Gartencenter Augsburg ist insolvent
Hellweg-Krise: Gartencenter Augsburg meldet Insolvenz an
Die Krise der Hellweg-Gruppe weitet sich aus: Nach der Baumarktkette Hellweg hat nun auch Gartencenter Augsburg Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die sieben Märkte in Nordrhein-Westfalen sollen geöffnet bleiben, die Beschäftigten sind vorerst über Insolvenzgeld abgesichert.
Was passiert ist
Die Gartencenter Augsburg GmbH & Co. KG hat am 30. Juni beim zuständigen Amtsgericht die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen gehört seit 2013 zur Hellweg-Gruppe und betreibt sieben Standorte in Nordrhein-Westfalen: Bochum, Castrop-Rauxel, Hagen, Iserlohn, Krefeld, Schwerte und Unna.
Nach Unternehmensangaben läuft der Geschäftsbetrieb weiter. Kundinnen und Kunden sollen die Märkte zunächst wie gewohnt nutzen können. Auch die Geschäftsführung bleibt in der Eigenverwaltung handlungs- und weisungsbefugt. Unterstützt wird sie von Restrukturierungsexperten der Kanzlei Görg.
Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen. Er begleitet bereits die Verfahren von Hellweg und weiteren Gesellschaften aus dem Umfeld der Gruppe. Seine Aufgabe ist es, das Verfahren im Interesse der Gläubigerinnen und Gläubiger zu überwachen.
Als Gründe nennt das Unternehmen eine anhaltend schwierige Marktentwicklung. Dazu zählen gestiegene Einkaufspreise, Kaufzurückhaltung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, höhere Mieten und weitere inflationsbedingte Kostensteigerungen. Diese Faktoren treffen viele Händler, bei Gartencenter Augsburg kommen sie nun in einem ohnehin belasteten Konzernumfeld zusammen.
Warum das relevant ist
Die Insolvenz ist mehr als ein einzelner Unternehmensfall. Gartencenter Augsburg ist das nächste Unternehmen aus dem Umfeld der Hellweg-Gruppe, das in ein gerichtliches Sanierungsverfahren geht. Zuvor hatten bereits Hellweg Die Profi-Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG und die österreichische Hellweg-Gesellschaft Verfahren in Eigenverwaltung beziehungsweise Sanierung eingeleitet.
Für das Ruhrgebiet ist der Fall auch regional relevant. Die betroffenen Märkte liegen in mehreren Städten, viele Kundinnen und Kunden kennen die Kette seit Jahren. Das erste Gartencenter Augsburg wurde nach Unternehmensangaben 1965 in Schwerte eröffnet. Für das Unternehmen ist es nicht die erste Krise: Bereits 2013 gab es ein Insolvenzverfahren. Danach wurde der Betrieb von Hellweg übernommen.
Besonders wichtig ist der Fall für die Beschäftigten. Nach aktuellen Angaben sind rund 360 Mitarbeitende betroffen. Für sie bedeutet das Verfahren zunächst keine automatische Schließung, aber eine Phase erheblicher Unsicherheit. Die Löhne und Gehälter sind nach Unternehmensangaben für die kommenden drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.
Was daraus folgt
Kurzfristig sollen die Standorte geöffnet bleiben. Das ist für Kundinnen und Kunden die wichtigste praktische Folge: Nach aktuellem Stand gibt es keine angekündigte sofortige Schließung der Märkte in Bochum, Castrop-Rauxel, Hagen, Iserlohn, Krefeld, Schwerte und Unna.
Für das Unternehmen beginnt nun die eigentliche Sanierungsarbeit. In der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung formal am Steuer, muss aber unter gerichtlicher Aufsicht und mit den eingesetzten Fachleuten einen Weg aus der Krise finden. Dazu gehört nach Unternehmensangaben ein strukturierter Investorenprozess.
Rechtsanwalt Prof. Dr. Gerrit Hölzle, der das Verfahren mit begleitet, kündigte laut Branchenmeldung an: „Im Rahmen der Eigenverwaltung werden wir umgehend einen strukturierten Investorenprozess einleiten, um die Zukunft des Unternehmens dauerhaft zu sichern.“ Nach Medienberichten soll bis Ende August ein Käufer oder Investor gefunden werden.
Für Lieferanten, Vermieter und Gläubiger wird entscheidend, ob das Unternehmen weiter beliefert wird, Kosten senken kann und ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegt. Für die Beschäftigten ist entscheidend, ob der Geschäftsbetrieb stabil bleibt und ob Standorte langfristig erhalten werden können.
Was noch offen ist
Offen bleibt, wie groß der tatsächliche Sanierungsbedarf ist. Bislang liegen keine detaillierten Angaben dazu vor, welche Verbindlichkeiten bestehen, wie stark einzelne Standorte belastet sind oder welche Kostenstruktur das Unternehmen künftig tragen kann.
Unklar ist auch, ob alle sieben Märkte langfristig erhalten bleiben. Zwar läuft der Betrieb nach aktuellem Stand weiter, doch ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung dient nicht nur der Fortführung, sondern auch der wirtschaftlichen Neuaufstellung. Dabei können Strukturen überprüft und angepasst werden.
