Höhbauer insolvent: 325 Beschäftigte betroffen
Traditionsbetrieb Höhbauer insolvent: 325 Jobs hängen an der Sanierung
Der Fenster- und Türenhersteller Höhbauer GmbH aus Luhe-Wildenau in der Oberpfalz hat Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Weiden i. d. Oberpfalz hat eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt. Rund 325 Beschäftigte erhalten ihre Löhne und Gehälter zunächst über Insolvenzgeld.
Das Wichtigste in Kürze
- Höhbauer hat einen Insolvenzantrag gestellt.
- Das Unternehmen beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
- Rechtsanwalt Volker Böhm von Schultze & Braun wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
- Produktion und Geschäftsbetrieb sollen zunächst weiterlaufen.
- Die Löhne und Gehälter sind laut Insolvenzverwaltung bis einschließlich November über Insolvenzgeld abgesichert.
- Sanierungsoptionen werden derzeit geprüft.
- Erst 2025 feierte der Familienbetrieb sein 75-jähriges Bestehen.
75 Jahre Familienunternehmen, jetzt beginnt der Kampf um die Zukunft
Noch im März 2025 feierte Höhbauer sein 75-jähriges Firmenjubiläum. Das Unternehmen lud damals zu einem Tag der offenen Tür an den Stammsitz in Luhe-Wildenau und präsentierte neue Produkte und Smart-Home-Lösungen. Rund eineinhalb Jahre später steht der traditionsreiche Hersteller vor einer erheblich schwierigeren Aufgabe: der wirtschaftlichen Sanierung.
Höhbauer produziert Fenster, Haustüren, Wintergärten und weitere Bauelemente. Gegründet wurde das Unternehmen 1950 als Zimmerei. Über Jahrzehnte entwickelte sich daraus ein industrieller Mittelständler mit starkem regionalem Bezug.
Am 22. September 2026 wurde die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das zuständige Amtsgericht Rechtsanwalt Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun. Ein eröffnetes Insolvenzverfahren bedeutet dieser Schritt noch nicht: Zunächst werden Vermögenslage, Fortführungsmöglichkeiten und mögliche Sanierungswege geprüft.
Produktion läuft trotz Insolvenzantrag weiter
Für Kunden und Beschäftigte ist zunächst entscheidend, dass der Betrieb nicht eingestellt wurde.
„Der Geschäftsbetrieb geht auch nach dem Insolvenzantrag weiter“, erklärte Insolvenzverwalter Böhm. Gemeinsam mit seinem Team wolle er sich in den kommenden Wochen ein genaues Bild von der wirtschaftlichen Situation verschaffen und die Sanierungsoptionen prüfen.
Die rund 325 Beschäftigten wurden über die Situation informiert. Ihre Löhne und Gehälter sollen bis einschließlich November durch Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert sein.
Damit ist die unmittelbare Fortführung zunächst abgesichert. Ob Höhbauer langfristig in seiner bisherigen Struktur weitergeführt werden kann, ist dagegen derzeit offen.
Schwieriges Umfeld für Fenster- und Bauelementehersteller
Der Fall fällt in eine Phase erheblicher Veränderungen im deutschen Bau- und Immobilienmarkt. Höhbauer hatte nach Medienberichten bereits im Lagebericht für das Geschäftsjahr 2023/24 auf schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und einen deutlichen Gewinnrückgang hingewiesen.
Dabei ist das aktuelle Bild der Baubranche differenzierter als noch vor einem Jahr.
Die Zahl der Baugenehmigungen steigt inzwischen wieder: Von Januar bis Juli 2026 wurden bundesweit 148.800 Wohnungen genehmigt. Das waren 12,9 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Allein bei Neubauwohnungen in Wohngebäuden lag das Plus bei 13,5 Prozent.
Das klingt zunächst nach einer deutlichen Erholung. Die Statistik hat jedoch einen entscheidenden Haken: Sie kommt von einem ausgesprochen niedrigen Ausgangsniveau. Das Statistische Bundesamt hatte bereits bei den Halbjahreszahlen darauf hingewiesen, dass die Jahre 2024 und 2025 zu den schwächsten der jüngeren Vergangenheit gehörten.
Für Hersteller von Fenstern, Türen und anderen Bauelementen bedeutet das: Neue Genehmigungen allein sorgen nicht unmittelbar für volle Auftragsbücher. Zwischen Genehmigung, Baubeginn und der Bestellung konkreter Bauteile können erhebliche Zeiträume liegen.
