterscheiden. Das Schwarzbuch ist eine Veröffentlichung eines Interessenverbands, keine amtliche Feststellung, dass der gesamte geplante Betrag verschwendet wäre.

Ebenso wenig belegen zusätzliche Anforderungen für sich genommen, dass jede vorgesehene Ausgabe wirtschaftlich gerechtfertigt ist. Dafür braucht es eine nachvollziehbare Aufstellung der Leistungen, Kosten und geprüften Alternativen.

Projektunterlagen sollen bis 2028 konkreter werden

Nach dem aktuellen Bericht von t-online über die Schwarzbuch-Recherche sollen die finalen Projektunterlagen bis 2028 weiter konkretisiert werden. Als spätester Fertigstellungstermin wird dort 2038 genannt.

Bis dahin bleibt insbesondere offen, wie sich der Milliardenrahmen auf einzelne Bauabschnitte verteilt und welche Einsparungen die Zusammenführung der Flugbereitschaft erwarten lässt. Auch die Abgrenzung zwischen notwendiger Infrastruktur und darüber hinausgehenden Ausbauwünschen muss überprüfbar werden.

Die nächsten konkretisierten Unterlagen werden deshalb zeigen müssen, welche Leistungen der Bund für welchen Betrag plant und wie er verhindern will, dass aus der genannten Kostenobergrenze eine weitere Zwischenstation wird.

Quellen und Transparenz

Der Beitrag beruht auf der aktuellen Mitteilung des Bundes der Steuerzahler sowie Berichten von rbb24 und t-online mit Behördenauskünften und Angaben aus dem Schwarzbuch. Eine eigene aktuelle Stellungnahme der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben liegt nicht vor. Die Berechnungen vergleichen nominale Beträge unterschiedlicher Planungsstände.

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