Galeria kämpft um Kredit und Filialen
Galeria ringt um 160-Millionen-Kredit, 12.000 Jobs betroffen
Galeria benötigt offenbar dringend neue Liquidität. Ein Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro ist noch nicht öffentlich bestätigt. Während Beschäftigte um Standorte und Stellen bangen, wirbt die Warenhauskette mit umfangreichen Preisnachlässen.
Galeria ringt weiter um eine Finanzierung seiner Zukunft. Berichten zufolge verhandelt Deutschlands letzte große Warenhauskette mit dem US-Finanzierer Gordon Brothers über einen Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro. Ein unterschriebener Vertrag oder eine Auszahlung wurden bis zum 18. Juni 2026 jedoch nicht öffentlich bestätigt.
Betroffen sind rund 12.000 Beschäftigte in 83 Warenhäusern. Medien berichten über einen neuen Sanierungsplan, mögliche Filialschließungen und Stellenstreichungen. Welche Standorte tatsächlich betroffen wären, ist derzeit offen. Eine neue Insolvenz hat Galeria bislang nicht bekannt gegeben.
Kunden können derzeit von Sonderangeboten profitieren. Die offizielle Galeria-Aktionsseite nennt unter anderem Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent auf ausgewählte Artikel sowie bis zum 30. Juni 2026 einen Online-Rabatt von 20 Euro ab 100 Euro Einkaufswert.
Das Wichtigste in Kürze
- Entscheidung: Eine endgültige Einigung mit Gordon Brothers ist nicht öffentlich bestätigt. Berichtet wird über einen möglichen Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro.
- Zeitpunkt: Die Gespräche laufen Medienberichten zufolge seit April 2026. Bereits für Anfang Mai war eine Lösung erwartet worden.
- Betroffene: Galeria betreibt 83 Warenhäuser in Deutschland und beschäftigt rund 12.000 Menschen.
- Folge: Ohne neue Finanzierung dürfte sich die angespannte Liquiditätslage weiter verschärfen. Stellenabbau und Filialschließungen gelten als möglich, sind aber nicht abschließend bestätigt.
- Status: Die Finanzierung, ihre genaue Höhe und die Bedingungen bleiben offen. Eine erneute Insolvenz wurde bislang nicht angemeldet.
- Quelle: Die Angaben zum Kredit beruhen vor allem auf Recherchen von Handelsblatt, WirtschaftsWoche und FINANCE. Eine Primärquelle, die den Abschluss bestätigt, liegt nicht vor.
- Zahl: Ein erheblicher Teil des möglichen Kredits könnte zur Ablösung bestehender Finanzierungen eingesetzt werden. Für Investitionen bliebe entsprechend weniger Geld.
- Kunden: Galeria bewirbt aktuell reduzierte Artikel und weitere Aktionen. Bedingungen und Ausnahmen sollten vor dem Kauf geprüft werden.
Kredit soll vor allem bestehende Schulden ablösen
Nach Informationen des Handelsblatts soll Gordon Brothers einen Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro anbieten. Als Sicherheit könnte der Warenbestand von Galeria dienen. Gordon Brothers ist auf vermögensbasierte Finanzierungen, Warenbewertungen und die Verwertung von Beständen spezialisiert.
Das Geld wäre allerdings nur teilweise frei verfügbar. Galeria hatte bereits 2025 einen Kredit über 60 Millionen Euro von Bain Capital erhalten. Im April 2026 kam eine weitere Überbrückungsfinanzierung von zehn Millionen Euro hinzu. Geschäftsführer Tilo Hellenbock bestätigte damals gegenüber dem Handelsblatt „harte Schwankungen“ der Liquidität.
Berichten zufolge müssten mit dem neuen Kredit mehr als 80 Millionen Euro bestehender Finanzierungen abgelöst werden. Hinzu kommen mögliche Kosten für die Restrukturierung. Dadurch könnte nur ein begrenzter Betrag für neue Ware, modernisierte Filialen und den Ausbau des Onlinegeschäfts verbleiben.
Filialen und Arbeitsplätze stehen auf dem Prüfstand
Medien berichten, dass die Finanzierung an einen mehrjährigen Sanierungsplan geknüpft werden könnte. Dabei sollen Mietverträge neu verhandelt, Kosten reduziert und unrentable Standorte überprüft werden. Mehr als 30 Warenhäuser könnten demnach gefährdet sein. Offiziell bestätigt ist diese Zahl nicht.
Schon vor den aktuellen Kreditgesprächen standen acht Standorte besonders im Fokus, darunter Häuser am Berliner Kurfürstendamm und Hermannplatz sowie Filialen in München, Köln, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Ob einzelne Vermieter noch einmal zu niedrigeren oder stärker umsatzabhängigen Mieten bereit sind, ist unklar.