Insolvenz bedeutet noch nicht das Ende von Höhbauer
Der Insolvenzantrag ist deshalb noch keine Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens.
Die vorläufige Insolvenzverwaltung soll zunächst verhindern, dass sich die wirtschaftliche Situation weiter verschlechtert, und zugleich prüfen, ob ein tragfähiges Fortführungskonzept möglich ist. Denkbar sind in solchen Verfahren unter anderem eine Restrukturierung des bestehenden Unternehmens oder die Suche nach Investoren. Welche Variante bei Höhbauer verfolgt wird, ist bislang nicht bekannt.
Insolvenzverwalter Böhm sieht nach Angaben des Branchenmediums Glas Fenster Fassade grundsätzlich Möglichkeiten für eine Sanierung. Eine konkrete Lösung oder einen Investor gibt es nach öffentlich verfügbarem Stand jedoch noch nicht.
Auch Geschäftsführer Christoph Höhbauer machte deutlich, dass das Unternehmen weitergeführt werden soll. Der Schritt zum Insolvenzantrag sei dem Unternehmen nicht leichtgefallen, erklärte er gegenüber Medien. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter wolle man die Auswirkungen auf Kunden und Unternehmen möglichst gering halten.
Faktenüberblick
Unternehmen: Höhbauer GmbH
Sitz: Luhe-Wildenau, Bayern
Gründung: 1950
Branche: Fenster, Haustüren, Wintergärten und Bauelemente
Beschäftigte: rund 325
Insolvenzantrag: September 2026
Vorläufiger Insolvenzverwalter: Rechtsanwalt Volker Böhm, Schultze & Braun
Status: Geschäftsbetrieb wird fortgeführt
Insolvenzgeld: bis einschließlich November 2026 angekündigt
Was jetzt zählt
Für Höhbauer beginnen nun die Wochen, in denen über die wirtschaftliche Zukunft des Familienbetriebs entschieden wird. Der Insolvenzverwalter muss klären, welche Teile des Geschäfts profitabel arbeiten, wie hoch der Finanzierungsbedarf ist und ob eine Sanierung aus eigener Kraft oder mit einem Investor möglich ist.
Für die Beschäftigten verschafft das Insolvenzgeld zunächst Zeit. Für Kunden dürfte entscheidend sein, ob laufende Aufträge planmäßig gefertigt und ausgeliefert werden können. Derzeit läuft der Geschäftsbetrieb weiter.
Noch offen
- Wie hoch sind die finanziellen Verpflichtungen des Unternehmens?
- Welche Faktoren haben unmittelbar zur Zahlungsunfähigkeit geführt?
- Muss Höhbauer Standorte, Produktion oder Beschäftigtenzahl reduzieren?
- Wird ein Investor gesucht?
- Wann entscheidet das Gericht über die Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens?
Dazu liegen bislang keine belastbaren öffentlichen Angaben vor.
FAQ
Ist Höhbauer endgültig geschlossen?
Nein. Der Geschäftsbetrieb läuft nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters weiter.
Wie viele Mitarbeiter sind betroffen?
Nach Angaben der Insolvenzverwaltung beschäftigt Höhbauer rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Werden die Beschäftigten weiter bezahlt?
Die Löhne und Gehälter sollen bis einschließlich November 2026 über Insolvenzgeld abgesichert werden.
Bedeutet ein Insolvenzantrag automatisch das Ende des Unternehmens?
Nein. Im vorläufigen Verfahren werden ausdrücklich Sanierungs- und Fortführungsmöglichkeiten geprüft.
Wann wurde Höhbauer gegründet?
Das Unternehmen wurde 1950 gegründet und feierte im März 2025 sein 75-jähriges Bestehen.
Quellen und Faktenprüfung
Primärquelle: Schultze & Braun, Pressemitteilung zur vorläufigen Insolvenzverwaltung vom 22. September 2026.
Unternehmensquelle: Höhbauer, Unternehmensinformation zum 75-jährigen Firmenjubiläum.
Amtliche Konjunkturdaten: Statistisches Bundesamt, Baugenehmigungen Januar bis Juli 2026.
Weitere Berichterstattung: t-online und Branchenmedium GFF.
Transparenzhinweis: Die genaue Ursache der Zahlungsunfähigkeit und die Höhe möglicher Verbindlichkeiten sind bislang öffentlich nicht belastbar dokumentiert. Presse.Online übernimmt hierzu keine Spekulationen.
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