CDU stürzt auf 4,9 Prozent
CDU-Debakel in MV: 4,9 Prozent erhöhen Druck auf Merz
Die CDU hat in Mecklenburg-Vorpommern eine historische Niederlage erlitten. Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis kommt sie bei der Landtagswahl vom 20. September 2026 auf 4,9 Prozent der Zweitstimmen. Damit verpasst sie erstmals in ihrer Geschichte bei einer Landtagswahl den Einzug in ein Landesparlament.
Auch die Berliner Wahl trifft die Union schwer. Die Linke wird mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, während die CDU 9,5 Prozentpunkte verliert und auf 18,8 Prozent fällt. Der doppelte Rückschlag erhöht den Druck auf Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz auch wenn aus zwei Landtagswahlen allein noch keine Entscheidung über seine politische Zukunft folgt.
49.629 Zweitstimmen reichen der CDU nicht
Das Scheitern in Mecklenburg-Vorpommern ist knapp, aber eindeutig. Die CDU erhält nach Angaben der Landeswahlleitung 49.629 Zweitstimmen. Ihr Anteil sinkt von 13,3 Prozent im Jahr 2021 auf 4,9 Prozent. Damit verliert die Partei 8,4 Prozentpunkte und sämtliche Mandate im Schweriner Landtag.
Stärkste Kraft wird die AfD mit 38,2 Prozent. Gegenüber 2021 legt sie um 21,5 Prozentpunkte zu. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreicht 35,5 Prozent und verliert 4,1 Punkte. Die Linke kommt auf 6,5 Prozent, die Grünen erreichen 5,7 Prozent. Das BSW scheitert mit 4,8 Prozent ebenfalls knapp, die FDP fällt auf 1,0 Prozent.
Der neue Landtag hat nach dem vorläufigen Ergebnis 71 Sitze. Davon entfallen 32 auf die AfD, 29 auf die SPD sowie jeweils fünf auf Linke und Grüne. Damit verfügen SPD, Linke und Grüne zusammen über 39 Mandate und könnten eine Regierung unter Schwesig bilden. Die AfD ist zwar stärkste Kraft, hat aber keine eigene Mehrheit.
Die Wahlbeteiligung steigt auf 78,1 Prozent. Im Jahr 2021 hatten 70,8 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt.
Bundesfrust trifft auf einen polarisierten Landeswahlkampf
Das CDU-Ergebnis hat mehrere Ursachen. Der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern konzentrierte sich stark auf den Zweikampf zwischen Schwesig und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm. CDU-Landeschef Daniel Peters beschrieb bereits am Wahlabend, seine Partei sei in diesem polarisierten Wettbewerb „zerrieben“ worden.
Hinzu kommt der Gegenwind aus der Bundespolitik. Merz regiert seit 2025 als Kanzler einer Koalition aus Union und SPD. Debatten über Renten, Steuern, Gesundheit und die wirtschaftliche Entwicklung belasten die Bundesregierung. Dass die CDU gleichzeitig in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Parlament fällt und in Berlin deutlich verliert, macht es der Parteiführung schwer, die Ergebnisse allein mit regionalen Besonderheiten zu erklären.
Eine eindeutige bundespolitische Ursache lässt sich aus den Wahlergebnissen dennoch nicht ableiten. Kandidaten, regionale Konflikte und unterschiedliche Koalitionslagen spielten in beiden Ländern eine eigene Rolle. Belastbar ist jedoch: Die Union verlor in beiden Wahlen massiv, während jeweils eine Partei außerhalb der politischen Mitte der bisherigen Landesregierung stärkste Kraft wurde.
Merz nennt das Ergebnis ein „Desaster“ – und bleibt im Amt
Friedrich Merz bezeichnete das Abschneiden seiner Partei als „Desaster“. Einen Rückzug lehnte er ab. Der Kanzler kündigte an, die geplanten Reformen fortzusetzen, und stellte weder das Kanzleramt noch den CDU-Vorsitz zur Disposition.
Damit verschiebt sich die Auseinandersetzung in die Union. Entscheidend wird sein, ob führende CDU-Politiker den Kurs des Parteichefs weiter geschlossen tragen oder nach personellen und programmatischen Konsequenzen verlangen. Das Ergebnis von 4,9 Prozent liefert Merz’ Kritikern ein starkes Argument: Unter seiner Führung hat die CDU nicht nur Stimmen verloren, sondern erstmals die parlamentarische Vertretung in einem Bundesland verfehlt.
Für die schwarz-rote Bundesregierung ist der Wahlabend ebenfalls eine Belastung. Die SPD behauptet zwar unter Schwesig ihre Chance auf die Regierungsführung in Mecklenburg-Vorpommern, fällt in Berlin jedoch auf 12,1 Prozent. Ein klarer bundespolitischer Gewinner der Regierungskoalition ist deshalb nicht erkennbar.
Die Linke gewinnt Berlin – bisherige Koalition verliert ihre Mehrheit
In Berlin erzielt Die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp 25,7 Prozent und gewinnt 13,4 Prozentpunkte hinzu. Die CDU erreicht 18,8 Prozent. Es folgen die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent. Das BSW scheitert mit 4,7 Prozent, die FDP kommt auf 2,5 Prozent.
Die bisherige schwarz-rote Landesregierung wird damit deutlich abgestraft. Rechnerisch rückt ein Bündnis unter Führung der Linken in den Mittelpunkt. Welche Koalition tatsächlich zustande kommt, entscheiden jedoch erst die Gespräche zwischen den Parteien. Aus dem Wahlsieg allein folgt noch kein Regierungsauftrag im rechtlichen Sinne.
Die endgültigen Ergebnisse werden in beiden Ländern erst von den zuständigen Wahlausschüssen festgestellt. Bis dahin gelten die veröffentlichten Zahlen als vorläufig.
Zahlen und Daten
- Mecklenburg-Vorpommern: AfD 38,2 %, SPD 35,5 %, Linke 6,5 %, Grüne 5,7 %, CDU 4,9 %, BSW 4,8 %, FDP 1,0 %
- Sitzverteilung in Schwerin: AfD 32, SPD 29, Linke 5, Grüne 5
- Berlin: Linke 25,7 %, CDU 18,8 %, AfD 16,3 %, Grüne 14,3 %, SPD 12,1 %, BSW 4,7 %, FDP 2,5 %
- Wahlbeteiligung: 78,1 % in Mecklenburg-Vorpommern; 74,2 % in Berlin
Quellen und Transparenz
- Landeswahlleitung Mecklenburg-Vorpommern: Vorläufiges Landesergebnis der Landtagswahl 2026, Primärquelle, abgerufen am 21. September 2026
- Landeswahlleitung Mecklenburg-Vorpommern: Vorläufige Mandatsverteilung, Primärquelle, abgerufen am 21. September 2026
- Landeswahlleiter Berlin: Vorläufiges Ergebnis der Abgeordnetenhauswahl 2026, Primärquelle, Stand 21. September 2026
- Landeswahlleiter Berlin: Vorläufiges Ergebnis festgestellt, amtliche Mitteilung vom 21. September 2026
- Reuters, Reaktionen von Friedrich Merz und bundespolitische Einordnung, Bericht vom 20. September 2026
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