Fast eine Billion Euro Steuern
Steuereinnahmen steigen auf 989,8 Milliarden Euro
In Deutschland wurden 2025 insgesamt 989,8 Milliarden Euro Steuern eingenommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren das 42,1 Milliarden Euro oder 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Summe bezeichnet die kassenmäßigen Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden vor ihrer Verteilung. Sie ist deshalb weder mit den Einnahmen des Bundes noch mit sämtlichen Einnahmen des Staates gleichzusetzen. Sozialversicherungsbeiträge und andere staatliche Einnahmen sind darin nicht enthalten.
Umsatz- und Lohnsteuer bringen mehr als die Hälfte ein
Die mit Abstand größten Positionen waren 2025 die Umsatzsteuer einschließlich Einfuhrumsatzsteuer mit 310,2 Milliarden Euro und die Lohnsteuer mit 262,7 Milliarden Euro. Zusammengenommen entsprachen beide Steuerarten rund 58 Prozent des gesamten Steueraufkommens.
Die Umsatzsteuereinnahmen legten laut Destatis um 2,7 Prozent zu. Bei der Lohnsteuer betrug der Anstieg 5,5 Prozent. Steigende Löhne, Beschäftigung, Konsum und Preise können das nominale Aufkommen erhöhen, ohne dass Steuersätze angehoben werden müssen.
Zu den weiteren ertragreichen Steuerarten gehörten die veranlagte Einkommensteuer mit 78,4 Milliarden Euro, die Gewerbesteuer mit brutto 76,4 Milliarden Euro und die Körperschaftsteuer mit 39,2 Milliarden Euro.
Die verbreitete Grafik mit den 15 größten Steuerarten gibt diese Beträge im Wesentlichen nach der Destatis-Systematik vor der Steuerverteilung wieder. Sie zeigt jedoch nur ausgewählte Einnahmen und nicht, welche staatliche Ebene das Geld letztlich erhält oder wofür es ausgegeben wird. Der Zusatz „Deutschlands Einnahmen“ ist daher zu weit gefasst. Präziser wäre „Steuereinnahmen in Deutschland vor der Steuerverteilung“.
Der Rekord ist auch ein nominaler Rekord
Ein Vergleich der Milliardenbeträge allein bildet die tatsächliche Entwicklung der staatlichen Finanzkraft nur unvollständig ab. Die Verbraucherpreise stiegen 2025 nach Angaben von Destatis im Jahresdurchschnitt um 2,2 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt nahm in jeweiligen Preisen um 3,3 Prozent zu, preisbereinigt aber lediglich um 0,2 Prozent.
Die Steuereinnahmen wuchsen mit 4,4 Prozent somit stärker als die durchschnittlichen Verbraucherpreise und stärker als die nominale Wirtschaftsleistung. Daraus lässt sich dennoch nicht ableiten, dass sämtliche 42,1 Milliarden Euro zusätzlich und frei verfügbar wären.
Mit Preisen und Löhnen steigen auch staatliche Ausgaben beispielsweise für Personal, Bauvorhaben, Beschaffung sowie soziale Leistungen. Hinzu kommen höhere Anforderungen an Verteidigung, Infrastruktur, Pflege und Alterssicherung. Für die politische Bewertung müssen deshalb Einnahmen, Ausgaben, Finanzierungssaldo und Aufgaben der jeweiligen staatlichen Ebene gemeinsam betrachtet werden.
Auch die Steuerquote ist aussagekräftiger als die Rekordsumme allein. Nach der internationalen Abgrenzung, die das Bundesfinanzministerium auf Grundlage von OECD-Daten verwendet, lag Deutschlands Steuerquote 2024 bei 23,2 Prozent. Die gesamte Abgabenquote einschließlich Sozialbeiträgen betrug 38,0 Prozent. Deutschland lag damit bei der Abgabenquote im Mittelfeld der betrachteten Industriestaaten. Die persönliche Belastung kann davon erheblich abweichen.
Elterngeld wurde begrenzt, Renten aber nicht pauschal gekürzt
Die Kritik, der Staat nehme mehr ein und kürze gleichzeitig Leistungen, trifft nicht auf alle genannten Bereiche in gleicher Weise zu.
Beim Elterngeld wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten tatsächlich verkleinert. Für Geburten seit dem 1. April 2025 liegt die Einkommensgrenze für Paare und Alleinerziehende bei 175.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Wer diese Grenze überschreitet, erhält kein Elterngeld. Zuvor lag sie für Geburten ab April 2024 bei 200.000 Euro.
