Kühlungsborn will Tourismus bis 2035 neu ausrichten

Kühlungsborn will Tourismus bis 2035 neu ausrichten
Kühlungsborn will den Tourismus bis 2035 stärker an Qualität, Ganzjährigkeit und der Lebensqualität im Ort ausrichten. © Presse.Online

Kühlungsborn 2035: Qualität statt immer mehr Touristen

KÜHLUNGSBORN. Das Ostseebad Kühlungsborn will seine touristische Entwicklung bis 2035 stärker an Qualität, Ganzjährigkeit und der Lebensqualität der Einwohner ausrichten. Die Stadt und die Tourismus, Freizeit und Kultur GmbH Kühlungsborn stellten die neue Strategie am 17. September 2026 öffentlich vor.

Künftig soll der touristische Erfolg nicht allein an steigenden Gästezahlen gemessen werden. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Verantwortlichen eine höhere Aufenthaltsqualität, eine stärkere wirtschaftliche Wertschöpfung und Angebote, die Kühlungsborn auch außerhalb der klassischen Urlaubssaison attraktiv machen.

Qualität und Lebensqualität sollen zusammengehören

Die strategische Schwerpunktsetzung zeigt sich vor allem im künftigen Erfolgsmaßstab: Nicht allein die Zahl der Gäste, sondern Aufenthaltsqualität, Wertschöpfung und Ganzjährigkeit sollen stärker in den Mittelpunkt rücken.

Die Strategie verbindet dabei die Perspektive der Urlauber ausdrücklich mit den Interessen der Menschen, die in Kühlungsborn leben und arbeiten. Die touristische Entwicklung soll demnach auch Infrastruktur, Kultur, Gastronomie, öffentliche Räume und weitere Angebote im Ort stärken.

Damit rückt zugleich die Akzeptanz des Tourismus in der Bevölkerung stärker in den Fokus. Dieser Ansatz ist für einen stark vom Fremdenverkehr geprägten Ort nachvollziehbar: Angebote für Gäste beanspruchen öffentliche Flächen und Infrastruktur, können diese aber zugleich mitfinanzieren und dauerhaft sichern. Entscheidend wird sein, beide Interessen im Alltag miteinander zu verbinden.

Bürgermeisterin Olivia Arndt beschreibt den Anspruch mit einer weitreichenden Zielsetzung: „Unsere Vision: Kühlungsborn ist die Nummer 1 bei Urlaubsentscheidungen an der Küste.“

Wie diese Position künftig gemessen werden soll, bleibt bislang offen. Die vorliegenden Informationen enthalten weder konkrete Zielwerte zur Gästezufriedenheit und Wertschöpfung noch Kennzahlen zur touristischen Auslastung außerhalb der Hauptsaison.

Sechs Handlungsfelder bilden den strategischen Rahmen

Unter der gemeinsamen Leitidee „Kühlungsborn bewegt.“ definiert die Tourismusstrategie sechs Handlungsfelder:

  1. Qualität und Aufenthaltsqualität
  2. Bewegung, Wellbeing und Naturerlebnis
  3. Kultur, Veranstaltungen und Ganzjährigkeit
  4. Sichtbarkeit, Kommunikation und Marketing
  5. Infrastruktur, MICE und Zukunftsorte
  6. Kooperation und Zusammenarbeit

Der Begriff „MICE“ steht für Tagungen, Kongresse, Geschäftsreisen und Veranstaltungen. Dieser Bereich kann Kühlungsborn dabei helfen, die touristische Nachfrage stärker über das gesamte Jahr zu verteilen und zusätzliche Zielgruppen außerhalb der sommerlichen Hauptsaison anzusprechen. Welche Infrastrukturprojekte oder Veranstaltungsformate dafür konkret vorgesehen sind, geht aus der Mitteilung noch nicht hervor.

Die Leitidee soll verschiedene Seiten des Ostseebades zusammenführen: Bewegung und Erholung, das Naturerlebnis zwischen Ostsee und Stadtwald, Kultur, Begegnung und Gastfreundschaft. Zugleich steht „Kühlungsborn bewegt.“ für den Anspruch des Ortes, sich selbst weiterzuentwickeln.

Damit formuliert die Strategie zunächst einen breiten Rahmen. Ihre tatsächliche Wirkung wird davon abhängen, welche Vorhaben daraus abgeleitet, finanziert und innerhalb welcher Zeiträume umgesetzt werden.

Einwohner und touristische Betriebe waren beteiligt

Der Strategie ging nach Angaben der Stadt und der Tourismusgesellschaft ein mehrstufiger Analyse- und Beteiligungsprozess voraus. Berücksichtigt wurden bestehende Konzepte und Kennzahlen, Gäste- und Einwohnerbefragungen, Expertengespräche, Wettbewerbsanalysen sowie relevante Nachfrage- und Megatrends.

Vertreter aus Tourismus, Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Politik und Verwaltung beteiligten sich an Fach- und Strategieworkshops. Hinzu kam eine offene Werkstatt zur Entwicklung des Baltic-Platzes, bei der Einwohner ihre Perspektiven und Ideen einbringen konnten.

