Krakau: Sechs Tote bei Schüssen, Deutscher verletzt
Schüsse in Krakau: Sechs Tote, auch deutscher Staatsangehöriger verletzt
Ein 24-Jähriger soll in der Krakauer Altstadt sechs Menschen erschossen haben. Unter den Verletzten ist ein deutscher Staatsangehöriger. Im Wohnhaus des Verdächtigen fanden Einsatzkräfte drei weitere Tote.
Stand: 8. November 2026
Bei dem Schusswaffenangriff im Zentrum von Krakau sind am Samstag, dem 7. November, vier Frauen und zwei Männer getötet worden. Auch ein deutscher Staatsangehöriger wurde verletzt. Das bestätigte ein Sprecher des polnischen Innenministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Angaben zu dessen Identität und Gesundheitszustand wurden zunächst nicht bekannt.
Die Verletztenzahlen unterscheiden sich je nach Veröffentlichungsstand: Die Stadt Krakau meldete zunächst 15 Verletzte. Die polnische Regierung nannte am Samstagabend 16 einschließlich des Angreifers, Reuters berichtete später von 17 einschließlich zweier Polizisten und des Verdächtigen.
Angreifer schoss aus einem Auto
Nach Angaben der Stadt begann der Angriff kurz nach 15 Uhr im Bereich der Sławkowska-Straße und des Hauptmarktes, des Rynek Główny. Der Mann soll aus einem fahrenden Auto auf Menschen geschossen haben.
Auch eine Straßenbahn der Linie 1 wurde am Plac Wszystkich Świętych beschossen. Dabei ging nach Angaben des städtischen Verkehrsbetriebs eine Scheibe der Fahrerkabine zu Bruch. Fahrgäste und Fahrer blieben unverletzt.
Polizisten stoppten den Angreifer im Bereich der Kreuzung Dietla und Stradomska. Er wurde angeschossen, festgenommen und ins Krankenhaus gebracht. Laut Polizei handelt es sich um einen 24-jährigen polnischen Staatsangehörigen, der zuvor nicht polizeilich aufgefallen war und eine Waffenerlaubnis besaß.
Die Zeitung „Fakt“ identifizierte den Verdächtigen unter Berufung auf Staatsanwalt Tomasz Waszczuk als Michał O. Die Staatsanwaltschaft untersuchte demnach auch, woher seine Waffen stammten.
Drei weitere Tote im Wohnhaus gefunden
Im Wohnhaus des Verdächtigen wurden zwei Frauen und ein Mann tot aufgefunden. Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, vieles deute darauf hin, dass sie zum engsten Familienkreis des Angreifers gehörten.
Polnische Medien berichteten, es handele sich um dessen Eltern und Schwester. Die ausgewertete Regierungsmitteilung bestätigte diese genaue Zuordnung noch nicht. Auch die Umstände ihres Todes waren darin nicht abschließend geklärt.
Die drei Toten wurden an einem anderen Ort entdeckt. Sie sind deshalb getrennt von den sechs Todesopfern des Angriffs in der Krakauer Innenstadt auszuweisen.
Ermittler prüfen rechtsextremen Hintergrund
Innenminister Marcin Kierwiński erklärte, die bisherigen Erkenntnisse deuteten auf eine Faszination des Verdächtigen für rechtsextreme Ideologien hin. Der mögliche ideologische Hintergrund ist Gegenstand der Ermittlungen.
Tusk bezeichnete die Tat als Terrorismus. Ein abschließend geklärtes Motiv ergibt sich aus den ausgewerteten Behördenangaben bislang nicht.
Berichte über eine Zugehörigkeit des Verdächtigen zur Armee wies Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz zurück. Nach seiner Darstellung war der Mann weder früher noch zum Tatzeitpunkt Soldat der polnischen Streitkräfte.
Zwei Polizisten schwer verletzt
Bei der Konfrontation mit dem Angreifer erlitten zwei Polizisten schwere Verletzungen. Polizeichef Marek Boroń erklärte am Samstagabend, beide seien operiert worden.
Nach seiner Darstellung ging die erste Meldung um 15.00 Uhr und 15 Sekunden ein. Um 15.03 Uhr kam es bereits zum Schusswechsel zwischen Beamten und Angreifer. Tusk würdigte den Einsatz der Polizisten und die Hilfe von Rettungskräften sowie Menschen, die Verletzte versorgten.
Für den 8. und 9. November wurde in Polen Staatstrauer angeordnet. Die Ermittlungen zum Ablauf und zur Vorbereitung der Tat dauern an.
Quellen und Transparenz
- Stadt Krakau, 7. November 2026, Behördenmitteilung: „Strzały w centrum Krakowa. Są zabici i ranni“. Angaben zu Tatorten, Straßenbahn, Festnahme und erstem Opferstand.
- Kanzlei des polnischen Ministerpräsidenten, 7. November 2026, Regierungsmitteilung: Erklärung nach der Lagebesprechung in Krakau. Angaben zu Verletzten, Polizeieinsatz, Leichenfund und Staatstrauer.
- Reuters, 7. November 2026, aktualisierter Agenturbericht: „Poland in shock after six die in Krakow mass shooting“. Bestätigung eines verletzten deutschen Staatsangehörigen unter Berufung auf das Innenministerium; spätere Verletztenzahl und Angaben zum möglichen ideologischen Hintergrund.
- Fakt, 7. November 2026, Medienbericht mit Staatsanwaltschaftsangaben: „Co wiemy o 24-letnim Michale O.?“. Identifizierung des Verdächtigen und Dementi einer Militärzugehörigkeit.
- TVP3 Kielce, 7. November 2026, Medienbericht: „Zamachowiec z Ostrowca Świętokrzyskiego. Co wiadomo o 24-latku?“. Die Zuordnung der drei weiteren Toten als Eltern und Schwester wird dort als inoffiziell bezeichnet.
Die Angaben bilden unterschiedliche Meldestände ab. Die Identität der drei im Wohnhaus gefundenen Toten und das Tatmotiv werden deshalb nicht als abschließend geklärt dargestellt.
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