PKS 2025: Schwere Gewalt steigt

PKS 2025: Schwere Gewalt steigt
Systembild: Polizeiliche Kriminalstatistik vorgestellt © Presse.Online

PKS 2025: Schwere Gewalt nimmt zu was das für Sicherheit, Migration und Politik bedeutet

Deutschlands neue Kriminalstatistik zeigt ein widersprüchliches Bild: Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten sinkt, doch bei besonders schweren Delikten geht die Entwicklung nach oben. Das betrifft die Sicherheitsdebatte unmittelbar und verschärft den Druck auf Innenpolitik, Kommunen und Migrationssteuerung.

Weniger Straftaten insgesamt aber mehr schwere Gewalt

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums zur PKS 2025 ist die Zahl der registrierten Straftaten insgesamt um 5,6 Prozent gesunken. Auch die Gewaltkriminalität ging demnach leicht um 2,3 Prozent zurück. Gleichzeitig stiegen aber einzelne Deliktsfelder, die für das Sicherheitsgefühl besonders relevant sind: Mord und Totschlag legten um 6,5 Prozent zu, schwere Sexualstraftaten um 8,5 Prozent. Zudem wurden über 29.000 Messerdelikte erfasst. Das BMI selbst spricht von weiterhin hohen Zahlen bei nichtdeutschen Tatverdächtigen.

Die scheinbar positive Entwicklung bei den Gesamtzahlen muss allerdings eingeordnet werden. Ein Teil des Rückgangs hängt mit der Teillegalisierung von Cannabis zusammen, weil bestimmte Drogendelikte seitdem statistisch anders ins Gewicht fallen. Die Sicherheitslage verbessert sich also nicht automatisch in dem Maß, wie es die Gesamtsumme zunächst nahelegt.

Was die PKS bei nichtdeutschen Tatverdächtigen zeigt und was nicht

Ein zentraler Streitpunkt der Debatte ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger. Laut dem aktualisierten Interview des Mediendiensts Integration zur PKS 2025 lagen 35,5 Prozent der Tatverdächtigen ohne ausländerrechtliche Verstöße in der Kategorie „Ausländer“. Kriminologin Prof. Dr. Gina Wollinger, Professorin für Kriminologie und Soziologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW, betont aber, dass einfache Vergleiche mit dem Bevölkerungsanteil methodisch zu kurz greifen: In die PKS fließen auch Personen ohne Wohnsitz in Deutschland ein, etwa Touristen oder Menschen, die nur vorübergehend im Land sind.

Wollinger verweist zugleich auf die Tatverdächtigenbelastungszahl: 2025 seien demnach 4.788 von 100.000 Ausländern und 1.813 von 100.000 Deutschen einer Straftat verdächtigt worden also im Schnitt 2,6-mal so häufig, nicht pauschal viermal. Für pauschale Zuspitzungen ist das wichtig. Denn die PKS erfasst Tatverdächtige, nicht Verurteilte, und sie bildet nur das Hellfeld ab. Das BKA weist zudem grundsätzlich darauf hin, dass für nichtdeutsche Tatverdächtige keine allgemeine TVBZ wie für Deutsche berechnet werden kann, weil bestimmte Gruppen in der Bevölkerungsstatistik nicht vollständig erfasst sind.

Zwei Perspektiven auf dieselben Zahlen

Aus Sicht der Sicherheitsbehörden verschärft sich der Handlungsdruck. Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister, stellte die PKS 2025 gemeinsam mit Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, am 20. April 2026 in Berlin vor. Schon der Titel der BMI-Mitteilung macht die Stoßrichtung deutlich: Rückgang der Gewaltkriminalität insgesamt, aber Anstieg bei tatverdächtigen Kindern und weiter hohe Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger.

Die kriminologische Perspektive fällt differenzierter aus. Prof. Dr. Gina Wollinger erklärt, Überrepräsentation bedeute nicht automatisch, dass „Herkunft“ die Ursache sei. Entscheidend seien eher Faktoren wie Armut, Bildungsteilhabe, Wohn- und Lebensverhältnisse, Gewalterfahrungen und Kontrollintensität. Genau dort liegt die strukturelle Ebene, die politische Debatten oft auslassen.

Migration, Afghanistan und der politische Widerspruch

Die Zuspitzung, die Merz-Regierung „fliege weiter Afghanen ein“, trägt in dieser Form nach aktuellem Stand nicht. Offiziell wurden die freiwilligen Aufnahmeprogramme für gefährdete Afghaninnen und Afghanen im November 2025 beendet. Laut Regierungspressekonferenz vom 4. Februar 2026 befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch rund 350 Personen mit gültiger Aufnahmeerklärung oder Zusage im Verfahren; zugleich wurden die Aufnahmeerklärungen von rund 750 Personen aus anderen Programmen bereits Anfang Dezember 2025 aufgehoben.