Galeria erklärte zu den Berichten lediglich, sich in einem konstruktiven und vertraulichen Austausch mit den relevanten Beteiligten zu befinden. Konkrete Angaben zum Finanzierungsstand, zu Schließungen oder zum Stellenabbau machte das Unternehmen nicht.
Der in einzelnen Medien verwendete Begriff „Leichenfledderei“ ist eine zugespitzte, anonym aus der Branche wiedergegebene Wertung. Er beschreibt weder einen bestätigten Vorgang noch einen rechtlichen Tatbestand und sollte daher nicht als Tatsachenbehauptung übernommen werden.
Rabatte bringen Geld verringern aber die Kreditsicherheit
Galeria hatte im Mai eine ungewöhnlich breite Aktion mit 25 Prozent Rabatt auf nahezu das gesamte Sortiment gestartet. Ziel solcher Aktionen ist es, Lagerbestände schneller in Liquidität umzuwandeln. Zugleich sinkt damit der Wert des Warenbestands, der bei einer vermögensbasierten Finanzierung als Kreditsicherheit dienen kann.
Auf der offiziellen Aktionsseite wird die frühere 25-Prozent-Aktion am 18. Juni nicht mehr aufgeführt. Aktuell wirbt Galeria mit bis zu 50 Prozent Preisnachlass auf ausgewählte Waren, 30 Prozent auf ausgewählte Schmuckstücke und dem Onlinecode „Sommer20“. Dieser reduziert den Preis bis zum 30. Juni um 20 Euro, sofern der Einkaufswert mindestens 100 Euro beträgt und die jeweiligen Bedingungen erfüllt sind.
Für Kunden können sich damit günstige Kaufgelegenheiten ergeben. Die Rabattaktionen sind jedoch kein Beleg für eine unmittelbar bevorstehende Insolvenz. Sie zeigen vor allem, dass Galeria Warenbestände abbauen und kurzfristig Liquidität gewinnen will.
Das Wichtigste für Kunden
Preisnachlässe sollten mit Angeboten anderer Händler verglichen werden. Gutscheine und Guthaben können derzeit weiterhin nach den geltenden Bedingungen verwendet werden. Sollte später tatsächlich ein Insolvenzverfahren eröffnet werden, könnten nicht eingelöste Gutscheine allerdings zu gewöhnlichen Insolvenzforderungen werden. Eine solche Situation besteht aktuell nicht.
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FAQ
Ist Galeria erneut insolvent?
Nein. Bis zum 18. Juni 2026 ist keine neue Insolvenz öffentlich bekannt gegeben worden. Die Berichte betreffen eine angespannte Liquiditätslage und laufende Finanzierungsverhandlungen.
Sind bereits Filialschließungen beschlossen?
Neue Schließungen im Rahmen des aktuellen Sanierungsplans sind nicht abschließend bestätigt. Medien berichten über zahlreiche gefährdete Häuser, doch Galeria hat bislang keine verbindliche Standortliste veröffentlicht.
Gelten die Preisnachlässe auch im Onlineshop?
Das hängt von der jeweiligen Aktion ab. Der Code „Sommer20“ gilt laut Galeria bis zum 30. Juni 2026 online und gewährt unter bestimmten Bedingungen 20 Euro Rabatt ab einem Einkaufswert von 100 Euro.
Sollte ich meinen Galeria-Gutschein jetzt einlösen?
Eine rechtliche Verpflichtung dazu besteht nicht. Wer das wirtschaftliche Risiko möglichst gering halten möchte, kann vorhandenes Guthaben zeitnah verwenden; aktuell sind Galeria-Gutscheine weiterhin erhältlich und einlösbar.
Wann fällt die Entscheidung über den Kredit?
Ein verbindlicher Termin wurde nicht veröffentlicht. Neben Galeria und Gordon Brothers könnten Eigentümer und Warenkreditversicherer der Finanzierung zustimmen müssen.
Quellen
- Galeria: Aktions- und Angebotsseite, abgerufen am 18. Juni 2026 derzeitige Rabatte und Laufzeiten; Primärquelle.
- Gordon Brothers: Unternehmensdarstellung, Geschäftsmodell mit Finanzierung, Bewertung und Verwertung von Vermögenswerten; Primärquelle.
- Handelsblatt: „Warenhauskonzern Galeria ringt um Finanzierung seiner Zukunft“, 9. Juni 2026, Kreditrahmen und Restrukturierungspläne; Sekundärquelle.
- WirtschaftsWoche: „Tag der Entscheidung für Galeria“, 11. Juni 2026, Stand der Kreditverhandlungen und notwendige Zustimmungen; Sekundärquelle.
- WirtschaftsWoche: „Warum Galerias Rabattaktion an Praktikers letzte Tage erinnert“, 26. Mai 2026, Rabattaktion, Warenbestände und Liquiditätslage; Sekundärquelle.
- FINANCE: „Galeria: Neuer Kredit wohl auf der Zielgeraden“, 10. Juni 2026, Finanzierungsverhandlungen; Sekundärquelle.