Hackerangriffe: Edeka-, Rewe- und CAP-Märkte betroffen

Hackerangriffe: Edeka-, Rewe- und CAP-Märkte betroffen
Nach manipulierten Einstellungen der Kühlanlagen mussten mehrere Supermärkte Lebensmittel entsorgen. Symbolbild, KI-generierte Illustration.

Hackerangriffe auf Kühlanlagen: Diese deutschen Supermärkte sind betroffen

Manipulierte Kühlanlagen, verdorbene Lebensmittel und leergeräumte Regale: Auch Edeka-, Rewe- und CAP-Märkte in Deutschland melden Cyberangriffe. Welche Standorte bekannt sind und was über die europaweiten Vorfälle bislang feststeht.

Stand: 3. November 2026

Die Serie von Cyberangriffen auf Supermarkt-Kühlanlagen hat auch Deutschland erreicht. Betroffen sind unter anderem ein Edeka-Markt im niederbayerischen Reisbach, ein Rewe-Markt in Raesfeld sowie zwei CAP-Märkte in Nordrhein-Westfalen. Angreifer veränderten aus der Ferne die Einstellungen der Kühltechnik. Lebensmittel mussten entsorgt werden. Wer hinter den Attacken steckt, ist bislang unbekannt.

Edeka in Reisbach: Kühltechnik auf „50 Grad Heizen“ gestellt

Im Edeka-Markt Ernst in Reisbach wurden die Kühlanlagen nach Angaben des Betreibers in der Nacht zum Montag auf „50 Grad Heizen“ umgestellt. Das bestätigte der Markt dem Bayerischen Rundfunk. Die Angabe beschreibt die manipulierte Einstellung der Anlage; welche Temperaturen einzelne Lebensmittel tatsächlich erreichten, geht daraus nicht hervor.

Ein großer Teil der Kühlware musste weggeworfen werden. Nach Darstellung des Betreibers holte eine Foodsharing-Initiative kurzfristig Lebensmittel ab, die noch gerettet werden konnten. Für Dienstag war angekündigt, die Regale wieder mit frischer Ware zu bestücken.

Die Kriminalpolizei Landshut ermittelt nach dem Vorfall wegen des Verdachts des Ausspähens von Daten und der Datenveränderung. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Niederbayern sollen sich die Ermittler auch mit Behörden in anderen Ländern abstimmen.

Im bereitgestellten Bericht von t-online wird ein weiterer mutmaßlicher Fall in einem Edeka-Markt in Lilienthal bei Bremen genannt. Dort sollen Lebensmittel im Wert von 34.000 Euro entsorgt worden sein. Diese Angaben, die auf einen Bericht des Weser-Kuriers zurückgehen, konnten für diesen Beitrag nicht anhand einer direkt zugänglichen Originalmitteilung überprüft werden.

Rewe in Raesfeld bestätigt betroffen

Auch ein Rewe-Markt in Raesfeld im Münsterland wurde angegriffen. Die Rewe-Zentrale bestätigte den Cyberangriff gegenüber dem WDR. Nach ihrer Darstellung richtete er sich gegen Technik des Kühlsysteme-Anbieters Danfoss.

Damit ist allerdings nicht belegt, dass die zentrale Unternehmens-IT des Herstellers kompromittiert wurde. Der genaue technische Zugangsweg bleibt in den ausgewerteten Berichten offen.

Laut Rewe nutzen nur wenige regionale Filialen die betreffende Technik. Weitere Märkte der Rewe-Gruppe seien nicht betroffen, teilte das Unternehmen dem WDR mit. In Raesfeld waren die Kühlregale demnach bereits am Montagnachmittag wieder bestückt und in Betrieb.

CAP-Märkte in Wuppertal und Wetter-Volmarstein

In Nordrhein-Westfalen meldeten außerdem CAP-Supermärkte in Wuppertal und Wetter-Volmarstein Vorfälle. Der Wuppertaler Markt erklärte auf Facebook, ein externer Zugriff habe dazu geführt, dass Kühl- und Tiefkühlanlagen zu warm geworden seien. Betroffene Waren mussten entsorgt werden.