Politisch brisant bleibt das Thema trotzdem. Denn es zeigt den Konflikt zwischen Sicherheitsversprechen, rechtsstaatlicher Bindung an Altzusagen und dem Druck, Migration stärker zu steuern. Genau dieser Widerspruch dürfte die Debatte nach der PKS 2025 antreiben.

Warum das jetzt besonders relevant ist

Die PKS 2025 ist nicht deshalb brisant, weil die Gesamtkriminalität explodiert wäre. Sie ist brisant, weil schwere Gewalttaten und Sexualdelikte zunehmen, obwohl die Gesamtzahl sinkt. Das verändert die politische Prioritätensetzung: weniger abstrakte Debatte über Summen, mehr Druck bei Prävention, Strafverfolgung, Jugendgewalt, Messerkriminalität und Integrationspolitik.

Entscheidend ist jetzt, ob die Politik den Befund sauber liest: Wer nur auf die sinkende Gesamtsumme verweist, verharmlost die Entwicklung in besonders schweren Delikten. Wer die Statistik allein ethnisch deutet, verkürzt die Ursachen. Politisch entscheidet sich nun, ob aus der PKS vor allem Symbolpolitik oder tatsächlich wirksame Sicherheits- und Integrationspolitik folgt.

Was das konkret bedeutet

  • Für Bürger: Das Sicherheitsgefühl dürfte stärker von Messer-, Tötungs- und Sexualdelikten geprägt werden als von sinkenden Gesamtzahlen.
  • Für Kommunen: Mehr Druck auf Polizei, Jugendhilfe, Gewaltprävention und Brennpunktarbeit.
  • Für Beschäftigte im öffentlichen Dienst: Schulen, Sozialarbeit und Justiz werden stärker als Teil der Sicherheitsarchitektur sichtbar.
  • Für die Politik: Innen- und Migrationspolitik lassen sich nach dieser PKS nicht mehr getrennt debattieren.
  • Für die öffentliche Debatte: Pauschale Aussagen über „Ausländerkriminalität“ bleiben politisch wirksam, sind analytisch aber oft zu grob.

Fazit & Ausblick

Die PKS 2025 liefert kein simples Bild von „mehr“ oder „weniger“ Kriminalität. Sie zeigt einen Rückgang bei der Gesamtkriminalität und zugleich einen Anstieg bei Delikten, die gesellschaftlich besonders folgenreich sind. Genau deshalb wird die Statistik für die Innenpolitik zum Stresstest: Beobachtet werden muss nun, ob die Bundesregierung bei Prävention, Kontrolle, Strafverfolgung und Migrationssteuerung konkrete, überprüfbare Maßnahmen nachlegt.

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FAQ

Was ist die wichtigste Aussage der PKS 2025?

Die Gesamtzahl der Straftaten sinkt, aber schwere Delikte wie Mord, Totschlag und schwere Sexualstraftaten steigen.

Sind Ausländer laut PKS 2025 viermal so oft tatverdächtig?

Pauschal so nicht. Nach aktueller Einordnung zur PKS 2025 liegt die Belastung insgesamt bei etwa 2,6-mal, nicht viermal.

Misst die PKS Täter oder Tatverdächtige?

Die PKS erfasst Tatverdächtige, nicht verurteilte Täter. Außerdem bildet sie nur das Hellfeld ab, also polizeibekannte Fälle.

Fliegt die Merz-Regierung weiter Afghanen ein?

Die freiwilligen Programme wurden Ende 2025 beendet. Offen sind vor allem Altzusagen und laufende Verfahren.

Warum ist die PKS politisch so brisant?

Weil sie sinkende Gesamtzahlen mit steigender schwerer Gewalt verbindet und damit Druck auf Sicherheits- und Migrationspolitik zugleich erzeugt.

Quellenliste ohne Links

  • Bundesministerium des Innern, Pressemitteilung zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2025, 20. April 2026
  • Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 / PKS-Portal
  • Bundesregierung, Regierungspressekonferenz vom 4. Februar 2026
  • Auswärtiges Amt, Regierungspressekonferenzen zu Afghanistan-Aufnahmeverfahren, 2025
  • Mediendienst Integration, „Die wichtigsten Fragen zur Ausländerkriminalität“, Stand 20. April 2026
  • Mediendienst Integration, „Messerkriminalität“, Stand 14. April 2026

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