Von einer allgemeinen Rentenkürzung kann dagegen aktuell nicht gesprochen werden. Die gesetzlichen Renten wurden zum 1. Juli 2026 erhöht; zugleich gilt ein Mindestsicherungsniveau von 48 Prozent. Die Rentengarantie verhindert eine nominale Absenkung des aktuellen Rentenwerts.
Davon zu unterscheiden sind politische Eingriffe in die Finanzierung der Rentenversicherung, die Besteuerung von Renten, die Anrechnung bestimmter Einkommen oder Veränderungen einzelner Zuschüsse. Solche Maßnahmen können Betroffene belasten, sind aber keine pauschale Kürzung aller ausgezahlten Renten.
Warum hohe Kraftstoffpreise nicht nur an Steuern liegen
Beim Tanken besteht der Endpreis aus mehreren Komponenten: dem Warenpreis, den Kosten und Margen entlang der Lieferkette, der Energiesteuer, der CO₂-Bepreisung und der Umsatzsteuer.
Die Energiesteuer beträgt bei Benzin und Diesel einen festen Betrag je Liter. Die Umsatzsteuer von 19 Prozent wird dagegen auf den gesamten Nettopreis einschließlich Energiesteuer und CO₂-Kosten erhoben. Steigt der Marktpreis, steigt deshalb auch der absolute Umsatzsteuerbetrag.
Der nationale CO₂-Preis lag 2025 bei 55 Euro je Tonne. Seit 2026 werden Zertifikate innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro versteigert. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums kann die Veränderung gegenüber 2025 den Preis für Benzin und Diesel um bis zu etwa drei Cent je Liter erhöhen.
Darüber hinaus hängen die Tankstellenpreise vom Rohölpreis, Wechselkurs, Raffineriekosten, Wettbewerb und regionalen Marktbedingungen ab. Das Bundeskartellamt erhebt über seine Markttransparenzstelle laufend die Preise für Super E5, Super E10 und Diesel. Eine Rekordsumme bei den gesamten Steuereinnahmen erklärt daher weder die Höhe noch kurzfristige Schwankungen des Kraftstoffpreises vollständig.
Zahlen und Daten
- Steuereinnahmen 2025: 989,8 Milliarden Euro
- Veränderung gegenüber 2024: +42,1 Milliarden Euro beziehungsweise +4,4 Prozent
- Umsatzsteuer einschließlich Einfuhrumsatzsteuer: 310,2 Milliarden Euro
- Lohnsteuer: 262,7 Milliarden Euro
- Verbraucherpreisanstieg 2025: 2,2 Prozent
- Nominales Wirtschaftswachstum 2025: 3,3 Prozent
- Preisbereinigtes Wirtschaftswachstum 2025: 0,2 Prozent
- Elterngeldgrenze seit April 2025: 175.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen
Die zentrale politische Frage lautet damit nicht allein, ob der Staat Rekordeinnahmen erzielt. Entscheidend für die Bewertung ist, wie sich die Belastung verschiedener Einkommensgruppen entwickelt, welche Ausgaben damit finanziert werden und welche Prioritäten Bund, Länder und Gemeinden bei wachsenden Einnahmen setzen.
Quellen und Transparenz
- Statistisches Bundesamt: Steuereinnahmen 2025 summieren sich auf rund 990 Milliarden Euro, veröffentlicht am 17. April 2026, amtliche Statistik.
- Destatis GENESIS-Online: Steuereinnahmen nach Steuerarten vor der Steuerverteilung, amtlicher Datensatz.
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate 2025 bei 2,2 Prozent, veröffentlicht am 16. Januar 2026, amtliche Pressemitteilung.
- Statistisches Bundesamt: Bruttoinlandsprodukt 2025 um 0,2 Prozent gewachsen, veröffentlicht am 15. Januar 2026, amtliche Pressemitteilung.
- Bundesregierung: Neue Regelungen beim Elterngeld, aktualisiert am 6. Mai 2025, amtliche Information.
- Deutsche Rentenversicherung: Rentenanpassung 2026, amtliche Fachinformation.
- Bundesfinanzministerium: Steuern im internationalen Vergleich 2025, veröffentlicht am 21. Juli 2026, Auswertung auf Grundlage von OECD-Daten.
- Bundeskartellamt: Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, amtliche Marktinformation.
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