AfD vorn in MV, Linke gewinnt Berlin-Prognose
AfD liegt in MV vorn, Linke gewinnt Berlin deutlich
Berlin/Schwerin. Die AfD liegt in Mecklenburg-Vorpommern vorn, die Linke gewinnt die erste Prognose in Berlin: Die beiden Landtagswahlen verändern die politischen Kräfteverhältnisse und setzen vor allem CDU und SPD erheblich unter Druck.
In Mecklenburg-Vorpommern kommt die AfD nach den vorliegenden 18-Uhr-Zahlen auf 37,0 Prozent. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreicht 35,5 Prozent und liegt damit nur 1,5 Prozentpunkte zurück. In Berlin erzielt die Linke 24,5 Prozent und setzt sich deutlich von der CDU mit 20,0 Prozent ab.
Mecklenburg-Vorpommern: AfD knapp vor Schwesigs SPD
Das Rennen in Mecklenburg-Vorpommern fällt enger aus, als der zeitweise deutliche AfD-Vorsprung in früheren Umfragen erwarten ließ. Dennoch liegt die Partei in der ersten Prognose vorn. Die SPD verliert gegenüber ihrem Landtagswahlergebnis von 2021, als sie 39,6 Prozent erreicht hatte, bleibt mit 35,5 Prozent aber ungewöhnlich stark.
Die Prognose für Mecklenburg-Vorpommern:
- AfD: 37,1 Prozent
- SPD: 35,6 Prozent
- Linke: 7,4 Prozent
- CDU: 5,4 Prozent
- Grüne: 5,5 Prozent
- BSW: 5,0 Prozent
Für die CDU bedeutet die Prognose einen historischen Absturz. Bei der Landtagswahl 2021 hatte sie noch 13,3 Prozent erreicht. Auch die Grünen liegen nur knapp über der Fünfprozenthürde. Das BSW erreicht exakt fünf Prozent.
Schon kleine Veränderungen in den ersten Hochrechnungen können deshalb darüber entscheiden, ob eine oder mehrere dieser Parteien in den Schweriner Landtag einziehen. Das würde die Sitzverteilung und sämtliche Koalitionsberechnungen erheblich verändern.
Rot-Rot verliert seine Mehrheit in Schwerin
Die bisherige Landesregierung aus SPD und Linken erreicht zusammen 43 Prozent und verliert damit ihre bisherige Mehrheit. SPD, Linke und Grüne kommen in der Prognose auf insgesamt 48,5 Prozent.
Ob dieser Stimmenanteil für eine parlamentarische Mehrheit reicht, hängt davon ab, welche Parteien tatsächlich die Fünfprozenthürde überwinden und wie sich die Mandate verteilen. Stimmen für Parteien, die am Einzug in den Landtag scheitern, werden bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt.
Die AfD ist zwar stärkste Kraft der Prognose, eine Regierungsbildung unter ihrer Führung ist derzeit jedoch nicht absehbar. Die übrigen im Landtag vertretenen Parteien lehnen eine Koalition mit der AfD ab. Ein erster Platz wäre deshalb nicht automatisch mit dem Amt des Ministerpräsidenten verbunden.
Berlin: Linke mit klarem Vorsprung vor der CDU
In Berlin fällt die Entscheidung deutlicher aus. Die Linke erreicht in der ersten Prognose 24,5 Prozent und liegt 4,5 Prozentpunkte vor der CDU. Die AfD kommt auf 16,0 Prozent, die Grünen erreichen 15,0 Prozent. Die SPD fällt auf 12,0 Prozent. Das BSW liegt mit 5,0 Prozent genau an der Einzugshürde.
Die Berliner Prognose:
- Linke: 25,0 Prozent
- CDU: 20,0 Prozent
- AfD: 15,7 Prozent
- Grüne: 15,0 Prozent
- SPD: 12,0 Prozent
- BSW: 5,0 Prozent
Für die CDU bedeutet das den Verlust des ersten Platzes, den sie bei der Wiederholungswahl 2023 mit 28,2 Prozent gewonnen hatte. Noch härter trifft die Prognose die SPD: Mit zwölf Prozent liegt die Partei nur noch auf Rang fünf.
Die bisherige Koalition aus CDU und SPD kommt gemeinsam auf lediglich 32 Prozent. Schwarz-Rot kann auf dieser Grundlage nicht weiterregieren.
Linke kann Anspruch auf das Rote Rathaus anmelden
Die Linke kann nach dieser Prognose einen klaren Führungsanspruch für das Rote Rathaus anmelden. Ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD erreicht zusammen 51,5 Prozent der Stimmen und wäre die naheliegende rechnerische Mehrheit.
Ob diese Mehrheit auch bei der Mandatsverteilung trägt, müssen die Hochrechnungen zeigen. Politisch müssten sich die drei Parteien insbesondere in der Wohnungs-, Verkehrs- und Haushaltspolitik verständigen.
Auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD könnte abhängig von der Sitzverteilung rechnerisch möglich sein. Die drei Parteien kommen zusammen auf 47 Prozent. Weil Stimmen für Parteien unterhalb der Fünfprozenthürde bei der Mandatsverteilung nicht berücksichtigt werden, kann auch ein Stimmenanteil unter 50 Prozent für eine Sitzmehrheit genügen.
Das Abschneiden des BSW besitzt deshalb erhebliche Bedeutung. Scheitert die Partei knapp an der Fünfprozenthürde, verändert das die Mandatsanteile aller übrigen Parteien.
Zwei Wahlsieger und schwierige Regierungsbildungen
Der Wahlabend liefert kein einheitliches politisches Signal. In Mecklenburg-Vorpommern wird die AfD stärkste Kraft der Prognose, bleibt bei der Suche nach möglichen Koalitionspartnern aber isoliert. In Berlin gewinnt die Linke mit deutlichem Vorsprung und besitzt mit Grünen und SPD eine realistische Machtoption.
Bundespolitisch erhöhen die Prognosen den Druck auf CDU und SPD. Die CDU verliert in Berlin deutlich und kämpft in Mecklenburg-Vorpommern um ihren Verbleib im Landtag. Die SPD kann sich in MV knapp hinter der AfD behaupten, fällt in Berlin jedoch auf ein historisch schwaches Niveau.
Noch sind die Zahlen nicht endgültig. Prognosen beruhen vor allem auf Befragungen nach der Stimmabgabe. Die folgenden Hochrechnungen beziehen zunehmend ausgezählte Wahlbezirke ein. Besonders bei CDU, Grünen und BSW in Mecklenburg-Vorpommern sowie beim BSW in Berlin bleibt die Fünfprozenthürde der zentrale Unsicherheitsfaktor des Abends.
Quellen und Transparenz
- Vorliegende 18-Uhr-Prognosen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin vom 20. September 2026
- Landeswahlleitung Mecklenburg-Vorpommern: Ergebnisse der Landtagswahl 2026
- Landeswahlleitung Berlin: Berliner Wahlen 2026
- rbb/Infratest dimap: Prognosen und Hochrechnungen zur Berlin-Wahl
- NDR: Prognosen und Hochrechnungen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die erste Prognose wird um 18 Uhr veröffentlicht; spätere Hochrechnungen beziehen bereits ausgezählte Wahlbezirke ein.
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