Für den von der Arbeiterwohlfahrt betriebenen Markt in Wetter-Volmarstein bestätigte Bereichsleiterin Sandra Salten den Angriff gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Dort waren neben Kühlregalen auch Lagerbereiche betroffen. Nach ihrer Darstellung erfolgte der Angriff über die Firma, die die Anlagen aus der Ferne wartet.

Am Dienstagnachmittag wurden weitere Fälle aus der Westpfalz bekannt. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Westpfalz waren ein Supermarkt und ein lebensmittelverarbeitender Betrieb in den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel betroffen. Die Ermittler prüfen einen Zusammenhang mit ähnlichen Angriffen in Frankreich. Namen der Unternehmen wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Ähnliche Attacken in mehreren europäischen Ländern

Auch aus Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden wurden Angriffe oder entsprechende Untersuchungen gemeldet. Bereits im Oktober waren in Frankreich Hunderte Supermarktfilialen von manipulierten Kühlanlagen betroffen.

Eine belastbare Gesamtzahl für die jüngste Angriffswelle liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Die französischen Oktoberfälle und die nun gemeldeten Vorfälle sollten deshalb nicht ohne zeitliche Unterscheidung zusammengerechnet werden.

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen wertete die Attacken als bewussten Versuch, die Lebensmittelkette zu stören und das Vertrauen der Verbraucher zu untergraben. Das ist eine Bewertung der Vorfälle, kein Ermittlungsergebnis zu Tätern oder Motiv. Nach seiner Einschätzung ist die Lebensmittelsicherheit in Europa derzeit nicht gefährdet.

Was über Täter und Ausmaß offenbleibt

Die bekannten Fälle betreffen einzelne Märkte. Daraus lässt sich keine flächendeckende Betroffenheit der genannten Handelsketten ableiten. Ebenso wenig belegen die bisherigen Meldungen einen allgemeinen Ausfall der Lebensmittelversorgung.

Ungeklärt sind die Identität der Angreifer, der vollständige technische Ablauf und die Frage, welche Vorfälle zusammengehören. Auch eine abschließende Schadenssumme für Deutschland steht aus.

Quellen und Transparenz

  • Bayerischer Rundfunk, 3. November 2026: „Auch Supermarkt in Niederbayern von Cyberangriff betroffen“. Redaktioneller Bericht mit direkter Bestätigung durch den betroffenen Markt. Originalbericht.
  • WDR, 2./3. November 2026: „Cyberangriffe auf Supermärkte: Auch NRW betroffen“. Redaktionelle Recherche mit Stellungnahmen von Rewe und beteiligten Betreibern. Originalbericht
  • Tagesschau, 3. November 2026: „Cyberangriffe auf Kühlanlagen deutscher Supermärkte“. Überblick zu deutschen Fällen, Ermittlungen und europäischer Einordnung. Originalbericht
  • n-tv/dpa, 3. November 2026: „Cyberangriffe auf Kühlanlagen in zwei Betrieben in der Pfalz“. Agenturbericht unter Berufung auf das Polizeipräsidium Westpfalz. Originalbericht
  • t-online: „Angriff auf deutsche Supermärkte: Filialen von Edeka und Rewe betroffen“. Bereitgestelltes Ausgangsmaterial; die verlinkte Seite war beim Abruf nicht zugänglich. Der Fall Lilienthal ist deshalb ausdrücklich als Angabe dieses Materials gekennzeichnet. Ausgangsquelle.

Die Originalmitteilungen der Ermittlungsbehörden und eine unmittelbar abrufbare Stellungnahme der EU-Kommission lagen für diesen Beitrag nicht vor. Entsprechende Angaben sind den genannten Medienberichten zugeordnet.

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