Erster Flug übers Meer: Junge Vögel finden dasselbe Ziel
Junge Seevögel fliegen erstmals los und finden dasselbe Ziel
GPS-Daten zeigen, wie junge Sturmtaucher auf ihrem ersten Zug die Salomonensee erreichen. Das Gebiet könnte für ihren Schutz wichtiger sein als bisher angenommen. Doch ausgefallene Sender hinterlassen Lücken.
Stand: 6. November 2026
Junge Sturmtaucher von der australischen Lord-Howe-Insel steuern auf ihrem ersten Zug ein gemeinsames Meeresgebiet an: die Salomonensee. Darauf weisen GPS-Aufzeichnungen aus zwei Untersuchungsjahren hin. Forschende um Jennifer L. Lavers beschreiben die Region im Fachjournal „Animal Biotelemetry“ als bislang unerkanntes, möglicherweise wichtiges Zwischenziel für die Jungvögel.
Die Studie erschien am 13. August 2026. Ein am 2. November bei der British Ornithologists’ Union veröffentlichter Bericht des Forschungsteams greift die Ergebnisse und die Schwierigkeiten der Untersuchung erneut auf.
Mit kleinen Sendern auf die erste Reise
Für die Untersuchung stattete das Team 2022 und 2024 jeweils 15 junge Sturmtaucher der Art Ardenna carneipes kurz vor dem Ausfliegen mit solarbetriebenen GPS-Sendern aus. Die Geräte wurden an Schwanzfedern befestigt und sollten stündlich die Position erfassen.
Die ausgewerteten Daten zeigen eine schnelle Bewegung nach Norden: Innerhalb der ersten beiden Wochen legten die Jungvögel durchschnittlich rund 1.000 Kilometer zurück. Bis zur dritten Woche führten die aufgezeichneten Routen in die Salomonensee. Dort bewegten sich die Tiere in den folgenden Wochen über kürzere Strecken in Ost-West-Richtung.
Nach Darstellung des Adrift Lab verlassen die Jungvögel ihre Insel ohne vorherige Erfahrung auf dem offenen Ozean. Sie müssen nun selbst Nahrung finden. Wie sie sich auf dieser ersten Reise orientieren, erklärt die Untersuchung nicht.
Ein Rastgebiet, das im Vogelschutz leicht übersehen wird
Das Forschungsteam verweist auf die besonderen Bedingungen der Salomonensee. Strömungen transportieren Nährstoffe aus tieferen Wasserschichten nach oben und begünstigen damit die Nahrungsgrundlage des Gebiets.
Die Forschenden sehen deshalb Anlass, die Region bei der Planung von Schutzmaßnahmen genauer zu berücksichtigen. Bisherige Meeresschutzgebiete seien dort vor allem klein und küstennah. Die von den Vögeln genutzten offenen Meeresflächen würden dadurch kaum erfasst.
Ein verstummter Sender verrät nicht, ob ein Vogel lebt
Die Aufzeichnungen haben allerdings erhebliche Lücken. Nach Angaben des Adrift Lab verstummte 2022 fast ein Drittel der Sender innerhalb der ersten beiden Wochen. Weitere Geräte waren bereits vor dem Abflug defekt. Auch Bewegungsdaten, die Hinweise auf den Tod eines Vogels liefern sollten, kamen wegen eines technischen Fehlers nicht zuverlässig an.
Damit bleibt bei mehreren Tieren offen, ob lediglich die Technik ausfiel oder der Vogel starb. Die Ergebnisse erlauben keine gesicherte Aussage, dass sämtliche 30 ausgestatteten Jungvögel die Salomonensee erreichten.
Für den zweiten Untersuchungsjahrgang setzte das Team Sender mit deutlich größerer Batteriekapazität ein. Die verbleibende Forschungsfrage reicht über die Flugroute hinaus: Wie viele Jungvögel überleben die erste Reise, und welche Bedingungen finden sie an ihrem Zwischenziel vor?
Quellen und Transparenz
- Originalstudie: Jennifer L. Lavers und Mitautoren, „Post-fledging migration of Sable Shearwaters (Ardenna carneipes) identifies the Solomon Sea as a potential conservation priority“, Animal Biotelemetry, 13. August 2026. Stichprobe: 30 mit Sendern ausgestattete Jungvögel, Untersuchungsjahre 2022 und 2024. Der Verlag kennzeichnet die Fassung als begutachtete, angenommene Vorabveröffentlichung. Originalstudie.
- Bericht des Forschungsteams: Adrift Lab, „Fledgling shearwaters, failed tags, and a hidden hotspot: what we learned in the Solomon Sea“, 25. August 2026. Erläuterungen zu Flugrouten und Geräteausfällen. Adrift Lab
- Aktueller Veröffentlichungsanlass: British Ornithologists’ Union, gleichnamiger Gastbeitrag des Adrift Lab, 2. November 2026. Keine unabhängige zweite Untersuchung. BOU-Beitrag.
- Methodische Grenzen: Kleine Stichprobe aus einer einzigen Brutkolonie; technische Ausfälle verhindern vollständige Aussagen über Ankunft und Überleben aller ausgestatteten Tiere.
- Beitrag als Datei: junge-sturmtaucher-salomonensee.md
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