Ebenfalls offen ist, wie eng die wirtschaftlichen Probleme von Gartencenter Augsburg mit der Krise der Hellweg-Gruppe verbunden sind. Der WDR berichtet, dass es sich um eine separate Gesellschaft handelt und das Verfahren eigenständig läuft. Zugleich gehört Gartencenter Augsburg seit 2013 zur Hellweg-Gruppe, die selbst unter Druck steht.
Bemerkenswert ist der zeitliche Verlauf: Nach Angaben der Ruhr Nachrichten hatte ein Sprecher der Hellweg-Gruppe am 18. Juni noch erklärt, Gartencenter Augsburg befinde sich nicht in einem Verfahren. Knapp zwei Wochen später folgte der Insolvenzantrag.
Fazit und Ausblick
Die Insolvenz von Gartencenter Augsburg zeigt, wie tief der Druck im Bau- und Gartenhandel inzwischen reicht. Steigende Kosten, schwächere Nachfrage und ein belastetes Konzernumfeld treffen ein Unternehmen, das regional verankert ist und schon einmal durch ein Insolvenzverfahren gehen musste.
Für Kundinnen und Kunden ändert sich zunächst wenig. Für Beschäftigte, Lieferanten und Standorte beginnt jedoch eine entscheidende Phase. Ob die Eigenverwaltung gelingt, hängt nun vor allem davon ab, ob der laufende Betrieb stabil bleibt und der angekündigte Investorenprozess schnell zu einem belastbaren Ergebnis führt.
Faktenüberblick
Thema: Hellweg-Krise und Insolvenz von Gartencenter Augsburg
Ereignis / Entscheidung: Antrag auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung
Datum / Zeitraum: Antrag am 30. Juni 2026; Investorensuche nach Medienberichten bis Ende August
Ort / Region: Nordrhein-Westfalen, vor allem Ruhrgebiet und Niederrhein
Zentrale Akteure: Gartencenter Augsburg GmbH & Co. KG, Hellweg-Gruppe, Amtsgericht, Stefan Denkhaus, Kanzlei BRL, Kanzlei Görg
Betroffene: Rund 360 Beschäftigte, Kundinnen und Kunden, Lieferanten, Vermieter, Gläubiger
Wichtigste Folge: Märkte bleiben zunächst geöffnet, Gehälter sind vorerst über Insolvenzgeld abgesichert
Stand der Informationen: Unternehmensangaben, Branchenmeldungen und Medienberichte vom 1. bis 3. Juli 2026
Konkrete Folgen auf einen Blick
- Für Kundinnen und Kunden bleiben die sieben Märkte nach aktuellem Stand geöffnet.
- Für Beschäftigte sind Löhne und Gehälter zunächst für drei Monate über Insolvenzgeld abgesichert.
- Für Lieferanten und Geschäftspartner beginnt eine Phase erhöhter Unsicherheit.
- Für die Standorte ist noch nicht sicher, ob alle Märkte langfristig erhalten bleiben.
- Für die Hellweg-Gruppe wächst der Sanierungsdruck durch ein weiteres Verfahren.
Offene Punkte im Überblick
- Noch offen ist, ob bis Ende August ein Käufer oder Investor gefunden wird.
- Unklar bleibt bislang, ob alle sieben Standorte dauerhaft weitergeführt werden.
- Nicht veröffentlicht sind nach aktuellem Stand detaillierte Angaben zu Schulden, Kostenstruktur und Sanierungsumfang.
- Weitere Angaben zu möglichen Einschnitten bei Personal, Sortiment oder Mietverträgen liegen bislang nicht vor.
- Eine abschließende Bewertung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens steht noch aus.
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FAQ
Was ist bei Gartencenter Augsburg passiert?
Gartencenter Augsburg hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ziel ist eine wirtschaftliche Neuaufstellung des Unternehmens.
Welche Standorte sind betroffen?
Betroffen sind die Märkte in Bochum, Castrop-Rauxel, Hagen, Iserlohn, Krefeld, Schwerte und Unna.
Bleiben die Märkte geöffnet?
Ja, nach aktuellen Unternehmensangaben läuft der Geschäftsbetrieb weiter. Alle Märkte sollen zunächst geöffnet bleiben.
Was bedeutet die Insolvenz für die Beschäftigten?
Die Löhne und Gehälter sind nach Unternehmensangaben für drei Monate über Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Langfristige Aussagen zur Beschäftigung sind noch nicht möglich.
Gehört Gartencenter Augsburg zu Hellweg?
Ja, Gartencenter Augsburg gehört seit 2013 zur Hellweg-Gruppe. Das Verfahren läuft jedoch als eigenständiges Verfahren der Gartencenter Augsburg GmbH & Co. KG.
Was ist noch offen?
Offen ist vor allem, ob ein Investor gefunden wird, ob alle Standorte erhalten bleiben und wie tief die Sanierung greifen muss.