Die Stadt hatte bereits im Mai über die Analysephase und einen Strategieworkshop informiert. Im Juni folgte ein Fachworkshop, im Juli die offene Werkstatt zum Baltic-Platz. Die öffentliche Vorstellung der abgeschlossenen Tourismusstrategie fand schließlich am 17. September in der Aula des Schulzentrums Kühlungsborn statt.

Nach Darstellung der Verantwortlichen stieß die Strategie bei der Veranstaltung auf große Zustimmung. Zahlreiche positive Rückmeldungen bestätigten Stadt und Tourismusgesellschaft nach eigenen Angaben in der eingeschlagenen Richtung. Wie viele Menschen an der Präsentation teilnahmen, wie die Rückmeldungen erfasst wurden und ob auch kritische Einwände vorgebracht wurden, wurde in der vorliegenden Mitteilung nicht beziffert.

Neue Dachkampagne ist das erste größere Vorhaben

Als erstes größeres Projekt wurde die Entwicklung einer neuen touristischen Dachkampagne begonnen. Sie soll die unterschiedlichen Angebote Kühlungsborns unter einer gemeinsamen kommunikativen Idee bündeln und den Ort im Wettbewerb der Küstendestinationen klarer positionieren.

Marianna Just, Geschäftsführerin der Tourismus, Freizeit und Kultur GmbH Kühlungsborn, sieht den eigentlichen Unterschied zu anderen Tourismusstrategien in der späteren Umsetzung. Entscheidend werde sein, „mit welchem Willen und auch mit welchem Mut wir die identifizierten Handlungsfelder tatsächlich bearbeiten“.

Die Geschäftsführerin verweist zugleich darauf, dass Themen wie Qualität, Ganzjährigkeit, Digitalisierung, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Fachkräfte und veränderte Gästeerwartungen viele Tourismusorte beschäftigen. Kühlungsborn müsse deshalb auch bereit sein, vertraute Vorgehensweisen zu überprüfen.

Die Dachkampagne kann die neue Ausrichtung sichtbar machen und Kühlungsborn deutlicher positionieren. Kommunikation allein ersetzt jedoch keine Investitionen in öffentliche Räume, Kulturangebote, Ganzjahresformate, Mobilität oder Tagungsinfrastruktur. Für den Erfolg der Strategie wird deshalb maßgeblich sein, welche konkreten Projekte auf die Kampagne folgen.

Roadmap und Monitoring sollen die Umsetzung begleiten

Als nächste Schritte wollen Stadt und Tourismusgesellschaft die sechs Handlungsfelder in konkrete Prioritäten und Verantwortlichkeiten übersetzen. Eine Roadmap soll den zeitlichen Weg strukturieren, ein kontinuierliches Monitoring die Umsetzung begleiten.

Neben Stadt und Tourismusgesellschaft sollen sich auch Wirtschaft, Kultur, Vereine sowie Einwohnerinnen und Einwohner an der weiteren Entwicklung beteiligen. Die verbindliche Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure ist deshalb als eigenes Handlungsfeld in der Strategie verankert.

Bürgermeisterin Olivia Arndt macht deutlich, dass mit der Präsentation noch kein Endpunkt erreicht sei. Nun müssten Prioritäten festgelegt, Verantwortlichkeiten benannt und auch schwierige Entscheidungen getroffen werden.

Bislang nicht veröffentlicht sind konkrete Termine für die Roadmap, messbare Erfolgskriterien und die voraussichtlichen Kosten der einzelnen Maßnahmen. Ebenso bleibt offen, welche Vorhaben die Stadt selbst finanzieren soll, welche Aufgaben bei der Tourismusgesellschaft liegen und in welchem Umfang private Partner beteiligt werden.

Diese Angaben werden darüber entscheiden, ob aus dem strategischen Rahmen bis 2035 überprüfbare Veränderungen entstehen für Gäste, touristische Betriebe und die Menschen, die dauerhaft in Kühlungsborn leben.

Offene Fragen zur Umsetzung

  • Wann wird die vollständige Tourismusstrategie öffentlich zugänglich gemacht?
  • Welche Maßnahmen erhalten in der angekündigten Roadmap Vorrang?
  • Welche Budgets stellen die Stadt und die Tourismusgesellschaft bereit?
  • An welchen Kennzahlen werden Ganzjährigkeit, Wertschöpfung und Lebensqualität gemessen?
  • Wann sollen erste Ergebnisse des Monitorings veröffentlicht werden?

Quellen und Transparenz

Grundlage dieses Beitrags ist die gemeinsame Pressemitteilung der Stadt Ostseebad Kühlungsborn und der Tourismus, Freizeit und Kultur GmbH Kühlungsborn vom 18. September 2026.

Die Stadt hatte die öffentliche Vorstellung der Tourismusstrategie für den 17. September 2026 angekündigt. Der vorherige Analyse- und Beteiligungsprozess sowie die Unterlagen zum Strategieworkshop werden auf der städtischen Themenseite zur Fortschreibung des Tourismuskonzeptes dokumentiert.

Die Angaben zur positiven Resonanz auf die Präsentation stammen von der Stadt und der Tourismusgesellschaft. Eine vollständige Strategiefassung mit Roadmap, messbaren Zielwerten und Finanzierungsangaben war auf der städtischen Themenseite am 19. September 2026 noch nicht öffentlich verlinkt.

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